Debatte um den Islam in Deutschland

Georg Anastasiadis: Islam und kein Ende; Kommentar, Habeck: Seehofer soll sich entschuldigen; Titelseite 29./30. März

Mit großem Interesse und Spaß verfolge ich regelmäßig die Leserbriefseite im „Boten“ und natürlich respektiere ich auch jedwede Meinung, auch wenn sie politisch und/oder kirchlich geprägt sein mag. Gleichwohl werde ich mich in die Islam-Debatte erbringen, schon weil ich aus den Äußerungen meiner Mitautoren vermuten muss, dass sie den Koran nie gelesen haben und mithin Ihre Angst vor dieser Religion ausschließlich den Gräuel islamischer Fanatiker entnehmen, die den Koran auf ihre Weise auslegen. Dies hat die katholische Kirche auch getan und Hunderttausende im Namen Christi ermordet während der Inquisition, ein Werk, welches man kaum gottgefällig nennen kann! Eine Religion wird gerne missbraucht für Fanatismus und persönliche, politische Macht. Dies gilt für alle bekannte Religionen und Sekten, welche einen personifizierten Gott haben. Alleine der christliche Glaube hat über 300 verschiedene Kirchen und Sekten mit eigenen Dogmen und bisweilen auch Massensuiziden. Auch heute kämpfen radikale Islamisten gegen islamische Staaten und Menschen, Hunderttausende werden vertrieben oder ermordet. Die Interpretation des Korans durch die Radikalen schafft ein Elend, welches der Koran und damit die islamische Religion nicht gut heißen kann! Und außerdem: Wir sprechen hier von Menschen, die unsere Mitbürger sind (oder werden) und ein Recht auf ihren eigenen Glauben haben. Der Koran ist absolut kompatibel mit unserem Grundgesetz. Er ist deutlich weniger brutal als die Bibel. Ergo ist auch ein Muslim nicht gesetzeswidrig, nur weil er gläubig ist. Ich halte es für einen Fehler islamische Radikalisten, die den Koran für sich auslegen, als Leitlinie für eine ganze Religion zu propagieren und dafür ausschließlich ihre Gräueltaten für Dogmen des Islam zu interpretieren! Nein, ich bin kein Anhänger des Islam, auch nicht irgendeiner christlichen Kirche. Aber ich respektiere beide Religionsformen, solange diese demokratische Werte achten und verstehen, dass sie nicht staatliche Funktion haben. Jurisdiktion, Legislative und Exekutive sind die Staatspfeiler, nicht Religion. Wenn türkische Mitbürger auf die Straße gehen, um für ihren diktatorischen Präsidenten Erdogan zu demonstrieren, so ist das ihr Recht, ebenso wie es Recht für die propagandistische, nationalistische AfD oder die menschenfeindliche Pegida ist. Wir sind eine Demokratie und sollten es bleiben! Man muss freie Meinungsäußerung und Religionsfreiheit nicht verurteilen, nur weil es da auch Meinungen gibt, die nicht zur eigenen passen! Herr Seehofer will eine Wahl gewinnen - so mein persönlicher Eindruck. Seine allzu nationalen und in Bewahrung besonders kirchlicher Ansprüche gerichteten, populistischen Äußerungen sollen besonders die traditionsbewussten, national denkenden und christlich religiösen Bevölkerungsteile aktivieren, so wie die NPD & AfD dies seit ihrer Existenz tun. Ich denke aber, in diesem Bezug kann er von seinem Vorgänger (den ich persönlich kenne und sogar schätze) oder von „King“ Trump noch etwas mehr primitive Schlagkraft lernen. Ich bin nun wirklich nicht ein Tafelritter der Partei von Frau Merkel. Im Punkt Flüchtlinge hat sie aber eine Entscheidung getroffen – fern von Beachtung politischer Einstellung und/oder Religion der Betroffenen –, der ich logisch und menschlich folgen kann und für welche ich ihr absoluten Respekt zolle. Ich persönlich werde den Tag begrüßen, da wir reif genug sein werden, unseren Nationalstolz für Bayern, Deutschland oder Europa zu vergessen und als Weltbürger tolerant genug sein werden, jedwede Meinung oder Religion als Teil einer Gesamtkultur zu begreifen und zu akzeptieren. 

Dr. Peter Ruland Icking

Der Islam gemäß den Regeln des Korans gehört nicht zu Deutschland. Dass Muslime, die hier leben, in ihre Moscheen gehen und beten, ist okay. Jedoch müssen sie unser Grundgesetz akzeptieren. Der Koran steht nicht über unserem Gesetz. In Deutschland gibt es keine Scharia, Vielweiberei, Kinderehen, Verschleierung etc. Nirgends im Koran steht, dass die Frauen Kopftuch tragen müssen. Wenn die Muslime unser Grundgesetz nicht akzeptieren wollen, dann müssen sie sich ein Land suchen, in dem der Koran als Gesetz gilt. Herr Seehofer hat Recht. Wir wollen keine Islamisierung gemäß dem Koran. 

Gerda Kunkel Aschheim

Was ist denn an Abendland christlich? Bitte, bitte, bitte, hört auf, den Untergang des christlichen Abendlandes herbei zu lamentieren! Was ist den bei uns noch so sehr christlich? Die Mitgliederzahlen der großen Kirchen bröckeln stetig, der Gottesdienstbesuch dümpelt bei unter fünf Prozente vor sich hin, bei Pfarrgemeinderatswahlen gehen ca. drei Prozente oder weniger hin. Die hohen christlichen Teste sind entleert und kommerzialisiert worden. Der Kenntnisstand über den Inhalt dieser Feste tendiert gegen Null. Fragen Sie mal jemand nach den Inhalt von Pfingsten: Fehlanzeige. Unser Gott hier heißt Mammon, oder ganz einfach: Geld und Konsum. Machen wir uns nichts vor! Jeder Priester würde sich vor Freude alle zehn Finger abschlecken, wäre des Gottesdienstbesuchs bei den Christen so hoch wie bei den Muslimen. Gelebter Glaube, wie bei vielen frommen Muslimen, hat eine gewisse Wucht, die uns Christen irritiert. Wir schämen uns ja, vor einem Marterl ein Kreuz zu schlagen oder ein stilles Gebet zu verrichten. Wir scheuen uns zu sagen: Ich bin Christ. Ich versuche auch, so zu leben. Durch diese Hasenherzigkeit haben wir uns selbst in eine vorsorgliche Defensive getrieben. Also, runter vom Gas bei der Beschwörung des christlichen Abendlandes, nur weil hier halt eine Tradition eine Zeit lang angedauert hat. Demnach hätte ja das Land zwischen Euphrat und Tigris eine jüdische Tradition (der Irak würde sich bedanken) und Israel hätte eine zutiefst christliche Tradition. (Netanjahu hätte ein Problem damit) Was zählt, ist der Istzustand. Ob eine CSU oder CDU den christlichen Werten entspricht? Nächstenliebe? Solidarität? Fremde beherbergen? Darüber könnte man nachdenken. Das C gehört aus den Parteinamen herausgenommen, es täuscht etwas vor, was nicht mehr existiert und vielleicht nie existiert hat. 

Gundula Martz Garmisch-Partenkirchen

Das ist das Absurdeste, was ich je hörte. Für was soll sich Herr Seehofer entschuldigen? Wir sind Christen und der Islam gehört nicht zu uns. Aber wir sind sehr tolerant und dieser Glaube wird in Deutschland geduldet. Es soll jeder seinen Glauben leben, doch es soll wegen des Glaubensunterschiedes, kein Menschenhass entstehen. 

Edeltraud Echter Böbing

Ich möchte die Diskussion, ob der Islam zu Deutschland gehört oder nicht, um einen einfachen Gedanken ergänzen: Nach allgemeinem Verständnis gehört ein bestimmter Teil zu einer Sache, wenn die Sache ohne diesen Teil nicht mehr sie selbst ist. Beispiel: Ein Schrank ohne Türen ist kein Schrank mehr, sondern ein Regal, ein Schlafzimmer ohne Betten ist kein Schlafzimmer mehr und ein Auto ohne Motor kein Auto mehr. Ob nun Deutschland ohne Islam nicht mehr Deutschland ist, möge jeder Leser selbst entscheiden. Entsprechend gehört der Islam zu Deutschland oder nicht. 

Joseph Reuter St. Wolfgang

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