Patient zahlt Zeche

„Unabhängige Beratung“; Titelseite 27./28. Juni

Der Vorgang ist wirklich ein Skandal und ein Beleg dafür, dass die Ökonomisierung der Gesellschaft stetig voranschreitet. Die gesetzlichen Krankenkassen wissen natürlich, dass es sich hier um ein Thema mit geringer Öffentlichkeitswirkung handelt und handeln dementsprechend rigoros. Einerseits sind die gut situierten Bürger im Regelfall davon nicht betroffen, da sie Mitglieder in den Privilegien sichernden privaten Krankenversicherungen sind. Andererseits interessiert sich der gesetzlich Versicherte, solange er sich im Gesundheitswesen gut aufgehoben fühlt, im Regelfall ebenfalls nicht für die Unabhängigen Patientenberatung Deutschland. Die UPD kommt in erster Linie dann ins Spiel, wenn eine gesetzliche Krankenkasse auf Abwege geraten ist oder Behandlungsfehler zu beklagen sind. Sprich, wenn ein Patient unabhängige Beratung benötigt. Die Sozialgesetzgebung ist sehr umfangreich. Insofern ist das im UPD angesammelte Know-how von unschätzbarem Wert und geht bei einem Dienstleisterwechsel zu Lasten der gesetzlich versicherten Mitbürger verloren. Den gesetzlichen Krankenkassen kann das vielleicht auch recht sein. Weniger Know-how auf der Gegenseite kann zu positiven Entwicklungen zum Wohle der gesetzlichen Krankenkassen führen und schadet dann dem einzelnen Patienten. In diesem Sinne stellt sich die Frage, ob es nicht bereits ein Konstruktionsfehler ist, wenn die gesetzlichen Krankenkassen in der Gesamtheit die unabhängige Beratung ihrer Kunden finanzieren sollen bzw. müssen. Ist es diesen Krankenkassen zu verdenken, wenn sie die Patientenberatung als ein das Tagesgeschäft störendes Übel einstufen und nach dem Motto „Hauptsache billig“ verfahren? Bei einem Austausch der UPD ist schon heute klar wer die Zeche bezahlt. Nicht die Krankenkassen, sondern das einzelne Krankenkassen-Mitglied bzw. der Patient. Übrigens, die UPD wurde 2006 als gemeinnützige GmbH gegründet.

Otto Noack Oberschleißheim

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