Lebensgefahr! Heute nicht an Isar aufhalten - selbst wenn es nicht regnet

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Lächerliches Pflegegeldalmosen

Klarer Trend: Pflege zu Hause statt im Heim; Weltspiegel 17. Januar

Ihren Artikel habe ich als seit Längerem selbstbetroffene pflegende Tochter beider Eltern mit eigener fünfköpfiger Familie im Hause mit Interesse gelesen und dann mit einem energischem Aufschrei zunächst in die Schlussakte Papierkorb geworfen. Die zum 1. Januar 2017 in Kraft getretene Pflegereform, die in drei Stufen in den vergangenen Jahren eingeführt wurde und jetzt auch die Problematik an Demenz leidender oder von anderen psychischen Störungen betroffene pflegebedürftige Menschen einbezieht, die bisher nur wenig oder gar keine finanzielle Unterstützung in Form von Pflegegeld oder sog. Sachleistungen bekamen und durch eine Neugliederung in fünf sog. Pflegegrade, die die bis Ende 2016 geltenden Pflegestufen 1,2,3 ersetzt, ist sicher jahrelang diskutiert, durchdacht und endlich zum 1.Januar 2017 als Kraftpaket von der Bundesregierung kurz vor „Torschluß“, d.h. den Bundestagswahlen 2017 erfolgreich im Bundestag verabschiedet und pressemäßig positiv an die Öffentlichkeit via Print- und anderer Medien vermeldet worden. Allein, Papier ist geduldig und zwischen Theorie und Praxis liegen oft Welten. Was helfen einem als pflegender Tochter mit eigener fünfköpfiger Familie Hochglanzbroschüren vom Münchener Landratsamt (=LRA) mit hunderten Adressen von ambulanten Pflegediensten im Münchener Umland und -zig Adressen von stationären Pflegeeinrichtungen, wenn es in der Praxis überall an Pflegekräften fehlt und trotz wochenlanger verzweifelter Suche und Telefonaten im Resümee bleibt: „Außer Spesen nichts gewesen und hilf Dir selbst, so hilft Dir Gott“ oder auch nicht ? Na, ja zu Weihnachten bekam ich von beiden Söhnen zum Trost einen originalen Gewichtheberschutzgürtel, leider Monate zu spät für meine strapazierten Bandscheiben und Bauchmuskeln, leider ohne positive Entlastung für Knie und Hüftgelenke, als gestandene Bayern bringen Vater und Mutter zwischen 85 und 95 kg auf die Waage, was sich bei ca. einem Dutzend Hebeaktionen am Tag übers Jahr nicht unbedingt förderlich auf die eigene Gesundheit auswirkt. Was macht so ein kleiner Herzinfarkt zwischen den Feier–tage, den man dank Aspirin und einem Bier in Eigenbehandlung Gott sei Dank für die Familie überlebt hat um dann gleich wieder wie … Robot am nächsten Morgen, wenn Opa wieder eine seiner Panikattacken bekommt zu funktionieren, evtl. auch fünfmal pro Nacht und so über Monate im Dauereinsatz Tag und Nacht auf der Couch, damit der Rest der Familie, eine erwachsene Tochter und zwei Söhne 20 und 23 Jahre alt wenigstens Ihre Nachtruhe haben, wenn ich schon nur täglich zwei bis vier Stunden schlafe und mein Mann aus Angst vor weiteren Bandscheibenvorfällen, die er bereits aus anderen Gründen vor Jahren erlitt, Monate durch Abwesenheit glänzt und mir großzügig telefonisch mit Rat ohne Tat zur Seite steht. Warum sagt hier eigentlich keiner die Wahrheit, warum bitte, wehren wir Frauen uns nicht gegen dieses in konservativen Kreisen unter christlichen Deckmäntelchen der Jungfrau Maria propagierten Koch - und Putzlappenimage der verheirateten Ehefrau und Mutter, der trotz guter Bildung und Ausbildung (bei mir Jurastudium und mehrjährige Berufstätigkeit in der Privatwirtschaft) nach der erfolgreichen Kindererziehung-alle drei Kinder haben das Abi geschafft und befinden sich derzeit noch im Studium bzw. Ausbildung - auch noch die Altenpflege übernehmen soll, auch wenn eigene gesundheitliche Probleme entgegenstehen und die Wieder aufnähme einer Berufstätigkeit endlich nach 25 Jahren Familienpause möglich und im Hinblick auf die eigene gesetzliche Rentenbilanz dringend erforderlich wäre. Warum setzen sich Frauen- und Familienpolitikerinnen, die selbst ein stolzes Gehalt aus Steuermitteln aller beziehen, von dem viele von uns nur träumen können nicht besser für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern in Ehe und Familie, bei der Kindererziehung und der Altenpflege ein, was für mich heißt ein soziales Jahr für alle jungen Männer, nicht nur als BUFDIS, eine Familienversicherung als Grundsicherung für alle Familien, Kindergeld und Pflegegeld nicht in Almosenhöhe sondern als Lohnersatz, die beide in die Rentenberechnung ohne Lücken einfließen, sodass Kinder und Familie kein Armuts- oder Verarmungsrisiko selbst für gut situierte Mittelstandsfamilien darstellen! Warum bekommen pflegende Angehörige bei monatelangem 24 Stunden Einsatz nur dieses lächerliche Pflegegeldalmosen, das nicht einmal die Kosten für Windeln und Einlagen für eine Person monatlich abdecken? Gerecht wäre gleiches Geld für Angehörige und ambulante Pflegedienste, die ein Vielfaches – für nur eine Stunde Dienst pro Tag erhalten und der oder die Angehörige 23 Stunden für Gottes Lohn, als umsonst pflegen darf! Was für eine großartige Pflegereform, die auf technische Verbesserungen zuhause setzt, Notrufsysteme, soziale Medien, Internet und spez. kommunale Apps, mit denen Opa und Oma Ihre lieben Nachbarn zum Windelwechseln mit Kotzgarantie aufrufen können! Was tun, wenn Rettungssanitäter entnervt vom Dauereinsatz vor Ort mit Streik drohen und überlastete Hausärzte ihren Dienst quittieren, sodass man am Ende völlig allein steht? Aber der liebe Gott hilft manchmal doch und ruft eine liebe Seele zu sich, kurz bevor ich selbst total k.o. und an Grippe erkrankt, bald das Zeitliche zu segnen glaubte und hat im letzten Augenblick Platz im örtlichen Pflegeheim geschaffen. Gott sei Dank! Endlich bin ich wieder Mensch, nicht unbezahlter Roboter ohne menschliche Würde und Freiheit. Hoffentlich bleiben sie! 

Barbara Kolb-Obermeier Sauerlach

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