Zweifelhafter Nutzen

„,Umfragen bis kurz vor der Wahl‘“; Titelseite 24. Januar

 Der „taktische Wähler“ fällt weit hinter die demokratische Kultur zurück. Die 5-Prozent-Hürde stört ihn dann, wenn er eigene Interessen betroffen sieht. Für diesen schäbigen Auftritt bedarf er der Demoskopie, welche nun nicht einmal über die Prügel wegen ungenauer Vorhersagen klagt. Im Gegenteil reagiert Wahlforscher Matthias Jung, indem er uns seine Zahlen noch in die Wahlkabine nachtragen mag. Warum? Erstens wäre das für seine Branche lukrativ. Zweitens ist es nicht ihr Problem, wenn ihr Zahlen-Tand den Raum vernebelt, den es bräuchte, um über Parlamentsarbeitn zu bilanzieren, um sich ein Bild von Programmen und Personen zu machen. Sogar der Nutzen innerhalb der Legislatur ist zweifelhaft. Denn zwischen die Gespräche über Probleme und Lösungen wird dauernd Sachfremdes, nämlich die angebliche Stärke oder Schwäche der Akteure gequetscht. Regierungsstellen, Parteien, Verbände, ein jeder, der Geld für Umfragen in der Schatulle hat, untersteht sich, Behauptungen von gegebener oder fehlender Unterstützung in der Bevölkerung zu kolportieren. Es ist naiv anzunehmen, irgendwelche Zahlen kämen ohne Interessen derer auf den Tisch, die sie bezahlt haben. Das Heft hält in der Hand, wer selbst die Fragen stellt. Zugegebenermaßen bedeutet das Arbeit. Die „schöne neue Welt“, mit noch genauere Prognosen, bieten dagegen die Demoskopen an. Wer dafür plädiert, möge konsequent sein. Sind dererst Umfragen als Maß der Verankerung von Parlamentsparteien anerkennt, haben Wahlen ausgedient.

Markus Hiereth Eching

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