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„Volksbegehren gegen Studiengebühr läuft“; Titelseite 17. Januar

Studiengebühren abschaffen weil: 1.) Ungerecht, wenn nur zwei Länder diese noch erheben. 2.) Nur noch drei Länder zahlen in den Länderfinanzausgleich ein, darunter wieder auch Bayern. Hauptnehmer ist – wie könnte es auch anders sein – Berlin. Das heißt im Klartext: Wir zahlen den Katastrophenflughafen mit, aber unsere Studenten müssen blechen, während Berlin und Brandenburg sich damit brüsten, keine Studiengebühren zu erheben. So nicht! 3.) Ich bin gerne bereit – und ich denke eine Mehrheit der betroffenen Eltern auch – projektbezogen die Uni zu unterstützen, an der mein Kind studiert. Das ist dann nachvollziehbar. Einen Projektflyer als pdf per E-Mail an die Studierenden, die geben das weiter und erklären dies ihren Eltern. Null-Aufwand, Mega-Erfolg! 4.) Herr Seehofer sagte heute in einem Interview, dass sich Bayern das kostenfreie Studium nun leisten kann und will. Bildung für alle zu gewährleisten ist eine Grundaufgabe des Staates. Sollte Punkt drei nicht die volle Summe bringen, gerne mit Steuermitteln! Unsere gute wirtschaftliche Lage kommt auch von der guten Ausbildung, die auch ohne Studiengebühren nicht leiden muss. Gehen Sie zur Eintragung Volksentscheid in ihr Rathaus!

Thomas Stöckelhuber Murnau

Da fragt man sich, wofür man zahlt. Endlich! Das Volksbegehren! Ich war ja noch in der glücklichen Lage ohne Gebühren studieren zu können. Meinen Lebensunterhalt, die Mini-Wohnung (trotzdem 500 DM/monatlich), das kleine Auto, um zum Studienort und zur Arbeit zu kommen, die Ausgaben für das Studium, all das konnte bzw. musste ich mir durch meine Nebenjobs finanzieren. Es war ein Leben am und manchmal schon unterm Limit. Hätte ich zu dieser Zeit noch Studiengebühren bezahlen müssen, hätte ich die Angelegenheit vergessen und in meinem erlernten Handwerksberuf weiterarbeiten können. Dies wäre natürlich zu ertragen gewesen. Das Studium ermöglichte mir aber auch, mich in eine andere Richtung weiter zu entwickeln. Jetzt bin ich selber Mutter zweier Buben, Beide sind noch klein. Ein mögliches Studium liegt noch etwa zwei Jahrzehnte entfernt. Wir brauchen nicht jammern. Uns fehlt es derzeit an nichts. Als vierköpfige Familie muss man mit den Finanzen jedoch gut haushalten und das obwohl mein Mann als Vollzeithandwerker tätig ist und ich als Halbtageskraft in meinen Studiums-Beruf zurückgekehrt bin. Zum Sparen für einen Bildungsfonds für unsere Jungs bleiben derzeit an die 50 Euro monatlich, manchmal ist es auch mehr. Wie wird es also zu dieser Zeit ausschauen, wenn vielleicht einer oder sogar beide sagen, dass sie studieren möchten? Mieten werden bis dahin nicht sinken, ganz zu schweigen von den Lebenshaltungskosten, gerade bei den Grundnahrungsmitteln. In zwanzig Jahren kann da mein Mann noch seinen körperlich harten Job ausführen oder muss er eventuell schon vorzeitig in den Altersruhestand? Zu welchem Ertrag? Zu einer Altersteilzeitrente? Zu einer stark reduzierten Rente? Zu gar keiner Rente mehr, weil sie es nicht mehr gibt? Dann hätte er 40-45 Jahre umsonst eingezahlt. Ich möchte damit erläutern, dass es auch für die Durchschnittsfamilie in etlichen Jahren auch nicht mehr so rosig aussehen könnte. Dass es dann für diese Familien nicht mehr so leicht sein wird, ein-, zweimal schnell Studiengebühren für ein Semester zu entrichten (Einschub: Es geht mir nicht darum, meinen Kindern ihr Eintritt ins Erwachsenen-Leben oder ihr Studium völlig zu finanzieren, sondern um ihnen den Weg etwas zu erleichtern und um sie zu unterstützen). Ob die Kinder einmal so schulstark sein werden, um ein Stipendium zu erhalten, ist nicht vorauszusehen. Sollten sie sich wegen der Semestergebühren schon verschulden, wenn die Eltern nicht angemessen unterstützen können? Kann man uns denn garantieren, wenn die Kinder nicht studieren können, dass sie in einem Ausbildungsberuf unterkommen? Dass sie angemessen bezahlt werden? Dass sie einmal eine Familie ernähren können? Dass es dann zu dieser Zeit noch möglich ist, in einem Konzern/Betrieb auch ohne Studium aufzusteigen, wenn der-/diejenige möchte und fleißig ist? Da gibt es niemanden, der einem diese Fragen ausreichend beantworten und somit so manche Sorge nehmen könnte. Ich frage mich, ob 20jährige Studenten, die gegen die Abschaffung sind, für die Gebühren oder ihr sonstiges Leben selber aufkommen? Benedikt Hausler formuliert sogar, dass man „für unsere gute, hoch angesehene bayerische Bildung nicht viel bezahlen“ muss. Ja genau, diese Bildung extra und vor allem in Zukunft für die guten, hoch angesehenen Menschen in unserer Gesellschaft. Wer wird das sein? Die finanzielle Oberschicht wahrscheinlich, zu der - sollte man nicht einmal im Lotto gewinnen (wenn man überhaupt spielen würde) - wir wohl eher auch in Zukunft nicht gehören werden. Und eine weitere Frage: Geht es den Universitäten und Fachhochschulen wirklich so schlecht? Wenn ja, dann muss nach einer Lösung gesucht werden. Könnte nicht mehr über die schulischen Fördervereine initiiert und jeder Student mit seinem persönlichen Engagement hierzu mit eingebunden werden, um der Allgemeinheit von Nutzen zu sein? Ich könnte mir vorstellen, wenn diese Schulen die Eltern der Studenten über Vorhaben und Projekte informieren, dass so manche Spendengelder fließen würden. Je nach Ermessen und nach Können. Dann wäre das für den Sinn der Sache und nachzuvollziehen. Aber diese Semesterabgaben sind für mich der falsche Weg. Ich möchte in zwanzig Jahren nicht von einem meiner Jungs gefragt werden: „Mama, du hast doch selber mal studiert, als es noch „frei“ war. Warum hast du eigentlich dann nicht für die Abschaffung der Studiengebühren gestimmt als du konntest?“ Ja, würde ich mir dann denken. Warum eigentlich nicht? Warum habe ich nichts getan, als es allen noch finanziell besser ging (fiktive Aussage)? Warum hab ich mir noch gesagt: „Betrifft dich zum Glück ja nicht mehr!?“ Warum habe ich zu diesem Zeitpunkt nicht über den Tellerrand hinaus gedacht und mir verinnerlicht, dass ein jeder und eine jede, auch meine Kinder ein „Recht auf Bildung“ verdient haben...?

 Sabine Gerg Lenggries

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