Trauriges Dasein der Nutztiere in Agrarfabriken

„Die gute Nachricht“; Titelseite 31. Dezember/1. Januar

„Die Ansicht, dass sich nämlich 80,8 % der Deutschen laut einer Umfrage als sehr tierlieb bezeichnen würden, kann ich leider nicht teilen. Vielmehr bedeutet diese Nachricht ja, dass der Großteil der Deutschen in ihrer Wahrnehmungsfähigkeit eingeschränkt ist oder die Tierwelt in zwei Klassen einzuteilen sucht. Zum einen sind da die lieben Haustiere: Hunde, Katzen, Vögel oder Meerschweinchen, die zum Kuscheln und Verwöhnen da sind und auf der anderen Seite die als Milch-, Fleisch- und Eierproduzenten in Agrarfabriken, Mastanlagen oder Hühner-KZs ein trauriges Dasein fristenden sogenannten Nutztiere. Der kleine Liebling wird mit bestem Gourmet-Futter verwöhnt, möglicherweise noch mit einem Petersilienblättchen kredenzt, während für das Schnitzel in den großen Discountern umgerechnet aufs Kilo weniger zu bezahlen ist. Diese für Jeden leicht nachprüfbare Tatsache sollte uns vielleicht etwas zu denken geben wie weit es in einem laut Studie tierfreundlichem Land wie Deutschland her ist mit der Tierliebe. Das Haustier lässt der Tierfreund durch Wald und über Wiesen tollen, während der Großteil der deutschen Tierwelt ein elendes, trauriges Dasein fernab von frischem Gras und Sonne führen muss, obwohl uns die Werbung natürlich die heile Tierwelt auf Verpackungen und an Fleischtheken versucht vorzugaukeln. Das (Nutz-)Tier, ein Mitgeschöpf und achtenswertes Lebewesen wird zum Klimasünder degradiert, zu Höchstleistungen getrieben mit Hormonen und Antibiotika behandelt bis zum wortwörtlichen Umfallen. Natürlich sollen wir nicht in den nächsten Schweinemaststall laufen und mit dem erstbesten Schwein kuscheln, abgesehen davon, dass wir wegen Seuchengefahr da gar nicht reindürfen würde uns der Anblick, auch ziemlich schockieren, aber ein etwas mündigerer Umgang mit der ,Ware‘ Tier wäre vielleicht angebracht bevor man sich als sehr tierlieb bezeichnet.“

 Thomas Brass Apfeldorf

Auch interessant

Kommentare