Blanker Unsinn

Ist dieses Bild zu sexy fürs Museum?; Weltspiegel 3./4. Februar

Vorab möchte ich bemerken, dass das Gemälde „Hylas und die Nymphen“ von John William Waterhouse laut Angaben der Manchester Art Gallery nur zeitweise entfernt wurde, um eine Diskussion über Sexismus in der Kunst anzufachen. Fragwürdig ist, ob solche Aktionen überhaupt zu den Aufgaben der Kuratorin Clare Gannaway gehören. Vermutlich ist sie für andere Aufgaben angestellt worden. Ich bin für volle Aufklärung sexueller Belästigungen an Frauen jeder Art, habe jedoch kein Verständnis, das Leute mit gewissem Einfluss auf der „Me Too“-Welle als Trittbrettfahrer mitschwimmen, um ihre persönlichen Ansichten durchzusetzen. Sexualität gehört zum Menschen und ist eines der schönen Dinge in unserem Leben. Seine Diskriminierung darf nicht dazu führen, dass man beim Flirten bereits ein schlechtes Gewissen bekommt. Nun zum Bild selbst: Ich persönlich halte das Bild „Hylas und die Nymphen“ für eines der schönsten von William Waterhaus. Übrigens hängen Kopien seiner Bilder „The Lady of Shalott“ und „Circe“ in meiner Wohnung. Ist das Bild „Hylas und die Nymphen“ nun sexistisch? Im Grunde genommen ein wenig schon, weil es der Inhalt der erzählten Geschichte erfordert. Hylas ist von Herakles geschickt worden, um für die Argonauten Trinkwasser zu besorgen. Dabei stieß er auf einen Teich. Beim schöpfen des Wassers erschien eine Gruppe wunderschöner Nymphen, die ihn durch ihr verführerisches Aussehen so nah ans Wasser lockten, dass sie ihn ergreifen und in die Tiefe ziehen konnten. Waterhouse hat durch die Darstellung der porzelanhaft wirkenden Nymphengruppe mit teilweise freiem Oberkörpern und gleichartig erscheinenden Gesichtern die Thematik der Verführung voll getroffen. Auch die Blicke, die dem Jüngling entgegengeworfen werden, sprechen dafür. Dieses Kunstwerk abzuhängen um eine Diskussion über Sexismus in der Kunst, wie Sie so richtig in Ihrem Artikel schreiben, anzuzetteln, halte ich für blanken Unsinn. Was will man damit erreichen? Einen Bildersturm in der Kunstscene? Ich war letzten Monat in der Ausstellung der Kunsthalle der Hypobank in München. Nach solchen Richtlinien hätte man hier fast jedes dritte Bild abhängen müssen. Die Kritik der Frau Gannaway erstreckt sich nur auf die Darstellung des weiblichen Körpers. Befasst man sich näher mit der griechischen Mythologie, so erfährt man, dass der hier dargestellte Hylas der Lustknabe des Herakles war. Nach seinem Verschwinden im See suchte Herakles tagelang nach seinem Geliebten, so das er sogar die Abfahrt der Argo versäumte und nicht weiter an der Fahrt teilnehmen könnte. Könnte sich hier nicht die Homosexuellen- Scene genauso diskriminiert fühlen, da das Bild zeigt, wie einer ihrer gleichgesinnten ertränkt wird? Genau so ein Blödsinn! 

Helmut Magnussen Olching

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