Mehr Toleranz

Airberlin-Pilot dreht Ehrenschleife; Weltspiegel 18. Oktober

Die Untersuchung des Durchstartmanövers des letzten Air Berlin Langstreckenfluges durch das Luftfahrtbundesamt (LBA) zeigt auf, wie tief sich die deutsche Bürokratie in der Luftfahrt eingeschlichen hat. Vor Jahren hätte eine Untersuchung eines solchen Manövers nicht stattgefunden. Der Flugunfall in Ramstein ist in Deutschland so etwas wie 9/11 in Amerika. Seit diesem tragischen Ereignis sind Flugshows „amputiert“ und erheblich eingeschränkt. In der Luftfahrt sind grundsätzlich zwei An- und Abflugverfahren zu unterscheiden. Entweder fliegt man nach Instrumentenflugregeln (IFR) an und ab oder nach Sichtflugregeln (VFR). IFR Routen sind vorgeschriebenen Flugwege (STAR= Standard Arrival Route und SID= Standard Instrument Departure Route), VFR Routen liegen überwiegend im Ermessen des Piloten. In der Privatfliegerei wird meistens nach VFR geflogen. Beispiel ist hier die Abschiedsanzeige von Seite 10 des Flugplatzbetreibers Max Walch. Ihm ist es zu verdanken, dass es in der ausgedünnten Landschaft Oberbayerns noch den Flugplatz Jesenwang gibt, der nach VFR angeflogen wird. In der Verkehrsfliegerei wird überwiegend nach IFR geflogen, wobei der Pilot einen sogenannten Request auf VFR verlangen kann. Ist der Wechsel vom Fluglotsen genehmigt, so kann der Flug unter diesen Regeln fortgesetzt werden. Das LBA hat also nur zu prüfen, ob dieser Wechsel im Anflugverfahren stattgefunden hat, was sich ganz schnell anhand der Datenaufzeichnung herausfinden lässt. Freuen wir uns doch, dass es im Rahmen der seit Ramstein stattgefundenen Einschränkungen noch kleine Spielräume gibt, die es dem Piloten erlauben, Flugbegeisterung zum Ausdruck zu bringen. Ich wünsche allen flugbegeisterten Merkur-Lesern einmal nach Oskosh zu reisen und allen nicht flugbegeisterten Merkur-Lesern sich einmal genau die An- und Abflüge in Oskosh anzuschauen, die ausschließlich nach VFR stattfinden, wo sich Flugzeuge aus allen Bereichen treffen. Vielleicht gibt es mehr Toleranz, wenn man sieht, wie problemlos alles abläuft.

 Dr. Christoph Möhrle München

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