Wollen wir Schaeffler finanzieren?

„Unmut im Fall Schaeffler wächst"; Titelseite, Georg Anastasiadis: „Seehofers Zwickmühle"; Kommentar, „,Listige Witwe‘ kämpft um ihr Lebenswerk"; Wirtschaft 30. Januar, Georg Anastasiadis: „Eine Zumutung"; Kommentar, Christian Deutschländer: „Die Dame bittet zur Kasse"; Im Blickpunkt 28. Januar

„Ich kann allen Leserbriefschreibern vom Donnerstag nur voll zustimmen. Aber eine wesentliche Tatsache blieb in all diesen Stellungnahmen leider völlig außen vor. Wenn wir etwas zurückblättern, so gab es ja einen mit harten Bandagen geführten Kampf gegen das Conti-Management im Rahmen einer ,feindlichen‘ Übernahme. Continental wollte ja gar nicht von der INA-Gruppe übernommen werden. Aber so sind nun mal die ,Heuschrecken‘, wenn auch in diesem Fall eine deutsche Heuschrecke. Ich kann dazu nur eines sagen: Gier frisst Hirn und vernebelt den Weitblick. Denn nur so kann es sein, dass man als Schnäppchenjäger (Geiz ist geil-Manier vergleichbar) damals in einer erst beginnenden Finanzkrise den Hals nicht mehr voll bekommt und als vergleichbarer Zwerg einen Goliath schlucken will. Gut informierte Wirtschaftsleser werden sich noch an die vor vielen Jahren ebenfalls stattgefundene ebenso feindliche Übernahme der FAG Kugelfischer durch die INA-Gruppe erinnern. Ebenfalls ein Kampf auf Biegen und Brechen. Und gleichfalls die Vorgehensweise wie jetzt: Der kleinere schluckt den Großen. Nur damals gab es am Schluss der Kursbewegungen noch für einen ,ausgewählten letzten Aktionärskreis‘ eine wundersame exorbitante Kurssteigerung in den letzten Tagen der Börsennotiz. Leider waren zuvor alle schon normalen Aktionäre der INA auf den Leim gegangen und hatten zu dem schäbigen Abfindungsangebotskurs angedient. Es kann nicht sein, dass der Staat – und somit wir als Steuerzahler – für diesen Größenwahn auch nur mit einem Euro geradestehen sollen, nach dem Motto: Wenn’s danebengeht, so wird halt der Staat unter dem Aspekt der 200 000 Arbeitsplätze in Anspruch genommen bzw. erpresst. Hierfür müsste es einen Straftatbestand geben und für eine solche Vorgehensweise gehört jemand ins Gefängnis! Aber unsere Politiker sind ja eh meistens nur eingelullt und werden das schon richten – vermutlich ganz im Sinne von Frau Schaeffler. Gute Nacht Deutschland – pfui Teufel."

Alfred Komac

Bruckmühl

„Sehr geehrte Damen und Herren Politiker, mittlerweile sind wir kleinen Bürger von der Politik ja einiges gewohnt, aber die gestrige Zeitungsmeldung hat mich nun wirklich empört. Einer Milliardärin, die sich verzockt hat, aber dennoch lustig und guter Dinge über Silvester in Kitzbühel gefeiert hat, unser Steuergeld nachzuwerfen, das darf nun bei allem Respekt vor dem Arbeitsplatzerhalt nicht passieren. Solange unsere Kinder in Containern unterrichtet werden, kein Geld für Schulbusse da ist, Schüler in Klassen mit über 30 Kindern sitzen, ständig Stunden ausfallen wegen Lehrermangels, Kinder unter denkwürdigsten Bedingungen ihr Mittagessen in der Schule einnehmen müssen (weil es nämlich nach wie vor an den Gymnasien nicht überall Mensen gibt, es arbeiten doch fast alle mit Notbehelfen), solange es Rentner gibt, die ihr Leben lang hart gearbeitet haben, um nun eine Rente knapp über der Armutsgrenze zu erhalten und und und – diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen – solange hat der Bürger dafür nun wirklich kein Verständnis. Wenn sich die Dame verzockt hat, ihr Problem! Unsereins kann sich auch keine Villa am Starnberger See für fünf Millionen Euro kaufen, wenn er weiß, dass er nur 250 000 Euro finanzieren kann. Der Rettungsschirm wird so weit gespannt, bis er reißt. Und die Rechnung zahlen dann wieder wir. Aber halt, nein, wir kriegen ja jetzt großzügige 10 Euro mehr Kindergeld seit Januar. Wahnsinn, ich versuche dann, dass die Bank vielleicht diesen Betrag doch als Sicherheit für die Fünf-Millionen-Villa in Starnberg nimmt. Wenn’s mit dem Zahlen nicht klappt, dann wird für meine Wenigkeit unter dem Rettungsschirmchen hoffentlich auch noch ein Plätzchen sein. Sarkasmus beiseite: Schuster bleib bei deinen Leisten, vielleicht hätte sich die machtgierige Dame auf diese alte Weisheit besinnen sollen. Und, liebe Politiker, nach der (Bayern-)Wahl ist vor der (Europa-) und (Bundestags-)Wahl!"

Barbara Schlögl

Valley

„Wehe dem mittelständischen Unternehmer, der es versäumt, bei Zahlungsschwierigkeiten rechtzeitig Konsequenzen zu ziehen, also Geld nachzuschießen oder Konkursantrag zu stellen. Da ist unser ,System‘ aber so was von blitzschnell mit dem Zugriff auf das gesamte Privatvermögen, von dem bei unzähligen Unternehmern am Ende nicht mal mehr das Wohneigentum übrig geblieben ist. Konkursverschleppung und Durchgriffshaftung nennt sich das. Wo bitte bleibt diese Durchgriffshaftung bei der ,listigen Witwe‘, die sich Continental gierig unter den schick lackierten Nagel gerissen hat, in der Absicht, ihr (ererbtes) Vermögen mal rasch zu vervielfachen. Letztendlich kämpft Schaeffler doch nicht für die 150 000 hinzugekommenen Arbeitsplätze, sondern ausschließlich um ihr Protz-Leben und ihr Image als Unternehmerin. Sind ,wir‘ wirklich so dämlich, das zu finanzieren?"

Jürgen Brendel

Dachau

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