Leserbriefe

Weitere Stimmen zu Corona

Streit um Bundes-Lockown; Titelseite, Stimmen zur Corona-Politik; Leserforum 12. April,
Kasperl erklärt Selbsttests; Bayern 12. April,
Gleiche Corona-Regeln für alle; Titelseite 10./11. April

In der Montagsausgabe wird mal wieder von Leserbriefschreibern vehement ein generelles Demonstrationsverbot oder Verbot der Teilnahme an Ostermärschen gefordert. Herr Wagner wirft gar der Justiz vor, einen unerträglichen Zustand zu schaffen, indem sie Demos erlaubt.

Ich hingegen finde die Einstellung in den Köpfen mancher Menschen unerträglich, die unsere Grundrechte nach Belieben aussetzen möchten. Ich empfehle hier das Interview in der gleichen Ausgabe auf Seite 8 mit dem Studenten und seiner Verfassungsbeschwerde. Die Schreiber begründen die Notwendigkeit der Verbote mit der hohen Ansteckungsgefahr im Freien, da die Demoteilnehmer überwiegend keine Masken trügen.

Nun wird aber schon seit Monaten von Aerosolforschern darauf hingewiesen, dass dies wissenschaftlich widerlegt ist! Die international aufgestellte Gesellschaft für Aerosolforschung (GAeF) hat am 11. April 2021 sogar einen eindringlichen Appell an die Regierung gerichtet, ihre fehlgerichtete Handlungsweise zu korrigieren. Ich zitiere daraus:

„Aus der Aerosolforschung sind vielfältige Erkenntnisse zur Übertragung der Sars-CoV-2 Viren über den Luftweg publiziert worden, zusammengefasst und aufbereitet in einem im Winter 2020 erschienenen Positionspapier der Gesellschaft für Aerosolforschung. Leider werden bis heute wesentliche Erkenntnisse unserer Forschungsarbeit nicht in praktisches Handeln übersetzt. Stattdessen werden eher symbolische Maßnahmen wie die Maskenpflicht beim Joggen erlassen, die keinen nennenswerten Einfluss auf das Infektionsgeschehen erwarten lassen. Dabei ist deren zentraler Baustein mittlerweile Konsens in der Wissenschaft: Die Übertragung der Sars-CoV-2 Viren findet fast ausnahmslos in Innenräumen statt. Übertragungen im Freien sind äußerst selten und führen nie zu ‚Clusterinfektionen’, wie das in Innenräumen zu beobachten ist.“

Alexander Solya

Wolfratshausen

Zum Plan der Regierung, das Infektionsschutzgesetz zu ändern: Liebe Regierung, was ist das Ziel? Die Ankündigung, das Infektionsschutzgesetz zu ändern, damit die Ministerpräsidenten die letzten Beschlüsse endlich umsetzen, offenbart die pure Hilflosigkeit der Regierung. Das klingt wie beim Erlkönig: „Und bist du nicht willig, so brauche ich Gewalt“. Frau Merkel signalisiert damit, dass sie ihren Ministerpräsidenten nicht (mehr) vertraut und ihnen jegliche Kompetenz und Eigenverantwortung für ihr jeweiliges Bundesland abspricht. Was bringen die dauernden Sitzungen, wenn das Ergebnis sowieso nicht konsequent umgesetzt wird?

Wenn mehr getestet wird, folgen automatisch mehr positiv Infizierte. Wenn wir also testen auf Teufel komm raus, dann werden die Inzidenzen immer und dauerhaft steigen. Wir nehmen uns damit die Möglichkeit, überhaupt sinkende Inzidenzen zu produzieren. Gleichzeitig wird aber vor niedrigen Inzidenzen nach Ostern gewarnt, weil diese Zahlen nicht aussagekräftig sind, da über die Feiertage zu wenig getestet und zu schleppend gemeldet wurde. Warum dauert es mehrere Tage, bis die positiv Erfassten an das RKI gemeldet werden? Werden Zettel handschriftlich ausgewertet? Warum funktioniert eine schnelle Digitalisierung der Gesundheitsämter offensichtlich immer noch nicht? Was bringen die übermittelten Zahlen überhaupt, wenn sie schon fünf bis sieben Tage alt sind?

Liebe Regierung, es geht nicht darum, möglichst per Gesetz Macht über die Ministerpräsidenten und die Bürger zu erlangen, sondern es geht darum, die Bürger vor Infektionen zu schützen und gleichzeitig so schnell wie möglich flächendeckend zu impfen! Warum wird seit über einem Jahr immer nur der Lockdown als angeblich richtige Maßnahme auf den Tisch gelegt?

Ich halte es für völlig falsch, nur die Inzidenz als alleiniges Instrument für einschränkende Maßnahmen heranzuziehen. Es müssten endlich auch die Prozentsätze mit angegeben werden. Wie viel Prozent der Bevölkerung eines Landkreises werden pro Tag getestet? Wie viel Prozent der Getesteten sind positiv? Wie viel Prozent der Positiven haben Symptome? Wie viele der symptomatisch Erkrankten muss intensivmedizinisch betreut werden? In Großstädten muss die Inzidenz sicher anders bewertet werden als auf dem flachen Land, weil in der Stadt viel mehr Leute auf engerem Raum leben.

Warum sollen die Bürger wieder in den (Brücken-)Lockdown geschickt werden, bis mehr Menschen geimpft sind? Das dauert ja mindestens bis Weihnachten! Was passiert nach dem Brücken-Lockdown? Wann ist danach? Wird dann – wann genau und wie – sinnvoll geöffnet? Wir Bürger und damit die ganze Gesellschaft wollen und brauchen Perspektiven und endlich ein Ende des Stocherns im Nebel.

Ingrid Weidauer

Zorneding

Diese neuen Verbote stehen kurz bevor. Angela Merkel will einen kurzen, harten Lockdown. Lockdown hin, Lockdown her, das bringt doch – so praktiziert – alles nichts mehr. Ein harter regionaler Lockdown bei einer Inzidenz > 100 an drei aufeinander folgenden Tagen ist kein Lockdown. Das ist die falsche Strategie und würde nur dann sinnvoll sein, wenn dieser gleichzeitig mit einer entsprechenden regionalen Mobilitätsbeschränkung einhergehen würde. So wie angedacht sehen wir wieder alle Autokennzeichen aus den Gebieten mit einer hohen Inzidenz in Gebieten einer geringeren Inzidenz. China mit einer Einwohnerzahl von knapp 1,4 Milliarden hat die Pandemie nur durch Mobilitätsbeschränkungen in den Griff bekommen. Zusammenkünfte mit nur einer weiteren Person aus einem anderen Haushalt ist ebenso nicht nachvollziehbar, denn beim Buffet in Mallorca treffen sich Personen aus mehr als 50 Haushalten und das auch noch aus den unterschiedlichsten Kontinenten. Sportaktivitäten nur noch zu zweit klingt geradezu lächerlich in Anbetracht dessen, was an schönen Wochenenden in den Ausflugsgebieten auf Wanderwegen zu beobachten ist. Die einzig sinnvolle Lösung ist auf jeden Fall als Erstes das schnelle Impfen mit den richtigen Spritzen um möglichst viele Impfdosen aus einer Ampulle zu erhalten. Zum Zweiten alle Impfkapazitäten auszuschöpfen und zum Dritten, so lange noch keine Immunisierung besteht, zu vermeiden, dass sich Regionen mit unterschiedlichen Inzidenzen vermischen. Die wichtigsten Fragen sind uns Herdentieren, man redet ja ständig von Herdenimmunisierung, noch nicht beantwortet worden; überträgt eine geimpfte Person bei erneuter Ansteckung den Virus an andere Personen? Wie lange ist die Verweilzeit des Virus in geimpften Personen? Diese Fragen sollten eigentlich, nachdem bereits Millionen Menschen geimpft sind, schon lange geklärt sein. Mehr gesunder Menschenverstand und größere Transparenz seitens des Corona-Krisenmanagements hätte für weniger Frust und mehr Verantwortungsbewusstsein in der Bevölkerung, oder soll ich Herde sagen, geführt.

Peter Berner

Geretsried

Seit einem Jahr dominiert die Berichterstattung fast nur ein Thema. Mit der oft streitsuchenden Berichterstattung in allen Medien treiben wir die Gesellschaft immer weiter in eine gefährliche Spaltung. Es gibt auch ein Grundrecht auf Wahrheit und die scheint der Sensationsmeldung zum Opfer zu fallen. Nicht einmal richtiges Zählen der Infektionen scheint mehr zu gelingen in den einzelnen Landkreisen und über ein Verbot zu maskenverweigernden Coronademonstrationen will auch keiner reden, geschweige denn diese effektiv verhindern. Dafür grassieren Bürokratismus und Betrugsversuche sich an der Situation zu bereichern. Gleichzeitig werden wochenlang, mehr als in Person, private Kontakte in Familien eingeschränkt und Ausgangssperren verhängt sowie fast 3 Millionen genesene (mit Dunkelziffer vermutlich doppelt so viele) seit einem Jahr eigentlich grundlos massiv eingeschränkt, auch wenn nachweislich mehr Antikörper vorhanden sind als bei Geimpften. Jetzt brauchen wir auch keine Diskussionen mehr über Freiheiten für Geimpfte, denn die sind eigentlich nur ein verzweifelter Versuch die bereits verdorbene Impfbereitschaft wiederherzustellen, spalten aber die Gesellschaft in gefährlicher Weise. Macht einfach fertig mit der Freigabe der Impfung für alle durch Aufhebung der Prioritäten und positiver Motivation durch bessere Kommunikation. Mehrfach geprüfter Impfstoff ist in Europa genügend zur Anzahl der Bevölkerung bis Ende des Jahres bestellt und wird auch bis Ende September vorhanden und an mindestens 80 % verimpft worden sein, sofern die Leute richtig motiviert werden dazu und nicht dauernd verängstigt. Viel wichtiger wäre auch die Versorgung der ärmeren Länder mit Impfstoff und die Entwicklung eines effektiven Medikamentes dagegen. Sonst werden wir die Pandemie nie los, wenn wir wieder vermehrt ins Ausland verreisen. Dann stehen wegen neuer Mutanten morgen vielleicht wieder mit leeren Händen und noch dazu mit leeren Kassen da.

Michael Gattermann

Karlsfeld

Ein ganz hervorragendes Video, um die Kinder (und Erwachsenen! ) an die korrekte Selbsttestung heranzuführen. Leider wird auch hier wie in den meisten Darstellungen im Fernsehen, sowie in der Testkitbeschreibung die Probennahme falsch demonstriert: Das Stäbchen wird zu steil in die Nase eingeführt! Das tut dann gar nicht gut, führt zu Ablehnung beim nächsten Mal. Der Tupfer sollte relativ waagrecht in das Nasenloch (parallel zum Gaumen) eingeführt werden. Dann ist die Wahrscheinlichkeit für ausreichend Schleimmaterial wesentlich größer als bei senkrechter Applikation! Ergebnis wäre dann ein falsch negativer Test durch präanalytischen Benutzerfehler. So ein Ergebnis ist gefährlicher als gar kein Test, wiegt man sich doch in falscher Sicherheit. Ausreichend Material zu gewinnen (=Schleim) ist unabdingbar für den Test. Schön, dass die Augsburger Puppenkiste das produziert hat, aber ein Erdmännchen kann nicht parallel zum Gaumen abstreichen, Kinder schon.

Dr. Werner Schweizer

Arzt für Allgemeinmedizin i. R.,

Vaterstetten

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