Martin Schulz: ein umstrittener Kandidat

Umfrage: SPD auf Zehnjahres-Hoch; Titelseite 13. Februar, Martin Schulz ist kein Heiliger; Leserbriefe 8. Februar

Aus dem Leserbrief von Manfred Ebeling entnehme ich folgenden Satz von Martin Schulz: Zitat: „Wir haben über einen sehr langen Zeitraum den Immobilienbereich den Spekulanten überlassen. Das war falsch.“ Natürlich war das falsch und falsch ist es noch heute, denn was kürzlich passierte, hätte nicht passieren dürfen! In Berlin, Köln, Kiel und Rendsburg hat der chinesische Staatsfonds CIC für 1,2 Milliarden Euro 16 000 Wohnungen aufgekauft. Ausgerechnet in SPD-Ländern, wo anscheinend keiner zuständig ist, um das zu verhindern!

China schottet sich ab, verkauft keine Immobilien an Ausländer. Deutschland lässt zu, dass der Ausverkauf von Firmen und Wohnungen an Ausländer floriert. Und was nun, Genosse Schulz? Wo ist denn die viel gerühmte soziale Gerechtigkeit? Frisst die Globalisierung sie auf oder ist es einfach so, dass es die soziale Gerechtigkeit gar nicht gibt? Nur als Werbespruch für die Wahlurne. Wie viele Wohnungen gehen noch in die Hände von Spekulanten? Die Fragen an die Politiker mehren sich, wo aber bleibt die Antwort?

Ein Skandal ist auch, dass arme Rentner zur „Tafel“ gehen müssen, weil die Rente und die Grundsicherung zum Leben nicht reichen. Was in den Supermärkten aussortiert wird, ist wohl gut genug für die Armen? Die Grundsicherung muss erhöht werden für ein menschenwürdiges Leben!

Erika Lutz
Grafing

Der Umfrage-Höhenflug der SPD beleuchtet die postfaktische Seite der Politik. Die SPD feiert mit Schulz den emotionalen Befreiungsschlag aus der gefühlten Enge der großen Koalition. Dabei sind Schulz und Merkel die zwei Seiten derselben politischen Medaille.

Schulz hat als Präsidiumsmitglied der SPD seit 1999 alles mitgemacht, was heute kritisiert wird: Die Schröder-Agenda 2010, den Krieg auf dem Balkan, die Zertrümmerung des Nahen Ostens, Libyens, den erfolglosen Afghanistan-Krieg, die Schuldenorgie der EU, die verunglückte Flüchtlingspolitik mit dem Türkeideal. Mit einfachen Botschaften nach Innen (der schwer arbeitende Mittelstand, der sich an die Regeln hält!?) hält er die Sturmlampe hoch und will das Wirrwarr auflösen, das laut Merkel keine einfachen Lösungen zulässt, sondern so kompliziert ist, dass sie zwar nicht sagen kann, wie, außer dass nur sie den Weg in der sich verdunkelnden Welt finden wird.

Der Wahlkampf wird verkürzt auf die Alternative er oder sie. Die Sache wird dadurch verschleiert und nicht gelöst. Die (noch) großen Parteien, die ständig in der Sache an der politischen Willensbildung des Volkes mitwirken sollen, haben kapituliert.

Ewald Zachmann
Olching

Ziemlich fassungslos steht man vor der Begeisterung, mit der ein Mann, der sich gegen alle festen Absprachen weigert, seinen Platz in der EU zu verlassen und erst geht, als ihm etwas Besseres angeboten wird, als Heilsbringer sowohl in der SPD als auch in großer Teilen der Medien gefeiert wird. Nur wenige Bürger dürften etwas Konkretes über diesen Mann wissen, obwohl er angeblich lt. Umfragen fast genauso beliebt sein soll wie Frau Merkel. Wer und wie viele wurden da eigentlich gefragt? Und als Gegenpol zu Draghi, Schäuble, Merkel & Co. hat er sich wohl auch noch nicht profiliert. Im Gegenteil hätten wir mit ihm und dem neuen Bundespräsidenten Steinmeier gleich zwei „Macher“ der Agenda 2010 in hochrangigen Funktionen der Republik.

Ein glänzender Redner soll er sein, das ist vielleicht unterhaltsam – wichtiger wäre, was er zu sagen hat und vor allem, was würde er tun? Eine Politik im Sinne einer auch durch ihn zerstörten „sozialen Marktwirtschaft“ ist kaum zu erwarten.

Christine Lechner
München

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