Zeit für einen Wechsel

Bürger-Protest gegen Wachstum; Titelseite, Dirk Walter: Ohne Steuerung; Kommentar, Stefan Sessler und Carina Zimniok: Die Angst vorm Neubaugebiet; Im Blickpunkt 3. Februar

Ich verstehe die Bürger in Parsdorf und anderen Dörfern oder Kleinstädten in Bayern. Ich habe auch nichts gegen Zuzug, auch ich bin von Niederbayern nach Oberbayern gezogen. Aber ich bin immer in Bayern geblieben. Warum? Weil es hier noch Herzlichkeit gibt, Nähe oder ein Miteinander. Aber auch bei uns wird es schon weniger das Miteinander. Gott sei Dank gibt es noch Menschen, denen Werte wichtig sind. Zugezogene wollen dies alles haben, aber nichts geben. Ein freundliches Grüßen hat man schon als Kind gelernt, das ist wichtig, ein Lächeln versüßt den ganzen Tag. Deshalb ist es wichtig, die Heimat zu verteidigen. Das Lied von Christoph Weiherer „Is des nu mei Hoamat?“ spricht mir total aus der Seele. Es wurde von Radio Oberland gespielt und baut mich seither auf, wenn wieder mal so ein Artikel in der Zeitung steht. 

Mariele Schäffler Weilheim

In der Medizin nennt man ein ungezügeltes Wachstum Krebs und der ist pathologisch. In der Politik dagegen umschreibt man denselben Vorgang mit Erschließung und Entwicklung. Höchste Zeit für einen Paradigma-Wechsel. 

Dr. Walter Gränzer Attenkirchen

Zeit wurde es, dass die Bürger gegen dieses ungebremste Wachstum auf die Barrikaden gehen! Da hat mal irgendwann eine „Expertenrunde“ am grünen Tisch beschlossen, München zu einer Metropolregion zu machen - und die ansässige Bevölkerung darf das jetzt ausbaden! Keine Frage: Verkehrsverbindungen und -knotenpunkte wie Bahnhöfe, Flugplätze usw. für den Überregional- und Fernverkehr müssen großflächig und lange im voraus geplant werden, aber es ist trotzdem nicht zwingend notwendig, dass die Stadt, die in der Nähe eines solchen Knotenpunktes liegt, zwei Millionen Einwohner hat! Und, natürlich, die Menschen müssen dorthin gehen, wo es Arbeitsplätze gibt - aber genau das wäre die Aufgabe der Politiker (gewesen), die Weichen für Arbeitsplätze und die dazugehörige Infrastruktur rechtzeitig (!) zu stellen. Mit Steueranreizen und dergleichen hat man auch früher schon so verfahren, warum lässt man sich jetzt nichts dazu einfallen? Es kann doch nicht angehen, dass anderswo Wohnraum dem Erdboden gleichgemacht wird, Schulen und Krankenhäuser dicht gemacht und Bahnhöfe stillgelegt werden, und hier treten sich die Menschen mehr und mehr gegenseitig auf die Füße? Es ist zwar richtig, wie Herr Breu sagt, dass die Menschen früher enger zusammengelebt haben, aber wenn nun die Wohnungen wieder dichter belegt werden würden, hätte das nur „innerhalb“ des Wohnraums eine Entspannung zur Folge, in der Öffentlichkeit würde das nichts ändern, denn auch diese Menschen würden auf die Straße gehen, mit ihren Autos Parkplätze suchen, die S-Bahn nutzen, Kindergartenplätze benötigen, an die Seen fahren usw. Ungebremster Zuzug nach Bayern, alle wollen nach München - das mag ja sein, aber man kann sich doch nicht nur nach den Wünschen derjenigen richten, die hierher wollen - kann man dazu auch mal diejenigen befragen, die hier schon lange wohnen, ob sie das auch so wollen?

 Angelika Winkler Mammendorf

Vielen Dank für ihren Artikel. Da hat mich mein Gefühl doch nicht getrogen! Auch ich sehe mittlerweile dem nicht endend wollenden Zuzug von Nord- und Ostlichtern (auch aus dem EU-Osten) mit ängstlichen Gefühlen um die Bezahlbarkeit des Wohnraums bzw. des bayerischen Umfelds zu. Nachdem der letzte Bauernhof auch ausgesiedelt ist, heißen auch bei meinem Dorfbäcker immer öfter die Semmeln Brötchen, und die Eltern und Kinder verstehen immer seltener das „Pfüat di!“. Und andere Kunden freiwillig grüßen? Ja wirklich net! Ich wohne seit über 40 Jahren in einer intakten Gemeinde im Fünfseenland, das leider immer mehr zum Spielball von Investoren und zugezogenen Spekulanten wird. Auch Dank der bayerischen Ministerpräsidenten der vergangenen Jahrzehnte , der Herren Streibl, Eckstein, Stoiber und Seehofer wird eher der Shareholder Value unterstützt als die Um- uns Aussiedlung der großen Münchner Dax- Firmen in bayerische strukturschwache Gebiete wie Franken oder nach Niederbayern/ in die Oberpfalz, um den Moloch München zu entzerren und lebenswertes Leben zu ermöglichen. Ich kann mich auch noch sehr gut an Firmenwohnungen großer Unternehmen erinnern, wie sie die Firma Dornier Luftfahrt GmbH in Gilching und in Neu-Aubing gehabt haben oder auch die BMW in München. Warum nicht ganz pragmatisch diesen Weg wieder einmal einschlagen! Aber das ist für unsere hoch studierten Firmenlenker und Politiker zu einfach. Schamts eich, denn ihr seid für diese Angsthasen-Politik verantwortlich; und denkt daran: Hochqualifizierte Fachkräfte kommen nur dann, wenn sie ihren Familien mittelfristig Wohneigentum und intakte Umwelt und Kultur anbieten können. 

Volker Lauterbach Seefeld

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