Rosarote Wonnewolke

Optimistischer Ausblick – Münchens Arbeitsmarkt: nachgefragt bei Wilfried Hüntelmann; Beruf & Karriere 5./6./7. Januar

Herr Hüntelmann beschreibt eine rosarote Wonnewolke aus dem Mikrokosmos der Arbeitsagentur. Die tatsächlichen Verhältnisse sind im Gegensatz dazu für die arbeitssuchende 50+ Generation ebenso alarmierend, wie seine Aussagen für jeden akut Betroffenen ärgerlich sind. Deren Probleme bei der Arbeitssuche jovial herunterzuspielen, könnte er sich durch einen aufmerksamen Blick in die hauseigene „Jobbörse“ schnell abgewöhnen; diese Datenbank für Stellensuchende beinhaltet ein buntes Sammelsurium aus mehr oder weniger zwielichtigen Personaldienstleistern und Zeitarbeitsfirmen, die auf der Suche nach billigem Personal sind, das sich in prekären Arbeitsverhältnissen zum Mindestlohn und zu schlechten Bedingungen ausbeuten lassen soll. Wenige echte Arbeitgeber, meist mit dem Hinweis: „Ein Tarifvertrag kommt nicht zur Anwendung“, machen das Vertrauen in diese Suchmaschine nicht besser. Die Krönung stellen Datensammler dar, die unter dem Vorwand der Personalsuche, diese Datenbank für eigene Zwecke missbrauchen, und sie mit tausenden von Stellen spammen, die es gar nicht gibt. Hintergrund: Datenverkauf – kein Datensatz ist aktueller als eine Bewerbung. Das Amt toleriert diesen Umstand weitgehend mit dem Hinweis auf Personalmangel – ich berichte hier aus eigener Erfahrung. Ebenso sehen sich die Arbeitsvermittler bei einem Volumen von pro Person zu betreuenden, über 300 Stellensuchenden, nahezu außerstande, fachlich sinnvolle Vermittlungsarbeit zu leisten. Es wird verwaltet und der Rest dem Zufall überlassen; von professioneller Vermittlung keine Spur. Herr Hüntelmann möge sich der Frage stellen, warum die von ihm geleitete Agentur für Arbeit keine persönlichen Kontakte zu den Großfirmen in und um München pflegt: Siemens, BMW, MAN, Knorr-Bremse, Krauss-Maffei-Wegmann, um nur einige zu benennen, die im Umkreis von 14 Kilometern Luftlinie, über ein Gesamtvolumen von circa 50 000 Arbeitsplätzen verfügen. Deren natürliche Fluktuation ließe sich bestimmt mit Arbeitssuchenden der Arbeitsagentur befüllen. Wer die Wahrheit über die Möglichkeiten zur zügigen Arbeitsaufnahme für gut qualifizierte Mitbürger 50+ wissen möchte, gibt auf youTube die Schlagworte „50+“ und „arbeitslos“ ein. Er wird erschauern, was die Wirklichkeit für schräge Blüten treibt. 

Klaus Schetar München

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