Organspende: Frage um Leben und Tod

Monika Reuter: „Brief zur Organspende: Lebensfragen“; Kommentar 3. / 4. November, „Kassen versenden Organspende-Ausweise“; Titelseite 30. Oktober

Nun ist der Startschuss gefallen zur großen Werbekampagne „Organspender gewinnen“. Jeder Bürger darf (soll?) dazu eine Entscheidung treffen und bekommt Hilfestellung von seiner Krankenkasse. Nachdem das Ziel der Kampagne klar ist und jeder gleich (s)einen Organspendeausweis zugeschickt be- kommt, werden die Informationen dazu wohl in die gleiche Richtung zielen. Reicht diese einseitige Aufklärung aus, um diese lebenswichtige Entscheidung treffen zu können? Oder müssen wir nicht auch über folgene Tatsachen informiert werden? Die Harvard Ad-hoc-Kommission definierte 1968 nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen vorsätzlicher Tötung gegen Transplantationsmediziner den Tod eines Menschen neu: Ein Mensch ist dann tot, wenn sein Gehirn irreversibel zerstört ist, auch wenn alle anderen Körperfunktionen noch erhalten sind. Transplantable Organe müssen lebensfrisch sein, also von einem Menschen stammen, der noch atmet, dessen Herz schlägt, der warm ist und Fieber haben kann, der sich spontan bewegt oder auf Berührung reagiert, der gepflegt wird, sogar Narkose-, Schmerz- und Beruhigungs- mittel benötigt. Sogar ein Em- bryo reift bis zu seiner Ge- burt im Körper einer Hirnto- ten heran. Es ist ein Widerspruch, von toten Menschen lebensfrische Organe zu erhalten. Nicht aber in der Transplantationsmedizin! Sie reduziert den Menschen auf das funktionierende Gehirn, nennt das Hirnversagen Hirntod und den Leib Restkörper und kommt so zur Vorverlegung des Todeszeitpunktes zum Zwecke der Organentnahme, ohne sich dem Vorwurf der Tötung aussetzen zu müssen. Von Prof. Franco Rest stammt dazu folgendes Zitat: „Den Hirntod gibt es überhaupt nicht. Er ist eine Erfindung der Transplantationsmedizin.“ Werden uns diese und weitere Fakten (von den Krankenkassen) vorenthalten? Und wenn ja, warum?
Anja Kissel
Bad Tölz

Kaum wird man davon ausgehen können, dass die Krankenkassen die Versicherten sachlich neutral über die Organspende informieren werden, dient die Werbekampagne doch dazu, die Bereitschaft zur Organspende zu fördern. Wer weiß, dass Organe wie Herz, Lunge, Leber nach der umstrittenen Diagnose „Hirntod“ bei noch Lebenden und nicht Toten entnommen werden, wird nicht so ohne Weiteres einer Organspende zustimmen. Sehr zu denken gibt auch, dass erst 1968 nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen vorsätzlicher Tötung gegen Transplantationsmediziner der Tod eines Menschen neu definiert und der sogenannte „Hirntod“ als Diagnose eingeführt wurde. In den USA wurde inzwischen sogar durch Transplantationsmediziner der Organ- Spenderkreis „hirntodunabhängig“ auf Patienten mit einem Herzstillstand ausgeweitet, der durch medizinische Behandlung durchaus rückgängig gemacht werden könnte. Dieser Patientengruppe werden bereits einige Minuten nach der „Totenfeststellung“ die Organe unter künstlicher Beatmung entnommen, damit sie möglichst frisch sind. Sind wir da nicht der Gier der Mediziner ausgeliefert, die mit Organen ein großes Geschäft machen? Ich habe meine Entscheidung jedenfalls getroffen und werde meine Techniker Krankenkasse darüber informieren, dass ich ausdrücklich keine Organspende wünsche und auch nicht alle zwei Jahre erneut zu einer Entscheidung aufgefordert werden möchte.
Nathalie Buß
München

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