Nicht zum Spaß im Wartezimmer beim Arzt

„Weltmeister im Wartezimmer“; Titelseite, Sonja Gibis: „Zu wenig Kontakt“; Kommentar 20. Januar, „Nicht verwunderlich“; Leserbriefe 21. Januar

 „Da kann man Herrn Erwin Bauer und seine Frau nur beglückwünschen oder fast schon neidisch sein, dass sie bisher nur einmal im Jahr eine Arztpraxis aufsuchen mussten; denn die meisten Patienten sitzen bestimmt freiwillig Stunden in den Wartezimmern. Es macht doch Spaß, mit Schmerzen auf schlecht ausfallende Befunde oder mit vielen unangenehmen Sachen auf den Doktor zu warten. Auf alle Fälle hätte ich – und viele andere Menschen – ohne regelmäßige Arztbesuche bestimmt kein erträgliches Alltagsleben mehr.“

 Maria-Luise Schneider Benediktbeuern



„Die Deutschen sind Weltmeister im Wartezimmer. Zitat aus dem Artikel: ,Würden sich die Ärzte bei den Patienten mehr Zeit lassen, wären sicher etliche Folgetermine überflüssig‘, sagt Rolf-Ulrich Schlenker, seines Zeichens immerhin der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK. Wir Ärzte haben ja keine Anfragen von genau dieser Krankenkasse zu bearbeiten und damit unendlich viel Zeit, die wir beim Golfspielen oder Segeln verbringen. Ich würde es begrüßen, wenn ein hoch dotierter Kassenfunktionär versuchen würde, ehrliche Ursachenforschung zu betreiben und sich nicht hinter Allgemeinplätzen verstecken würde. Zeitaufwendige, sprechende Medizin wird von den Krankenkassen schon lange nicht mehr bezahlt, nicht gewusst, Herr Schlenker? Vielleicht hätte Herr Schlenker ja hier einen Ansatzpunkt, aber es ist wohl leichter, einen Arztreport in Auftrag zu geben, den die Versicherten mit ihren Beiträgen bezahlen, um damit von den eigenen Versäumnissen abzulenken. So hätte die Barmer GEK ihren Versicherten seit 1. Juli 2009 einen Hausarztvertrag anbieten müssen! Rechtswidrig hat sie bisher die Verhandlungen verweigert, ohne dass die Aufsichtsbehörde eingeschritten wäre. Stattdessen befasst man sich mit der hohen Anzahl der Arztbesuche in Deutschland, die einzig und allein Patienten und Ärzte ausbaden, weil die Krankenkassen durch die Ausgabendeckelung dafür nicht mehr Geld bereitstellen.“

Michael J. Herold Facharzt für Allgemeinmedizin Peißenberg

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