Politischer Aktionismus

„Pflege-Telefon soll starten“; Titelseite 28. Dezember

Wem bitte soll das Pflege-Telefon helfen? Möglichkeiten, sich zu informieren gibt es bereits genügend! Aber auch die beste Information ändert nichts an der bestehenden Gesetzeslage. Seit Jahren pflege ich meinen Vater, der an Demenz, Parkinson und COPD leidet. Das bedeutet im Alltag , dass ich von morgens 7 Uhr bis abends 21 Uhr präsent sein muss. Für mich sind das 14 Stunden am Tag. Laut Pflegeversicherung erreiche ich aber nicht die erforderlichen 14 Stunden pro Woche, damit mir die Pflege auch für die Rentenversicherung angerechnet wird. Das kommt daher, weil zum Beispiel das Verabreichen der Medikamente nicht zur Pflege zählt. In unserem Fall sind das 1 1/2 Stunden täglich, weil er inhalieren muss und dabei ständig überwacht werden muss. Mit gesundem Menschenverstand kann mir niemand erklären, warum das Verabreichen der Medizin nicht zur Pflege gehören soll. Im Alltag ist das doch wohl essentiell, dass ein alter Mensch seine Medikamente bekommt, besonders wenn er selber geistig nicht mehr in der Lage ist, sie einzunehmen. Wenn ich dann von dem geplanten Pflege-Telefon lese, fühle ich mich für dumm verkauft. Da wird ein bisschen politischer Aktionismus betrieben, damit man die hinlänglich bekannten Probleme in der Pflege nicht angehen muss.

Beate Reisenberger Eching

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