Späte Einsicht einer grundfalschen Entscheidung

„Rechtschreibreform war überflüssig“; Titelseite 30. Juli

So löblich späte Einsichten auch sein mögen, schaffen grundfalsche Entscheidungen, die fatalen Auswirkungen oft nicht mehr aus dem Weg. So ist es auch mit der sogenannten Rechtschreibreform. Dieser äußerst kostenintensive Rundumschlag hat die Eltern- und Großeltern-Generation auf literarisch geistigem Gebiet von den schulpflichtigen Nachfahren geradezu abgekoppelt. Vorher war es doch so, dass man den eigenen Bibliothekenschatz an die Kinder und Enkel animierend weitergegeben hat, um Anreize zum eigenen Leben zu schaffen. Doch dann kam diese kurzsichtige Blockade. Die Forderung lautete: Schließt eure Bibliothek, sonst lernen die Kinder nie die neuen Rechtschreiberegeln. Ein Weiterreichen der Bücher und Kinderbücher war nicht mehr erwünscht und so verkümmerten die literarischen Schätze in den Regalen. Es wäre doch ein Aberwitz gewesen, die eigene Bibliothek durch neue rechtschreibkonforme Exponate auszuwechseln. Die bewährte Lesekultur musste Tiefschläge hinnehmen, von denen sie sich bis heute nicht mehr erholt hat. Hans Jörg und Franziska Vogel Walpertskirchen

Was für ein Armutszeugnis stellt Herr Zehetmair allen seinerzeitigen Reformen aus; jetzt, da es zu spät ist! Dennoch Respekt für das offene Eingestehen einer schwerwiegenden, irreparablen Aktion. Die Dudenredaktion hat schon immer die Rechtschreibung behutsam angepaßt. Beispiel: In meinem alten Duden von 1937 hieß es noch ausschließlich „Friseur“. In meiner auch recht alten Ausgabe von 1958 bereits gleichwertig „Friseur“ und ebenso „Frisör“ mit der Bemerkung „eindeutschend für Friseur“. Nebenbei: Meine Rechtschreibung bleibt nach wie vor die bewährte alte, wie vermutlich die der meisten Angehörigen meiner Generation, so oben z.B. angepaßt statt angepasst. Prof. Armin Wolfram Murnau-Seehausen

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