Warum Unternehmen entlassen

Deutsche Unternehmen und Unternehmer sind in vieler Hinsicht weltweit führend. Auch was die Verantwortung speziell des so erfolgreichen Mittelstandes gegenüber seinen Mitarbeitern betrifft.

Diese sind in solchen Unternehmen nicht Arbeits- oder Kostenfaktor, sondern Menschen, die sich in verantwortlicher Weise am Erfolg des Unternehmens beteiligen. Aus diesem Grunde hat es in der vergangenen ebenso wie in der aktuellen Weltwirtschaftskrise in Deutschland keine nennenswerten Entlassungen gegeben. Die Unternehmen wirtschaften nicht am Markt vorbei, sondern liefern innovative Produkte, die nachgefragt werden. Dies zeichnet unter anderem ein Unternehmen aus: Ich produziere, was sich verkauft. Wenn ein Unternehmen seine Mitarbeiter nur als lästiges Anhängsel und Kostenfaktor begreift, wenn es einem Verantwortlichen ermöglicht wird, mit kurzfristigen Einsparungen (und darum geht es ja bei der Stilllegung ganzer Unternehmensteile) seinen eigenen Bonus zu garantieren, geht ein Unternehmen zum Teufel. Unternehmerische Visionen werden abgewürgt – nichts wird mehr entwickelt, nichts wird mehr verkauft. Was sind das für Manager, denen die Möglichkeiten eines Standortes von den eigenen Mitarbeitern oder der Politik (Zeil, Seehofer) vor Augen geführt werden müssen? In diesem Zusammenhang stellt sich für mich allerdings auch die Frage, warum Münchens Oberbürgermeister sich hier so merkwürdig still verhält. Passt wohl nicht zu „seiner“ Erfolgsgeschichte von München.

Heinrich Sander Weilheim


Für den interessierten Beobachter kommt das Aus nicht überraschend. Wenn Nokia und Siemens zwei notleidende Sparten zusammenlegen und sich dann kein Investor findet, dann kann es nur das Ende bedeuten. Warum? Platte Managerschelte aus den Reihen der Gewerkschaft ist üblich, aber nicht richtig. Wenn man in Deutschland jede Bürosteckdose alle zwei Jahre durch einen zertifizierten Elektromeister überprüfen lassen muss und auch alle anderen Vorschriften für Licht und Ergonomie am Arbeitsplatz das Unternehmen erdrücken; dazu eine in München selbst im deutschen Vergleich hohe Gewerbesteuer wirkt; die Lohnnebenkosten zu den höchsten der Welt zählen und gleichzeitig die Grundstückspreise explodieren, dann muss man nicht erwarten, dass die Deutschen noch einen Stich gegen die Asiaten heimbringen. Das liegt nicht an unseren Managern! Die Asiaten haben auch kluge Köpfe und die arbeiten halt für die Hälfte. Auch mit weniger als der Hälfte an Gesetzen und Verordnungen. Wir haben uns selbst stranguliert. Und wenn dann ein liberaler Politiker wie Herr Zeil nach Hilfe von Siemens ruft, dann ist das schon ein politisches Totalversagen. Und der gute Ruf von Siemens? Handysparte, BenQ, Gigaset? Vermutlich haben es die wenigsten bislang bemerkt, aber Siemens verkauft nichts mehr an Privatleute. Das gilt ganz besonders für die Telefone und Gigaset-Schnurlose, die alle aus Asien kommen. Da sind längst andere Investoren wie damals bei BenQ dahinter, die noch den Namen Siemens weiterverwenden. Von den 500 000 Siemens-Mitarbeitern arbeiten gerade einmal noch 20 % in Deutschland. Der Rest ist längst global, wie auch die Aktionäre längst aus aller Welt stammen. Der Deutsche ist ja bekannterweise ein Aktienmuffel. Wir dürfen uns nicht beschweren. Unsere Politik aus Berlin und München hat Siemens mit kleinsten Nadelstichen – die jedes Mal richtig Geld kosten – aus Deutschland vertrieben. Hier ein Gesetz, da eine Verordnung – alles populistisch angeblich zum Wohle des Bürgers. Heute ist jedes Arbeitsplatz-Schutzgesetz ein Arbeitsplatz-Abbaugesetz. Das sollte jedem klar sein. Wenn Unternehmen wieder Freiheit zur Forschung, Entwicklung und natürlich zum Geldverdienen für die Aktionäre hätten, dann würden wir auch wieder moderne Arbeitsplätze bekommen, die heute in Asien aufgebaut werden.

 Dr.-Ing. Horst Lüning Seeshaupt

„Nokia Siemens: Aus in München“; Titelseite, Martin Prem: „Erbärmliche Leistung“; Kommentar, Thomas Schmidt, Philipp Vetter und Christian Deutschländer: „Der Schock“; Im Blickpunkt 1. Februar

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