Nahrung für alle Erdbewohner

„1,3 Milliarden Tonnen Nahrung im Müll“; Titelseite 23. Januar

Essen für die Müllhalde! Stellen Sie sich vor, alle deutschen Landwirte würden ihre gesamten produzierten Lebensmittel einfach auf den Müll werfen – und das sieben Jahre lang! Wie zu lesen war, wird weltweit jährlich die siebenfache Menge an Nahrung, die die deutsche Landwirtschaft jährlich produziert, nämlich 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Um mir die Zahl zu verdeutlichen habe ich sie einmal in kg ausgeschrieben: 1 300 000 000 000 kg Lebensmittel landen jährlich auf dem Müll. Bedenkt man, dass nach offiziellen Angaben der Vereinten Nationen weltweit 870 Millionen Menschen an Hunger leiden, werden an anderer Stelle in der Welt täglich etwa 4 kg Lebensmittel pro hungerndem Menschen weggeworfen. Währenddessen verhungert alle 10 Sekunden irgendwo auf der Welt ein Mensch – meistens sind es Kinder (insgesamt sind es 8,8 Millionen Menschen jährlich). Nun aber genug der Zahlen. Natürlich ist mir bewusst, dass die direkte Umverteilung der Lebensmittel aus politischen, sozialen und geographischen Gründen nicht überall funktionieren würde. Allerdings rentiert es offensichtlich besser, die Waren in die betreffenden Länder zu verkaufen. So wird europäisches Gemüse auf afrikanischen Märkten, bedingt durch EU-Agrar-Subventionen billiger angeboten, als das dort produzierte Gemüse. Und so treiben wir zusätzlich die Gemüsebauern dort auch noch in den Ruin. Manchmal frage ich mich, ob wir zivilisierten Länder uns nicht an den Ländern der Dritten Welt des Völkermordes schuldig machen. Sicher eine harte These, die uns wahrscheinlich nur nachfolgende Generationen rückblickend beantworten können. Das Hauptproblem liegt wohl darin, dass dies alles irgendwo, weit weg von uns passiert. Würde mitten unter uns ein Kind verhungern, wären die Titelseiten wohl voll davon. Trotzdem ist es egal, wo die Lebensmittel weggeworfen werden und wo die Kinder verhungern. Es gibt keine Dritte Welt. Es gibt nur diese eine Welt. Diese Welt ist, wie anfangs berechnet, problemlos in der Lage, weit mehr, als die 7 Milliarden Erdbewohner zu ernähren. Allerdings sorgen wir mit Hochdruck dafür, dass Jahr für Jahr riesige Flächen an fruchtbarem Land unfruchtbar gemacht werden. Und wenn wir bei uns die Flächen nicht mehr haben, machen wir eben in der Dritten Welt weiter. Und das Alles offensichtlich nur, damit unser Wirtschaftswachstum erhalten bleibt, die Märkte immer schön ruhig bleiben und wir brav weiter konsumieren können. Wann werden uns endlich die Augen aufgehen und wir gemeinsam diese Welt verbessern. Wann werden wir Politiker wählen, die sich um die wahren Probleme dieser Welt kümmern? Ich kann freilich nicht sagen ob es besser wird, wenn es anders wird – aber es muss anders werden, damit es besser werden kann.

Markus Bogner Landwirt, Bad Wiessee

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