Modediktat

Claudia Muschiol: Wer schön sein will, muss frieren; Titelseite 28. Februar

Die besorgten Mienen der Mütter, der ihre „Franking“-Teenies zur Schule, zum Shoppen oder zum Rendezvouz stolzieren sehen, erinnern mich an unsere wilden Zeiten vor vielen Jahrzehnten. Auch unser Motto war „better to look good, than to feel good“. Schon immer hatten sich junge Frauen mit großer Freude dem Modediktat unterworfen, das, den Temperaturen zum Trotz auch im Winter, mindestens Löcher in Jeans-Kniehöhe fordert, ebenso wie leichte Turnschuhe, die dadurch blau-gefrorene Fesseln feilbieten. Ist es denn wirklich schon ein halbes Jahrhundert her, dass meine Mutter dem Wahnsinn nahe war, als die Schülerin im Ultra-Minirock und Kunststiefeln bis zum Oberschenkel, Synthetik-Rollkragen-Pulli und kurzem Anorak das warme Zuhause verließ. Die mahnenden Worte „Du wirst es später schon noch merken“, erreichten mich natürlich nicht mehr. Ich hätte diese hören müssen, denn eine Mütze trug ich auch nicht, wer hätte sonst die tolle Dauerwelle bewundern können? Aber sind es nicht erwärmende Erinnerungen, Jahrzehnte später einfach wohlig bekleidet an die eigenen modischen Irritationen zu erinnern und sich auf den bevorstehenden Frühling zu freuen? 

Angie Rötschke Garmisch-Partenkirchen

Auch interessant

Kommentare