Die vierte Macht im Staate

Die Äußerungen des Bundesjustizministers in Ihrem Aufmacher vom 27./28. Februar haben mich ein wenig erstaunt. Danach sollte sein Verständnis von Pressefreiheit hinterfragen, wer Journalisten die eigenen politischen Überzeugungen absprechen will.

Herr Maas scheint wohl zu viel Kampfblättchen wie den „Vorwärts“ zu lesen. Dort können, wie mit Kommentaren in Medienprodukten auch, politisch eingefärbte Meinungen von Journalisten geäußert werden. Die Berichterstattung hat jedoch sachlich und objektiv zu erfolgen. Obwohl kein Pegida-Anhänger und kein potentieller AfD-Wähler, vermisse ich diese Objektivität und Sachlichkeit vornehmlich bei den öffentlichen TV-Sendern und streckenweise in der Presse. Mir zwingt sich der Eindruck auf, dass beim Thema Flüchtlingsproblematik die Bevölkerung mit mitleidserregender und eben nicht objektiver Berichterstattung weichgekocht werden soll. Zunehmend wird auf die Wirkung von Bildern gesetzt. Dabei vergessen viele TV-Berichterstatter, dass weite Teile der Bevölkerung noch des Lesens kundig sind.

Udo Willkens Wolfratshausen

Die vierte Macht im Staate ist den drei vorausgehenden ebenbürtig. Heiko Maas, Justizminister (SPD) fordert also etwas von unserem Ministerpräsidenten. Aber was bietet er, was bietet die Politik als Ganzes? Muss Verwaltung so ausufern? Wir alle bezahlen mit Lebenszeit und Arbeitskraft. Der Patriot wird diffamiert. Wo ist die Wahrhaftigkeit nach der das Volk seit langem hungert.

 Mathias Weckerle Garmisch-Partenkirchen

Warum darf ein Ministerpräsident keine Kritik an ARD und ZDF üben, ohne dass gleich über ihn hergefallen wird? Horst Seehofer hat doch recht, wenn er sagt, dass es zum Teil eine Berichterstattung gab, die wenig mit der Realität zu tun hatte und dass viel zu häufig die persönliche Überzeugung der Autoren der Maßstab für die Berichterstattung ist. Die Kölner Silvesternacht ist doch ein eklatantes Beispiel dafür. Das ZDF hat sich an der anfänglichen Vertuschung und Verharmlosung beteiligt. Auch bei anderen Themen wird Manches verzerrt dargestellt, wie die Menschen, die die Realität kennen, bestätigen können. Die Redakteure des öffentlich-rechtlichen Fernsehens haben eine starke Machtposition in unserem Land, denn ihre Berichterstattung beeinflusst wesentlich die politische Meinung der Bevölkerung. Ihre Berichterstattung sollte deshalb objektiv und wahrheitsgemäß und nicht von ihren politischen Ansichten geprägt sein.

Siegfried Schwarz Lenggries

Ebenso wie die pauschale Verurteilung der Medien als „Lügenpresse“ nicht stichhaltig ist, ist die Reaktion vieler Medien hierauf nicht zielführend. Im Gegenteil hat der kritische Bürger nicht selten den Eindruck, dass Medienvertreter sich dabei an zwei Prinzipien orientieren. Zunächst am Asterixprinzip („ich dachte wir entern“) und dann am Krähenprinzip, dass also eine Krähe der anderen kein Auge aushackt. Gerade Journalismus sollte auch die eigene Arbeit hinterfragen und gegenüber Kritik offen sein. Denn Anlass zur Kritik gibt es vielfältig, angefangen beim grundlegenden journalistischen Handwerk, etwa der oft nicht erkennbaren Trennung von Fakt und Meinung oder auch bei durchgehend tendenziöser Berichterstattung. Also liebe Pressevertreter, hinterfragt Eure Ergebnisse auch einmal selbst und fahrt nicht sofort die stärksten Geschütze auf, wenn Euch Kritik des Bürgers entgegen schallt. Diese Kritik muss auch einem Politiker erlaubt sein, der ja selbst ständig im Kreuzfeuer steht.

Walter Schmitz Eching am Ammersee

Wo der Horst Recht hat, hat er Recht. Wenn man die Möglichkeit hat, neben den hiesigen öffentlich rechtlichen Medien auch andere, nicht deutsche Fernsehsender zu sehen, wird häufig mit Verwunderung feststellen, dass die selben Nachrichten in anderen Ländern sich deutlich von den Nachrichten bei ARD und ZDF unterscheiden. Das fängt damit an, dass die Kommentierung der Bilder völlig ohne Kommentar, ohne Schuldzuweisungen und Wertungen gesendet werden. Desweiteren fällt mir bei der ARD und ZDF auf, dass einzelne Informationen nur unvollständig ausgestrahlt werden. Es fehlt einfach ein Teil. Das Weglassen, eine beliebte Methode von Desinformation, die man in der letzten Zeit immer häufiger feststellen kann. Ich gebe dem Ministerpräsidenten absolut recht, dass was man heute im Fernsehen angeboten bekommt, nicht immer vollständig der Realität entspricht. Zwei Anmerkungen zum Schluss: Erstens(an den Justizminister): Die Pressefreiheit definiert sich nicht dadurch, dass ein Journalist versucht seine Meinung als Meldung zu verkaufen. Hierzu gibt es die Kommentare in den Medien, wo er gerne seine Sichtweise darbringen kann. Persönliche Meinungen in reinen Nachrichten haben dort nichts verloren. Desweiteren (an Herrn Schier), wenn Horst Seehofer kritisiert wird, dass er in Russland nicht auf die dortige eingeschränkte Meinungs- bzw. Pressefreiheit hingewiesen hat, dann hat er sicherlich gedacht: „Wer im Glashaus sitzt, der werfe nie den ersten Stein“. Ich bin mir sicher, dass im Falle eines Ansprechens von Putin das obige Sprichwort sofort als Antwort gekommen wäre.

Bernhard Mühlberg Eching

„Seehofer rügt öffentliche TV-Sender“; Titelseite, Mike Schier: „Verantwortungslos“; Kommentar 27./28. Februar 

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