2 Leserbriefe

Das Ganze hat einen gewaltigen Haken

Solar-Pflicht für alle Dächer; Titelseite 10. Juli

Nach Lesen des Artikels bin jetzt zu der festen Überzeugung gekommen, dass der Engel Aloisius noch immer Hofbräuhaus sitzt und nicht die göttlichen Ratschläge –wie ihm aufgetragen – in der Staatskanzlei abgeliefert hat. Fotovoltaik verpflichtend auf jeden Neubau. Geht es noch? Werden hierdurch nicht die Baukosten zusätzlich angehoben? Ach so, es soll ja Förderprogramme geben, die den Preisanstieg dämpfen sollen. Leider kommt dieses Geld auch vom Steuerzahler und auch von denen, die sich leider nicht eine solche neue Wohnung leisten können. Aber lassen wir einmal die Baukosten beiseite. Durch diese Maßnahme wird zusätzlich aber noch dafür gesorgt, dass die Stromkosten, die ein Normalbürger zu zahlen hat, sich über die EEG-Umlage nochmals dramatisch erhöhen wird. Glaubt man denn, dass der Strom auch zu dem Zeitpunkt, wo er so in Massen erzeugt wird, auch abgenommen wird? Schon heute wird über die Strombörse in Leipzig haufenweise der Strom verklappt, also mit hoher Zuzahlung versehen an das Ausland abgegeben, um dann, in den Abendstunden, wiederum vom Ausland mit hohen Aufschlägen wieder eingekauft zu werden. Wer so agiert, verschleudert das Geld seiner Bürger vorsätzlich. Sinnvoll wäre ein solches Programm nur dann, wenn sichergestellt würde, dass der so erzeugte Strom entweder im Haus selbst gespeichert und auch dort verbraucht wird oder in Deutschland – und das nachweislich – in bereits vorhandene oder noch zu bauende Energiespeicher zwischengelagert wird. Im Stromnetz zwischenspeichern, wie von Frau Annalena Baerbock behauptet, klappt nicht. Mein Wort darauf!

Bernhard Mühlberg

Eching

Jetzt haben sie es tatsächlich endlich begriffen, um was es geht. Das denkt man beim Lesen dieses Artikels unwillkürlich. Ein Feuerwerk positiver Schlagworte unseres Ministerpräsidenten purzeln einem geradezu entgegen: „Top-Sonnenland“, „größte Solar-Offensive Bayerns“, „Bayern macht Ernst mit erneuerbarer Energie“. Der Schluss daraus: Die Grünen in Bayern haben ihren Auftrag erfüllt und werden nicht mehr gebraucht. Die Dauer-Regierungspartei CSU hat die ökologische Wende voll übernommen. Leider hat das Ganze einen gewaltigen Haken und scheint sogar wie ein perfides Ablenkungsmanöver taktisch eingefädelt zu sein. Denn gleichzeitig wird von der CSU-Regierung 38 schon einmal genehmigten Windrädern die Realisierung versagt. Ein Grund: Die Genehmigungen wurden schon vor der unseligen 10H-Regelung erteilt. Da sich die Fertigstellung so lange verzögerte, stehen die ursprünglich genehmigten Anlagen nicht mehr zur Verfügung. Die Änderungsgenehmigung wird wegen der jetzt gültigen 10H(orst)-Regel von der CSU nicht erteilt. Um sich der fatalen Wirkung dieser Entscheidung bewusst zu werden, muss man sich die Dimensionen betrachten. Angenommen, die 38 Windkraftanlagen hätten eine installierte Leistung von jeweils 3 MW gehabt, ergäbe dies eine Jahresleistung von etwa 228 GWh Strom. Um dieselbe Strommenge mittels Fotovoltaik zu erzeugen, müssen auf Dächern etwa 22.800 PV-Anlagen mit einer installierten Leistung von jeweils 10 kWp gebaut werden! Solange die 10H-Regelung nicht abgeschafft wird, kann die CSU nicht glaubwürdig propagieren, sie habe die ökologischen und klimapolitischen Herausforderungen unserer Zeit begriffen. Diese Regelung befördert in der Bevölkerung eine grundsätzliche Stimmung gegen die Windkraft, in deren Folge der Neubau fast zum Erliegen gekommen ist. Um diese Herausforderungen zu meistern, benötigen wir außer weiteren Effizienzsteigerungen beim Energieeinsatz alle Möglichkeiten, Energie auf regenerative Art zu erzeugen, einschließlich der erforderlichen Speichermöglichkeiten.

Ernst Deiringer

Vorstandsmitglied Verein Energiewende Landkreis Starnberg

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