Wie geht es weiter mit der CSU?

Aigner bringt CSU-Urwahl ins Spiel; Titelseite 18./19. November,Mike Schier:Manfred Weber:Joker aus Brüssel;Blickpunkt 17. November

Schade um Frau Aigner. Sie lässt sich da von Seehofer in einen aussichtslosen Wettkampf schicken. So nett Ilse Aigner auch ist, der CSU wird sie in der derzeitigen Situation keinen Gefallen tun. Die Partei braucht eine Persönlichkeit, die mitreißen kann – und dazu ist Frau Aigner zu brav.

Seehofer versteht die Position der Ministerpräsidenten als Erbhof der oberbayerischen CSU, und solch eine Engstirnigkeit wird meist bestraft. Es sollte der aussichtsreichste Kandidat ins Rennen geschickt werden und nicht der oder die, dessen oder deren Nase Herrn Seehofer am besten passt.

Josef Schmid
Osterhofen


Eine Ausdehnung der CSU auf das gesamte Bundesgebiet nach der Ära Franz Josef Strauß und nach dem Zerfall der DDR haben führende CSU-Politiker seinerzeit abgelehnt. Die Folgen sind nun, dass der Schwanz mit dem Hund wackelt. FDP und Grüne, überflüssig wie ein Kropf, wollen als recht kleine Parteien wichtige Ministerien besetzen und bestimmen, wie regiert werden soll. Die FDP hat sich immer entweder an die SPD geklammert oder an die CDU, nur um politisch zu überleben. Bei den Grünen ist es nicht anders. Ein bundesweites agieren der CSU mit einem standfesten Parteichef hätte das Jamaika-Drama verhindert und als Nebeneffekt auch das Theater um die AfD.

Hubert Theinl
München


Bei der Bundestagswahl habe ich falsch gewählt und wollte 2018 CSU wählen – jetzt nicht mehr. Was sich unsere Regierung erlaubt, ist kaum nachvollziehbar. Geld für Luxus-Hotels, Naturzerstörung Riedberger Horn, kein Aufbäumen gegen Umweltgifte wie Glyphosat.

Otto Preithner
München


Dieser Mann ist kein Joker, sondern der letzte Sargnagel für die CSU. Zumindest als dominierende politische Kraft in Bayern. Manfred Weber will die Partei, wo die CDU schon heute ist: verortet irgendwo in der politischen Mitte, beliebig, gesichtslos. Vermeintlich modern und anschlussfähig an das großstädtische Milieu. Doch die Wähleranalyse vom 24. September zeigt: Genau dort verliert die Partei noch mehr als auf dem Land.

Wer sich eine Wohnung im Münchner Lehel leisten kann, kauft im Bio-Laden und wählt grün. Und die Gattin FDP, weil der Herr Lindner immer so stylische Hemden und nach einer Haarimplantation dichtes Haar trägt. Mag sein, dass sich der kinderlose, polyglobe Europapolitiker (dessen niederbayerische Herkunft man nur noch dann erkennt, wenn er Englisch spricht) im städtischen Umfeld zu Hause fühlt. Aber: Für uns ist da kein Platz, Herr Weber! Die CSU muss rechts, konservativ, bekennend christlich, staatstragend sein. So wie die zehn Millionen Bayern außerhalb von München, Nürnberg und Augsburg. Als Partei und Interessenvertreter derer, die schon immer hier waren. Mit Bayerns letztem Merkel-Versteher Weber in führender Position wird diese Partei absaufen. Zerrieben zwischen einer klugen Alternative rechts und allen anderen von links, denen die CSU auch mit großstädtischem Antlitz grundsätzlich unwählbar ist.

Dass die CSU unter einem Manfred Weber mit mir nach 38 Jahren ein weiteres Mitglied verlieren würde, spielte dabei keine Rolle mehr.

Andreas Becker
ehemals langjähriger CSU-Vorsitzender in Prien

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