Wehrmachtssoldaten berichten über ihre Erfahrungen

41 Wehrmachtsandenken in Kasernen; Titelseite 18. Mai, Wehrmacht und Bundeswehr; Leserforum 19. Mai

Wenn ich die Verunglimpfungen der ehemaligen deutschen Wehrmacht und ihren Angehörigen durch die Verteidigungsministerin von der Leyen höre und lese, werden bei mir die schrecklichen Erinnerungen aus meiner Jugendzeit als Soldat und Kriegsgefangener wieder so wach, dass ich nachts häufig davon träume. Ich bin Jahrgang 1927 (90 Jahre alt) und wurde mit 17-einhalb Jahren von der Schulbank weg zum Reichsarbeitsdienst und mit 18 Jahren zur Wehrmacht eingezogen. Einen Tag vor Kriegsende (7. Mai 1945) erlitt ich eine Schussverletzung und geriet am 8. Mai 1945 als Verwundeter in russische Kriegsgefangenschaft. Dort erbrachte ich unter unmenschlichen Verhältnissen und unter Einsatz von Leben und Gesundheit bei schwersten Arbeitsbedingungen Reparationsleistungen als Wiedergutmachung der Schäden, die von der deutschen Wehrmacht verursacht worden sind. Im Dezember 1947 kam ich als Halbverhungerter {Dystrophiker II) nach Hause. Anschließend war es für mich als Heimkehrer sehr schwierig, ohne Schulabschluss beruflich Fuß zu fassen. Ich war nie stolz darauf, ehemaliger Soldat der deutschen Wehrmacht gewesen zu sein, und erwartete auch nie eine Würdigung meiner Verdienste aus dieser Zeit, aber ich empfinde es als beschämend, dass die Verteidigungsministerin mit ihren unqualifizierten Äußerungen die deutsche Wehrmacht und ihre Angehörigen so maßlos beleidigt. 

Hans Berner Aßling

Drei praktische Fälle: abgelehnter Deutscher Gruß, vermiedener NS-Führungsoffizier, versäumte Unterrichtung über Waffen-SS. Ich bin 96 und war vier Jahre dabei. Fall 1: Zur Zeit des Hitler-Attentats im Juli 1944 war ich in die Erdkampfschule der Fallschirmjäger in Verdun (circa 1000 Mann) kommandiert. Am Tag nach dem Attentat wurde beim Morgenappell jener Führerbefehl verlesen, dass ab sofort anstelle des üblichen soldatischen Grußes der Deutsche Gruß durch Ausstrecken des rechten Arms auszuführen ist – wie bei der Waffen-SS. Dabei ging verhaltenes Murren durch die Reihen, was soll das? Harte Strafen wurden angekündigt. Aber schon beim Abendausgang war der Befehl total vergessen. Am nächsten Morgen statt geschärftem Arrest Ausgangssperre angedroht, zwei Tage mit mäßigem Erfolg. Am dritten Tag jedoch: Befehlsverweigerung – Kriegsgericht! Das wirkte. 2. Fall: Gleichzeitig wurde auch der NS-Führungsoffizier befohlen. Der musste ab sofort für den rechten nazistischen Geist in dem müden Militärhaufen sorgen. „Nazikommissar!“ Acht Monate später, Ende April 1944, ich war inzwischen in einer großen Erdfunkstelle gelandet und Oberfähnrich geworden, nahm der Kompaniechef das Thema beim Mittagessen auf: „Ich bekomme keine Ruhe und bin wieder einmal schärfstens gerügt worden, weil wir immer noch keinen NS-Führungsoffizier gemeldet haben. Wer macht’s?“ Er hatte aber nur einen sowieso überlasteten Funk-Leutnant und mich zur Verfügung. Ich aber war ungeeignet, weil vorbestraft, mit drei Monaten Frontbewährung. Nach großem Lamento mit den Oberen, Chef im kleinen Kreis: „Ich brauche keinen Aufpasser!“ 3. Fall: Ich bin mit einem Feldwebel auf Spähtrupp per Rad nach der chaotisch zurückweichenden Front, die jeden Tag näher kommt. Auf der Rückfahrt plötzlich: Halt, Parole! Eine Streife der hinten vagabundierenden Waffen-SS verhaftet uns und wir werden nach kurzer Vernehmung durch einen Offizier in einem ausgangslosen Hinterzimmer eingesperrt. Auf Grund seiner Achselstücke hielt ich ihn für einen Leutnant und sprach in so an. „Was! Sie wissen nicht was ich bin?“, faucht er mich mit hochrotem Kopf an: „Das ist also diese Wehrmacht, die uns nicht kennt!“ – Zwei Stunden nach telefonischer Klärung hieß es: „Hauen Sie ab!“ Gott sei Dank, klappte die Sprechverbindung noch! Sonst wären wir fahnenflüchtig gewesen. Der Mann hatte Recht. Die Waffen-SS wurde in der Wehrmacht nicht bekannt gemacht. Auf meinen vielen Lehrgängen, wo immer wieder die Gliederungen und Rangabzeichen von Wehrmacht, Luftwaffe und Marine eingetrichtert worden waren, fehlte jede Erwähnung der Waffen-SS. Diese Unwissenheit wäre mir damals fast zum Verhängnis geworden. 

Alfred Laut senior München

Ihr Bericht hat mich, ehemaliger Soldat in der Wehrmacht, zum Widerspruch gefordert. Ich wurde 1942, als 18-Jähriger, zur Wehrmacht eingezogen. Wie es hieß, „Zur Verteidigung von Volk und Vaterland“. Die täglichen Kriegsberichte und die Bombardierung unserer Städte haben dies glaubhaft unterstrichen. Nach Ablegung des Fahneneides Einsatz auf den Kriegsschauplätzen bis am 25. März 1945 eine russische Kugel meinen Einsatz unter dem Stahlhelm beendete. Schwerverwundet in einem Lazarett behandelt und im Juni geheilt aber dienstunfähig entlassen. Schon 1998 hat man in der Anti-Wehrmachtsausstellung: „Vernichtungskrieg, Verbrechen der Wehrmacht 1941–1944“ versucht, die besiegten deutschen Soldaten zu entehren. Untersuchungen haben aber ergeben, dass nur zehn Prozent der gezeigten Bilder eindeutig Taten der Wehrmacht belegen. 90 Prozent waren falsch oder fragwürdig. Die Ausstellung musste geschlossen werden. Der US-amerikanische Militärschriftsteller, jüdischer Herkunft, Martin van Creveld räumt in seiner 1982 erschienenen Untersuchung den Wehrmachtssoldaten einen Spitzenrang ein: „Ein großartiger Kampfverband, der hinsichtlich Moral, Elan und Zusammenhalt nichts seinesgleichen hatte“. Der britische Feldmarschall Alexander in seinem Memorial: „Die deutschen Soldaten sind von einem starken Sinn für Pflicht und Disziplin beseelt und haben überall tapfer und zäh gekämpft. Wir kämpften gegen die besten Soldaten der Welt.“ Nun versucht unsere Verteidigungsministerin, gegen die Wehrmachtsnostalgie mit einer Kampagne anzukämpfen. Andenken wie Fotos und Stahlhelme, Münzen und Wandbilder sind in den Kasernen zu entfernen. Frau von der Leyen, dies ist beschämend für das korrekte Verhalten ehemaliger Wehrmachtssoldaten. Soldatentum lebt in allen Ländern von Tradition. Sie können Ihr Verhalten nur durch Ihren Rücktritt gutmachen. 

Josef August Neuberger Höhenkirchen

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