Neue Arbeitswelt

Das Ende des Feierabends; Wirtschaft 4. März

Was in Ihrem Artikel beschrieben wird, kann ich nur bestätigen. Im Bekanntenkreis höre ich immer öfters von Homeoffice und das mach dann halt abends noch eben fertig, usw. Erwerbsarbeit, Familienarbeit und Freizeit vermischen sich und Multitasking wird zur Regel, funktioniert aber nicht wirklich. Man ist weder voll bei der (Erwerbs-)Arbeit, noch bei der Familienarbeit. Deshalb kann ich mir nicht vorstellen, was viele im Bekanntenkreis behaupten, dass die Arbeit, wie die Familie profitiert und ich bin davon überzeugt, das auf jeden Fall die Freizeit und damit die nötige Regenerationszeiten auf der Strecke bleibt. Eine Folge wurde in Ihrem Artikel beschrieben - die steigende Zahl von Erwerbsunfähigkeit aufgrund von psychischen Erkrankungen. Das sind allerdings nicht die einzigen Folgen. Gemeinsame Familienzeit wird mit Arbeit geteilt und verliert an Qualität, Ehrenämter, durch die erst unsere Gesellschaft funktioniert, sind nur noch schwer zu besetzen, usw. Die gesellschaftlichen Folgekosten sind hoch und wenn überhaupt nur zum Teil bezifferbar. Für mich bleibt es fraglich, ob dadurch der Wirtschaftsstandort Deutschland langfristig profitieren kann. Die Gesellschaft, die Familien sicherlich nicht. Was ich allerdings mit Schrecken bemerke, ist wie Angestellte weniger kollegial miteinander umgehen, sondern in Konkurrenz zueinander treten, um sich im Betrieb als Leistungsträger zu präsentieren. Die logische Folge ist, dass sie sich natürlich nicht selbst Grenzen setzen, sondern noch etwas mehr erledigen wollen als ihr Konkurrent/Kollege und dass Mobbing als Thema vermehrt auftritt (ich will besser dastehen wie der Kollege ... ) Deshalb teile ich nicht die Meinung des Betriebsrates bei der Deutschen Post, Herr Fiegl, dass sich jeder selbst Grenzen setzen muss. Ich denke die Gesellschaft und somit der Staat, als ausführendes Organ der Gesellschaft, ist hier in der Pflicht, die neue Arbeitswelt kritisch zu begleiten  und evtl. die Betriebe zu reglementieren und zu kontrollieren. Die Betriebe sind in der Fürsorgepflicht gegenüber ihren Arbeitnehmer und müssen sich folglich eine gute Arbeitszeiterfassung überlegen und Arbeit so organisieren, dass Angestellte nicht in Konkurrenz zueinander stehen und an ihrer Familien- und Freizeit eben nicht knausern. Betriebsräte haben durchaus die Pflicht ihren Arbeitgeber dazu zu bringen, dass er seinen Pflichten nachkommt und Kollegen vielleicht doch einmal ihre Haltung kritisch durchleuchten. Der DGB macht mit der Erstellung der Studie eine wichtige Vorarbeit dazu. Die Chancen der neuen Arbeitswelt können nur dann wirklich genutzt werden, wenn die Nachteile im Blick sind, von allen Beteiligten.

Jörg Faber Neubiberg

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