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Schwestern des Zisterzienserordens in Ostritz (Landkreis Bautzen) gehen über das Gelände des Klosters St. Marienthal.

Über das Wesen der Religiosität

„Christen müssen nur zwei Gebote einhalten, die Liebe zu Gott und zum Nächsten. Tatsächlich stehen wir Deutschen gar nicht so schlecht da.

 Wir haben immer viele Flüchtlinge aufgenommen, es wird bei Katastrophen und Unglücksfällen doch großzügig gespendet. Es gibt zahlreiche Hilfsorganisationen wie Deutsche Welthungerhilfe, Brot für die Welt, Misereor, Andheri-Hilfe, Deutsche Stiftung Weltbevölkerung, Rüdiger Nehberg, Entwicklungshilfe der Bundesregierung und andere. Zahlreiche engagieren sich ehrenamtlich bei Tafeln, Hospiz, Kliniken, Stiftungen in Städten und Gemeinden. Gerade die Grünen werden sich noch beweisen müssen, wenn es gilt, nach Abzug der ISAF-Truppen afghanische Frauen und Mädchen aufzunehmen. Nun kennt der Islam auch die Nächstenliebe. Die Unterstützung der Armen gehört sogar zu den fünf Säulen des Islam. Der Gläubige muss die Almosensteuer (Zakat) geben. Im Gegensatz zum Christentum darf diese nur Muslimen zugute kommen. Es gibt aber im Christentum etwas, das es im Islam und keiner anderen Religion gibt. Es ist die von Jesus geforderte Feindesliebe. ,Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen; bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen‘ (Matthaeus). Das ist schwer genug. Gibt es das überhaupt? Ja, zum Beispiel bei unseren Sanitätskompanien in Afghanistan. Dort werden auch Taliban behandelt.“

 Friedhelm Wollust Freising


„Wasser predigen – selbst am Weinglas schlürfen! Flagge zeigen setzt voraus, jene Werte zu leben, die eine Flagge symbolisiert. Doch wo blei-ben diese christlichen Werte? Von Machtgier geblendet, lassen ,christliche‘ Parteifunktionäre in Stuttgart demon-strierende Jugendliche und Rentner von hochgerüsteten Polizeieinheiten mit Pfeffer-sprays begasen und niederknüppeln. Das gab es nicht einmal in der DDR bei den Montagsdemonstrationen. In ihrem von Prestige- und Geldgier getriebenen, orgiastischen Tanz ums Goldene Kalb (= Bayern LB und Hypo Group Alpe Adria) vernichten ,christliche‘ Parteifunktionäre in ihrer Rolle als Verwaltungsräte Milliarden Euro an Volksvermögen. Der ,christliche‘ Parteifunktionär und bayerische Innenminister schwadroniert in einer TV-Sendung vom Kampf deutscher Soldaten am Hindukusch für die Gleichberechtigung afghanischer Frauen, während es in der ,christlichen‘ CSU einer Frauenquote bedarf, um Frauen gleichberechtigte politische Karrieremöglichkeiten zu öffnen. Berufschrist Marx, Erzbischof der katholischen Kirche, fordert gar eine ganz spezielle Art der Religionsfreiheit ein, die nicht bedeutet, dass der Staat alle Religionen gleich behandeln müsse. Das erinnert stark an das obskure Verständnis seines Arbeitgebers von der Gleichberechtigung von Frau und Mann in der Institution Kirche. Menschen orientieren sich an Vorbildern. Das sind schlechte Vorbilder. Solange solche ,christlichen Leuchttürme‘ Wasser predigen und selbst am Weinglas schlürfen, wird es keine christlichen Werte geben, für die es sich lohnt, Flagge zu zeigen. Und: Was, bitteschön, ist heute an den ,christlichen‘ Parteien noch wirklich christlich? Übrigens: Ich bin bekennender Christ katholischer Herkunft.“

 Edgar Kubetschka Erding



„Wer Gott wirklich liebt, hat das Gefühl, ihn zu betrügen, wenn er den Zölibat bricht. Er ergibt sich ganz natürlich aus der Liebe zu Gott. Sollte ein Geistlicher je anders empfinden, hat er seinen Beruf, der Berufung sein sollte, verfehlt, und es wäre ihm anzuraten, in die Welt zurückzukehren. Gott lebt in jedem Menschenherzen, ist dort in seiner Liebekraft, dem Erlöserfunken, der göttlichen Flamme präsent. Jeder, egal welcher Religion, fühlt ihn, als Gewissen, als natürliche Moral/Scham, als innere Stimme, als Intuition. Es ist unterschiedlich, und doch ist es in allen Menschen der gleiche Schöpfergott, unabhängig davon, wie sie ihn nennen oder verehren. Religionen sind Menschenwerk und schaffen Trennung. Der Grundgedanke des Christentums, die selbstlose Nächstenliebe, ist völlig unabhängig von Rasse und Religion. Würde diese gelebt, wäre die Menschheit ohne Grenzen brüderlich vereint, in Respekt, Achtung und Demut vor Gott in seinem Nächsten. Es gibt nur einen Gott, und ausnahmslos alle Menschen sind seine Kinder.“

 Yvonne Kettemann Rottach-Egern



„Der Katholik, die Katholikin ist kein ,blutleeres Wesen‘, wie Frau Ilse Sixt meint. Der Katholik ist progressiv und konservativ in einem, also ein Lebenskünstler und Überlebeskünstler zugleich. Das katholische Christentum ist die dynamischste Religion auf unserem Planeten (neben der mosaischen), denn der unverheiratete Christ versteht sich als liebender Gott gegenüber im priesterlichen Dienst, in einer politischen Mission und so fort.“

 Birgitta Drexl München

„Es wird schwer, seine Flagge zu zeigen“; Leserbriefe 12. Oktober, „Christen sollten Flagge zeigen“; Titelseite 11. Oktober

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