Moment des völkischen Besoffenseins

Katalonien verschiebt Abspaltung; Titelseite 11. Oktober

Dieses Schauspiel zeigt ganz deutlich, dass Plebiszite nicht der Weisheit letzter Schluss sind. Plebiszite können gut gehen (siehe Münchner Tunnelentscheidungen), aber auch massiv in die Hose (siehe Brexit). In Zeiten mehrheitlicher Brexit-, Erdogan- und Trump-Wähler müssen sich Volksgemeinschaften wohl oder übel eingestehen, dass das Volk nicht so intelligent ist, wie es sich fühlt oder gerne wäre. Auch wenn es zudem der Gruppenintelligenztheorie vehement widerspricht: Schwarmintelligenz funktioniert nachweislich nicht immer. Selbst oberflächlichen Beobachtern ist rasch klar, dass das proklamierte freie Katalonien, der Freifahrschein des katalonischen Volkes ins wirtschaftliche Chaos ist. Hinzu kommt, dass positive Aspekte für ein Abspalten für Außenstehende überhaupt nicht zu erkennen sind. Warum werden diese Fakten negiert und von den Rädelsführern überhaupt nicht zur Kenntnis genommen? Das Alles wirklich nur für einen kurzen Moment des völkischen Besoffenseins? Schließlich kann man schon jahrhundertelang bei Schiller lesen: Der Wahn ist kurz - die Reue lang. Bedenklich finde ich auch, dass Pseudo-Prominente (zum Beispiel Pep etc.) hier nicht den faktenbasierten Argumentierer, sondern den völkischen Nachquatscher geben. 

Otto Noack Oberschleißheim

Steht der Rechtsstaat über den Bürgern oder wurde er von den Bürgern eingerichtet, damit er sie in ihrem Sein unterstützt? Die Wahrheit ist, dass die Regeln von Menschen gemacht und von diesen auch wieder außer Kraft gesetzt werden könnten. Wann? Ja dann, wenn berechtigte Belange dieser durch Regeln behindert werden. Ist ein Verlangen von Bürgern über ihre Unabhängigkeit abzustimmen moralisch einwandfrei oder muss dieses Verlangen bekämpft werden. Rajoy ist ein Despot, dem die Anliegen seiner Bürger egal sind. Ansonsten hätte er abgewartet, wie die Abstimmung aus ginge und dann erst gehandelt. So hat er im Vorfeld alles kurz und klein geschlagen und genau das Gegenteil erreicht, was möglich gewesen wäre. Kleingeist und Paragraphendipfler würde ich ihn nennen. Das Grundgesetz ist nicht die Bibel. Seine Paragraphen sollten die Menschen schützen nicht „erledigen“. Komisch nur, dass Regelverstöße der Regierenden oft ungeahndet bleiben, während berechtigte Anliegen der Bürger nicht einmal diskutiert werden dürfen. Scheint eine Seuche sein, von der vor allem die Obrigkeit infiziert wurde. 

Richard Birk Freising

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