Zu geradlinig

„Gauweiler klagt über ,Waschlappen‘“; Titelseite 22. Januar

Ja, Herr Gauweiler, auf den ersten Blick haben sie völlig Recht: Die Opposition, die Union und auch die CSU sind allesamt für die derzeitige Situation mit verantwortlich. Man drückt sich um seine Verantwortung herum, versteigt sich in Wortakrobatik und hofft vielleicht insgeheim auf ein Wunder aus Brüssel. Aber ist das eine ordentliche politische Arbeit? Haben wir dazu eine Unzahl bestens versorgter Abgeordneter? Was aber, wenn man nun etwas tiefer geht, einen zweiten Blick riskiert? Sie, Herr Gauweiler, sind selber zurückgetreten, da müssten sie doch genau wissen wie es zugeht. Sie waren zu ehrlich, zu geradlinig, zu direkt, zu unbequem. Das konnte man anscheinend nicht mehr brauchen. So wie Ihnen wird es vielen mit ähnlichen Charakterzügen gegangen sein. Sie wurden durch sanften Druck immer weiter ins Abseits gedrängt. Das Ergebnis ist nun eine Art linke CDU. Und diese Umformung der CDU, dieses ins Abseits drängen, auf den ersten Blick unbequemer, das muss sich die Kanzlerin sehr wohl ankreiden lassen. Sie hat sich diese Ja-Sager – ich will Ihre Ausdrücke, Herr Gauweiler, lieber nicht gebrauchen, obwohl sie stimmen – selber geschaffen.

Klaus Birkl Weilheim in Oberbayern

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mit weißblauem Herzblut
Dirk Walter: Professoren wollen Bairisch retten; Titelseite, Bedrohtes Bairisch; Kommentar 21. Februar
Mit weißblauem Herzblut

Kommentare