Gute Löhne schützen vor Altersarmut

Ich widerspreche der GDV-Studie heftig. Leider kann ich im Artikel „Wirbel um neue Renten-Studie“ keinen großen Wirbel ausmachen.

Dieser Beitrag spiegelt auch die Verbandspositionen der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB). Um beurteilen zu können, was irgendwelche Studien wert sind, ist es gut zu wissen, wer zum Beispiel hinter dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) steckt. Der GDV ist die Dachorganisation der privaten Versicherungsunternehmen in Deutschland und vertritt die von den niedrigen Zinsen gebeutelte Versicherungswirtschaft. Er vertritt weder die gesetzliche Rentenversicherung, die uns Arbeitnehmern automatisch vom Lohn abgezogen wird, noch die derzeitigen Rentner. Der Generationenvertrag ist auch nicht in Gefahr, weil die Anzahl der Rentner ansteigt, sondern weil sich Staat und Unternehmen die Produktivitätsgewinne nicht teilen. In einer reicher gewordenen Gesellschaft, die Wirtschaftswachstum hervorbringt, dürfte es kein Problem sein, Rentner und Arbeitnehmer stärker zu beteiligen. Gute Löhne sind noch immer der beste Schutz vor Altersarmut und stärken die Sozialkassen. Von einer Nichtfinanzierbarkeit der Sozialsysteme kann nur der sprechen, der die Grundzüge der Sozialen Marktwirtschaft nicht verstanden hat oder nur eigene Interessen verfolgt. Orientierungslosen Politiker, die ohnehin zum Nichtstun und Gesundbeten neigen, konnte der GDV in der Vergangenheit seine Ansparkonzepte gut verkaufen. Die ökonomischen Probleme der Zukunft, die durch die Verbandspolitik des GDV entstehen, werden unseren Sozialstaat stark belasten. 

Rainer Forster ehrenamtlicher Rentenberater, Katholische Arbeitnehmer- Bewegung, Freising

Alle Jahre wieder das Thema Verlängerung der Lebensarbeitszeit. Vor dem Hintergrund steigender Lebenserwartung einerseits und niedriger Geburtenraten anderseits stellt diese Verlängerung, zumindest mathematisch betrachtet eine Ventillösung dar. Ob und wie sie durchführbar ist ist noch Theorie. Bei dieser wiederkehrenden Diskussion muss daran erinnert werden, dass unsere Bundesregierung die Rentenkassen immer wieder als Geldautomaten betrachtet. Es kann nicht sein, dass unsere Regierungsverantwortlichen Mütterrenten zusagen, (deren Notwendigkeit ich nicht anzweifle) aber diese, nicht beitragsfinanzierten Mütterrenten den Rentenzahlern auflastet. Hier vermisse ich den Solidargedanken, weil dieses Leistungsversprechen nur Rentenversicherte zahlen. Unsere Beamten und Selbständigen dagegen zahlen dafür keinen Cent. Bei den Ostrenten verhält es sich ähnlich. Es gab keine Rückstellung Ost und trotzdem wurde die Rente Ost auf Rente West umgestellt. Es gab keine Alternative, aber auch hier wurde und werden die Rentenkassen West kräftig angezapft. Der Bundeszuschuss aus Steueraufkommen zur Unterstützung der gesetzlichen Rentenversicherung hat sich inflationsbereinigt von 1989 bis heute nur unwesentlich verändert. Unser Staat darf nicht zuerst die Rentenkassen plündern und im Anschluss längere Lebensarbeitszeiten einfordern. Das nenne ich bürgerfeindlich. 

Otto Tegethof München 


Wirbel um neue Renten- Studie; Titelseite, Sebastian Horsch: Unangenehme Wahrheit; Kommentar, Müssen alle bald länger arbeiten?; Wirtschaft 14. Juni

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