Erschütternde Behauptung

Grausames Organ-Geschäft; Titelseite 3. November

Unter diesem reißerischen Titel veröffentlicht der Münchner Merkur an prominenter Stelle eine an sich erschütternde Tatsachenbehauptung über chinesische Menschenrechts-Verbrechen. Deren namentlich benannte Initiatoren stammen aus US-amerikanischen und kanadischen Kreisen. Nicht genug damit, dass zum Tode verurteilten Straftätern nach erfolgter Exekution Organe entnommen werden, sind demnach chinesische Kreise mit dem Segen ihrer Regierung dazu übergegangen, „auch gezielt Insassen von Arbeitslagern“ zu schlachten, um den enorm gewachsenen Bedarf an Spenderorganen zu befriedigen. „Die meisten Opfer“, erfährt man, seien Anhänger der regimekritischen Falun Gong Bewegung. Überraschend nach diesen jeden Zweifel ausschließenden Präzisierung, heißt es aber dann, „Die Beweislage für den Bericht ist eher dünn“. Selbst ein Herr Dirk Pleiter von der als hartnäckig hinterfragend bekannten Amnesty International sei skeptisch, weil auch eigene Recherchen der NGO bis dato keinerlei Bestätigungen zeitigten. Der geneigte Leser fragt sich nun, ob er es tatsächlich akzeptieren muss, mit grauenhaften Tatsachenfeststellungen traktiert zu werden, deren Wahrheitsgehalt dann im zweiten Teil des Berichtes massiv in Zweifel gezogen wird. Es ist ja seit den erfolgten „Studentenunruhen“ in Hongkong, kein Geheimnis, dass US-amerikanische Kreise regimekritische Bewegungen in Hongkong finanzieren und auch sonstige Beiträge zur beabsichtigten Destabilisierung des chinesischen Regimes leisten. Deutschland und die deutsche Presse ist angesichts der bestehenden wirtschaftlichen Verflechtungen und weitgehend freundschaftlichen Beziehungen zu diesem mächtigen Land jedoch gut beraten, sich nicht zum Transporteur derart fragwürdiger Propaganda machen zu lassen. 

Peter Wellenhofer Grünwald

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