Bloß nicht natürlich denken

Schädelbrummen; Weltspiegel 21. Februar

Vor circa 20 Jahren stülpte uns die Elektroindustrie eine niemals vorher auf biologische Verträglichkeit überprüfte Technik über, zunächst durch die Mikrowellen betriebenen „Taschentelefone“ -Handys-, mit der Verlockung, überall telefonisch „erreichbar“ und auch selber nicht mehr auf Telefonzellen angewiesen zu sein, was sich zunächst gut anhörte. Im Laufe der Jahre boomte das Geschäft vor allem durch die kreativen weiteren Entwicklungen von DECT-Telefonen, W-LAN, Laptops, I-Phons und anderen Dauerstrahlern, die weit über den ursprünglichen Sinn einer effizienteren Kommunikation hinausgingen und sowohl der Industrie als auch dem mit im Boot sitzenden Fiskus Milliarden einbrachten. Der Boom wurde sicherlich auch durch das unkritische Verhalten vieler Bürger forciert. Wie angemerkt, ein Freilandversuch am Menschen ohne Kontrolle auf verträglich, keine Hinweise („Fragen sie ihren Arzt oder Apotheker wenn!“). Es einmal unklare biologische Irritationen gibt! Darüber hinaus: Die Darstellung elektromagnetischer Felder mit ihrem Störungspotenzial im biologischen Spektrum gehört nicht zum Lehrinhalt an Universitäten, die Presse trägt hierzu einen verordneten Maulkorb. Die gesponserten Studien verhindern ein ehrliche Gefahrendarstellung. Als nun plötzlich die Krankenkassen anfingen, eine Zunahme an „psychischen Erschöpfungen“ bei ihren Mitgliedern festzustellen und mit der Erklärung, „Arbeitgeber“ würden ihre Mitarbeiter nach Arbeitsende „viel zu oft telefonisch belasten“ konnte man aufhorchen! Die zudringlichen Arbeitgeber? Oder waren die hochfrequenten Kommunikationsaccessoires zwischenzeitlich eher zur Sucht führenden Spielzeugen mutiert? Egal ob im Kaffee, Zug oder Straße, beim Joggen oder Arztpraxis, es wird sich der Daumen verrenkt um Leerheit zu überbrücken? Da stirbt in Augsburg ein Mensch unter der Trambahn, weil er abgelenkt war- ein erster Vorschlag der Kommune: Das Installieren von beleuchteten Bodenschwellern bei Herannahen einer Tram! Bloß nicht natürlich denken. Und nun steigt also der Anteil der jungen Leute mit Kopfschmerzen! Beruflich und persönliche Anspannung sind sicherlich ein Mitgrund. Jedoch sind die im Leserbrief angedeuteten Verhalten ein erheblicher Beitrag zu geistigen Überfrachtung. 

Edmund Jedamczik Olching

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