Zum neuen Bundespräsidenten

Wäre Frau Merkel bei der Bundespräsidentenwahl 2010 über ihren parteipolitischen Schatten gesprungen, wäre Joachim Gauck schon damals mit breiter Mehrheit zum Bundespräsidenten gewählt worden.

Das unwürdige Trauerspiel um Herrn Wulff wäre uns allen erspart geblieben. Nun muss sie zähneknirschend der erneuten Kandidatur von Herrn Gauck zustimmen. Das Debakel um Herrn Wulff ist auch das Debakel von Angela Merkel.

Gottfried Srb Erding

Dass auch mal Vernünftiges passiert, wenn „der Schwanz mit dem Hund wedelt“, konnte man gestern Abend im Fernsehen erleben. Hätte ich der FDP nicht zugetraut, bravo! Dass aber jemand – wie Herr Wichert bei G. Jauch – die blamable Kehrtwende von Frau Merkel noch als „charakterliche Großtat“ darzustellen versucht, nenne ich Volksverdummung oder politischen Realitätsverlust! Aber das erklärt zumindest die Beliebtheit unserer Bundeskanzlerin.

Richard Merk München

Erstmals seit Bestehen der Koalition hat die FDP Stärke gezeigt – leider nur in der unappetitlichen Form der Erpressung.

Hermann Thamhayn Poing

Es ist für mich sehr fragwürdig, was da in letzter Zeit in Politik und Medienwelt geschieht. In Bayern gibt es den Artikel 151 in der Verfassung, in dem das Gemeinwohl als besonders zu schützendes Gut hervorgehoben ist. Da gibt es jedoch offenbar das „Primat“ einzelner Politiker, die nur Machtinteressen im Vordergrund sehen. Wenigstens der Bundespräsident sollte doch vom Bürger geschätzt und als unabhängig wahrgenommen werden können. Warum sollte ein allseits akzeptierter Kandidat, wie der Herr Gauck, von den „fehlgeleiteten Gedanken“ eines Herrn Kauder als ungeeignet anzusehen sein? Nur weil die CDU einen Fehler bei der letzten Wahl damit anerkennen musste? Die Politik hat in letzter Zeit für uns Bürger schon zu viel Schaden mit zu verantworten. Hier nenne ich Finanzkrise, Schulreformen, Gesundheitssystem, Finanzordnung und Gesetzgebung. Nun muss Schluss sein. Wir sind die Bürger – unser Wille sollte Berücksichtigung finden. Die Politik ist von den Bürgern gewählt, um deren Wohl zu wahren und zu mehren.

Siegfried Wüst Mauern

Eine mögliche Aussage von Frau Merkel „Ich bin überstimmt und beuge mich der Mehrheit“ hätte ich ihr mit Respekt abgenommen. Ihre tatsächliche Aussage, sie verbinde mit Gauck vor allem die gemeinsame Vergangenheit in der DDR, stellt für mich eine inhaltsleere Phrase ohne Ehrlichkeit dar. Schließlich beschränkt sich die gemeinsame Herkunft lediglich auf den räumlichen Aspekt. Geistig und politisch jedoch standen Frau Merkel und Herr Gauck in gegensätzlichen Lagern, was ja eher trennt als verbindet und ihrer bisherigen strikten Ablehnung seiner Kandidatur zugrunde lag. Hoffen wir für unser Land und seine politische Kultur, dass nunmehr eine loyale Zusammenarbeit möglich wird!

 Bernd Haedrich Benediktbeuern

Der neue Bundespräsident wird Herr Joachim Gauck, die beste Wahl, die man sich vorstellen kann, wenn nicht doch noch die Zeitung mit den vier Buchstaben vielleicht herausbekommt, dass Herr Gauck aus der ehemaligen DDR ist, evangelisch und geschieden ist. Hoffentlich hört jetzt das Denunzieren auf, sonst könnte man meinen, man befände sich im Diktatur- und Denunziantenstaat DDR. Herzlichen Glückwunsch und alles Gute für Sie, Herr Bundespräsident Joachim Gauck!

Helmut Mischkulnig Hausham

Ein Volk atmet auf. Ein Wunder ist geschehen. Wie viel Druck muss Frau Merkel gespürt haben, bis sie sich dazu durchgerungen hat, eine Position aufzugeben, weil diese sich als nicht länger haltbar herausgestellt hat? Ein Volk atmet auf und kann hoffen, dass mit der Wahl von Joachim Gauck der gegenwärtig richtige Mann endlich auf den richtigen Platz kommt. Es ist allerdings auch das Signal an die Mächtigen in allen gesellschaftlichen Bereichen unseres Landes: Haben Sie – wie unsere Bundeskanzlerin – den Mut (und den nicht nur unter Druck), Irrtümer zuzugeben, um Schaden von dem abzuwenden, für das Sie Verantwortung tragen! Das würde unsere Gesellschaft noch weiter voranbringen.

Wilfried Gillmeister Baldham

Warum kommt man bei der Suche nach einem neuen Bundespräsidenten eigentlich nicht auf die Idee, einen Kandidaten aus einem der alten deutschen Adelshäuser in Betracht zu ziehen. Die jeweiligen Nachkömmlinge der alten Fürsten haben fast alle eine erstklassige Erziehung genossen und können repräsentieren. Ethos und Ehre werden ebenfalls großgeschrieben.

Günther Kemnitzer Puchheim

Armes Deutschland, haben wir nichts Besseres für unser höchstes Amt, als einen 72 Jahre alten Ex-Behördenleiter und Ex-DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck? Dessen Fähigkeiten sich wohl ausschließlich auf die gemeinsame Verbundenheit in der Ex-DDR begrenzen lässt. Es gibt so viele fähige Menschen in Deutschland, wieder haben wir eine Chance verstreichen lassen. Eine positive Seite könnte man erkennen. Die Medien könnten den Image- Schaden, den die Medien Deutschland gegenüber durch ihre Hexenjagd auf Herrn Wulff verursacht haben, versuchen gutzumachen, indem sie die drei verbleibenden Wochen zur Wahl nutzen, gegen Herrn Gauck genauso zu „ermitteln“ und zu „verurteilen“, wie sie es bei Herrn Wulff getan haben. Damit könnten wir uns wenigstens ersparen, nach einigen Monaten wieder eine Neid-Debatte über die Ehrenbezüge zu führen. Die Kosten für die Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten könnten wir uns auch sparen. Zur demokratischen Wahl braucht man eine Alternative. Die eingesparten Euro sollten wir an Griechenland spenden.

Bernd Hunck Grünwald bei München

Ist unserer Bundeskanzlerin, die doch sonst so oft einen messerscharfen, nüchternen Verstand bewiesen hat, der Sinn für taktisches Gespür in dieser Frage komplett abhandengekommen? Sie wünscht sich einen Kandidaten, der von einer breiten Mehrheit der Bundesversammlung getragen wird. Dazu will sie auch mit den Oppositionsparteien SPD und Bündnis 90/Grüne einen Konsens suchen. Und nun erfährt man über die Medien, dass die Kanzlerin aber bereits als Bedingung den Ausschluss von Herrn Gauck als Kandidaten machte, obwohl dieser dem Wunsch einer großen Bevölkerungsmehrheit entspricht. Die FDP verhält sich hier taktisch klüger und signalisiert ihre Zustimmung für den Kandidaten Gauck. Das wird ihr bei den nächsten Umfragen 1 bis 2 %-Punkte mehr einbringen. Zu verlieren haben die Liberalen sowieso nichts mehr; in der nächsten Regierung werden sie nicht mehr vertreten sein.

 Theodor Dohmen Grafenaschau

Ich bin entsetzt. Zunächst darüber, dass von wenigen Parteibonzen in einer Nacht- und-Nebel-Aktion ein alternativloser Kandidat ernannt wurde. Jede Beteiligung der Öffentlichkeit an der Diskussion wurde so von vornherein abgewürgt. Insbesondere das Verhalten der FDP war skandalös. Für einen Augenblick hatte ich die Hoffnung, dass man Klaus Töpfer wenigstens eine Chance geben würde. Nach einer Stunde war diese Hoffnung vorbei. Töpfer hat einen exzellenten Lebenslauf. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem größten Problem, das wir überhaupt haben, nämlich mit der Frage, wie das Überleben auf diesem Planeten gesichert werden kann. Zu diesem Thema hat er sich ein enormes Wissen angeeignet. Töpfer hat in der Regionalplanung gearbeitet, er war Hochschullehrer, später Minister und hat viele nationale und internationale Auszeichnungen bekommen. Als Präsident hätte er Deutschland viel Reputation bringen können und so viel bewirken können. Sicher ist Gauck ein ehrenwerter Mensch, aber was zeichnet ihn eigentlich aus? Gauck kann vielleicht salbungsvolle Worte schreiben und aussprechen, das kann jeder Pastor, aber reicht das? Ist es diese Eigenschaft, die in Deutschland den kleinsten gemeinsamen Nenner ausmacht? Ist man alleine damit schon ein alternativloser Kandidat? Ich werde Herrn Gauck einen Brief schreiben und ihn bitten, das angetragene Amt nicht anzunehmen. Oder ich gehe einfach nicht mehr zur Wahl.

Dr. Ernst Sauer Gelting

Pressekommentatoren übertreffen sich heute in ihrem Lob auf den „All-Parteien-Konsens“ zur Person von Joachim Gauck, ehemals evangelischer Pfarrer in der DDR, Leiter der im Volksmund nach ihm benannten Behörde zur Aufarbeitung der Stasi-Akten nach 1990, unterlegener Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten (2010). Bereits bei seiner Erstkandidatur war er für er die SED/PDS-Nachfolgepartei Die Linke nicht wählbar. Daran hat sich laut Klaus Ernst auch heute nichts geändert. Wen wundert es, dass Jutta Ditfurth, ÖkoLinX Frankfurt ihre Anti-Gauck-Haltung auch heute mit Häme in der JungenWelt nachhakt: „Präsident Gauck – der Prediger der verrohenden Mittelschicht“. Nachdem sich Experten darin gütlich tun, die Körpersprache, Mimik und Gestik von Politikern zu deuten, darf der interessierte Leser nach der jüngsten Einschätzung des Ehepaars Wulff wohl bald eine oder mehrere Auslegungen der heutigen Pressebilder erwarten, die die Nominierung Joachim Gaucks zum Präsidenten-Kandidaten eines (fast) Allparteien-Wahl-bündnisses als Menetekel für das Durchhaltevermögen von Schwarz-Gelb bewerten. Die Linke hat jedenfalls bereits zum Jagdauftakt gegen Joachim Gauck angeblasen: Horrido!

 Willi Eisele Wolfratshausen

Parteien einigen sich auf Gauck“; Titelseite, Alexander Weber: „Die pragmatische Kanzlerin“; Kommentar, Christian Deutschländer: „,Ich bin überwältigt und verwirrt‘“; Politik 20. Februar

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