Das Wahljahr bleibt spannend

SPD stürzt im Norden ab; Titelseite, Mike Schier: Ein Stern stürzt ab; Kommentar, Der Koalitionspoker beginnt; Politik 8. Mai

Politische Trends ohne Dauer? Dass es Journalisten am Tag nach einer Landtagswahl schwer haben, eine griffige Erklärung für die Wahlergebnisse zu formulieren, kann der Nutzer mehrerer Informationsquellen verstehen. Gleichwohl sollte man einige Fakten erwarten dürfen, die der Souverän im Norden der Republik damit geschaffen hat. Obwohl in Schleswig-Holstein erstmals 16-jährige Jugendliche zur Wahl gehen konnten und damit die Wahlbeteiligung höher lag als 2012, belief sich der Anteil der Nichtwähler auf 34 %. Dies ist um so mehr erwähnenswert, weil aus der staatlich finanzierten Jugendarbeit heraus ein Aaron Jessen (28) und sein Team eine Jungwähler-Initiative „kleiner 5“ mit Zielrichtung der Verhinderung des Einzugs der AfD in den Landtag betrieben wurde und erste Umdeuter des Wahlergebnisses behaup- ten, dass unter Einbezug der Nichtwählerquote als „ehrlichem Ergebnis“ die „Rechtspopulisten“ ei- ne Koalitionsbildung nun nicht erschweren könnten. Die Zahl 34 hat noch eine andere Bedeutung: Während die sog. „Küstenkoalition“, die abgewählt wurde, über 34 Sitze verfügte, würde eine schwarz-gelbe Koalition (CDU/FDP) ebenfalls nur über 34 Mandate von 69 Sitzen verfügen. Man darf gespannt sein, wie die Koalitionsverhandlungen nach den NRW-Wahlen ablaufen werden. Das Interesse der Presse richtet sich heute gezielt auf Wahlsieger und Verlierer. Fakt ist, dass die Wähler einer weiteren Westausdehnung der Ex-SED/PDS, heute Die LINKE einen Prellbock ent- gegengesetzt haben und die AfD zwar 5,9 % aus dem Stand erreicht hat, d.h. nur ein Wahlziel als 5. Kraft (!) damit für sich verbuchen kann. Dass sie allerdings im „roten Rendsburg“ auf 6,8% gekom- men ist, bestätigt den (Verlierer-) Trend im linken Spektrum zusätzlich. Auf der Gewinnerseite verdient die FDP (11,5%) und eine besondere Prägung der GRÜNEN, deren Vorkämpfer Habeck einen Erfolgskurs nach dem Vorbild eines Winfried Kretschmann und Boris Palmer (Baden-Württemberg), nicht etwa der Bundespartei vorgelegt hat. Strahlender Sieger ist Daniel Günther (CDU), der den Amtsinhaber Torsten Albig (SPD), einen Ralf („Ralle“) Stegner (SPD) und den „Mr. 100 %“, Martin Schulz alt aussehen lässt - „verdient“, wie aus den eigenen Reihen und manchen Kommentaren zu entnehmen ist. Ob der Schulz-Hype vorbei ist, ob er nur in der Einbildung bestand oder ein eingeredetes Medienprodukt war, wird sich am kommenden Sonntag in Nordrhein-Westfalen zeigen. Das Wahljahr bleibt spannend! 

Willi Eisele Wolfratshausen

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