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Innerhalb der katholischen Kirche ist die Debatte um die Ehelosigkeit der Priester entbrannt.

Zölibat-Frage entzweit die Gläubigen

„Ich bin immer wieder entsetzt, wenn ich lesen muss, wie manche Personen in ihrer altertümlichen Denkweise gegen die momentane Diskussion um das Zölibat mit aller Kraft wettern.

Ich studiere selber gerade katholische Theologie an der LMU in München und habe dabei nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich sehr gerne dazu bereit bin, das Priesteramt auszuführen, aber eben nicht unter den gegebenen Umständen, da mir die Nähe und Geborgenheit in einer Familie einfach wichtiger sind. Mit dieser Einstellung stehe ich dabei keinesfalls alleine da. Ich habe, ganz im Gegenteil, in meinem Studium schon einige andere junge Männer kennengelernt, denen es genauso geht. Dabei kann ich das Argument, dass die Forderung nach dem Ende des Zölibats nur dem Zeitgeist entspreche, am wenigsten verstehen, denn genau dieser hat doch auch vor einigen Jahrhunderten zur Einführung dieser Regelung geführt. Ich hoffe, dass die Diskussion zu einem fruchtbaren Ende kommt und dabei auch die anderen Probleme, welche momentan unsere Priester beschäftigen, wie die immense Belastung durch riesige Pfarrverbände und die daraus resultierenden unmenschlichen Arbeitszeiten nicht zu kurz kommen.“

Tobias Lechner Jesenwang



„Langsam begreifen (auch ehemalige) Würdenträger der katholischen Kirche, dass sich etwas ändern muss, um den immer mehr zunehmenden Priestermangel und die Kirchenaustritte zu reduzieren. Wenn schon so ein bekannter und profilierter katholischer Theologe wie der frühere Münchner und Andechser Benediktiner-Abt, Odilo Lechner, auf eine Aufhebung des Zwangszölibats dringt, will das schon viel bedeuten. Ein intensives Nachdenken darüber ist damit in dieser Kirche, auch an höherer und höchster Stelle, sicher angebracht. Auch die traditionell konservative katholische Kirche sollte über ihren Schatten springen und mit der Zeit gehen, und eigentlich neue Strömungen nicht außer acht lassen. Auch auf die Gefahr hin, dass es bei verheirateten Priestern in der Ehe ,menscheln‘ kann, und Scheidungen, wie in der evangelischen Kirche, durchaus vorkommen können.“

 Günther Ehrhardt Miesbach



„Nachdem der gestrige Briefschreiber Robert Kramer Herrn Weihbischof Haßlberger auf Grund seiner Äußerungen zum Zölibat als Glaubenszerstörer und Totengräber einstuft, müsste er dies nunmehr auch gegenüber Abt Odilo Lechner tun, da dieser im Interview mit dem Merkur die gleiche Meinung wie Weihbischof Haßlberger vertritt. Für beide kirchlichen Würdenträger ist diese Einstufung eine ungeheure Beleidigung und seitens des Briefschreibers eine nicht zu akzeptierende Anmaßung. Gott sei Dank gibt es noch mehr vernünftige katholische Amtsträger und die sollten nicht ruhen, eine Öffnung der katholischen Kirche auf die Gegebenheiten der heutigen Zeit und die daraus resultierenden notwendigen Änderungen anzumahnen. Dazu gehört auch die Abschaffung des Zölibats. Der Priestermangel und die daraus resultierenden Folgen, vor allem die fehlende Ortsnähe des Pfarrers zu seinen Gläubigen sind auch ein Grund für manche Kirchenaustritte. Deshalb bin ich der Auffassung: Nicht die liberalen Kirchenvertreter, sondern die hyperkonservativen Sturköpfe und Fanatiker sind die Glaubenszerstörer und Totengräber für die katholische Kirche.“

 Hans Hirsch Seeshaupt



 „Da jagt man den Ex-Bischof von Augsburg, Dr. Mixa, vom Hofe und stellt ihm nach, dass er keine Vortragsreihe beginnen soll – so sein ehemaliges Bistum. Und man durchsiebt Klöster nach Homosexuellen-Vergehen, aber auf die Idee, für solche eigene Klöster zu errichten, kommt man nicht. Dass sich jetzt hochrangige Geistliche sogar vor Schüler stellen und über das Zölibat diskutieren, oder der beliebte Altabt Dr. Lechner sich gegen das Zölibat sträubt, ist auch sehr verwunderlich, da er das Jahrzehnte ,gelebt‘ hat. Ein Mann der Traurigkeit war er doch nie.“

 Hannes Heindl Freising



„Wenn ein evangelischer, verheirateter Pastor konvertiert, darf er als katholischer Priester mit Frau und Kindern im Pfarrhof wohnen und eine Pfarrei leiten. Was hat denn ein katholischer Priester, der geheiratet hat, verbrochen, dass in die katholische Kirche, trotz seiner Berufung und seines oft langjährigen Einsatzes in die Wüste schickt? Wer es fassen kann, der fasse es! Die Zulassung verheirateter Männer wäre also im Grunde überhaupt kein Problem.“

 Ilse Sixt Oberpframmern

Claudia Möllers: „Zölibatsdebatte wird schärfer“; Titelseite, „Kirche am Scheideweg“; Kommentar, und „,Trotz allen Elends: Das Gute überwiegt‘, Interview mit Odilo Lechner“; Bayern, „Pro und contra Zöli- bat“; Leserbriefe 24. Januar

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