Streng nach dem Verursacherprinzip

Sebastian Hölzle: Geldabheben kostet immer öfter; Titelseite 12. April

Wenn der Vorstandssprecher der Volksbank-Raiffeisenbank Dachau erklärt, früher habe man Kosten über einen höheren Zinssatz kompensieren können, so erstaunt diese Aussage schon sehr. Die VR-Bank Fürstenfeldbruck gibt in einer Mitteilung über den Auszugdrucker bekannt, dass die „Höhe des Sollzinses für geduldete Überziehung“ zum Abrechnungstermin 31. 3. 2017 jährlich 17,6 % beträgt! Diese Volksbank-Raiffeisenbanken verleihen also Geld von uns Kunden, für welche wir null Zins bekommen, zu 17,6 %. Ein tolles Geschäft. Die schämen sich gar nicht. Und das reicht noch nicht. Bekommen die den Kragen nicht mehr voll. Wer kann Vertrauen in solche Banken haben? Die VR-Banken Fürstenfeldbruck haben auch zum 30. April 2017 ein neues Kostenmodell kreiert mit erheblich höhen Bankkosten und meinen, zusammen mit den Sparkassen allein auf dem Markt zu sein. Dabei bieten allein die Sparda-Banken und Postbanken Girokonten weitestgehend kostenfrei an. Die Online-Banken sowieso. Die Bürger werden schnell reagieren und den Kostentreibern den Rücken kehren. 

Simon Socher Gernlinden

Die Begründung der Banken, dass die Bereitstellung von Bargeld Kosten verursacht, ist eine vorgeschobene Behauptung. Liefen die Automaten früher kostenlos? Nein, das erste Ziel, die Abschaffung des Bargelds, soll uns Deutschen über diese Kostenschraube „schmackhaft“ gemacht werden, mit dem zukünftigen Effekt, uns zukünftig noch besser überwachen zu können und zusätzlich das lukrative Geschäftsfeld aufzustoßen, bei jeder bargeldlosen Zahlung nochmals mit „Transaktionsgebühren“ belasten zu dürfen. Das zweite oft gehörte Argument, dass sie über die Automatengebühr die Kosten für die Negativ-Zinsen der EZB auffangen wollen ist schlichtweg unredlich, werden doch hiermit alle Kontobesitzer belastet, unabhängig davon, wie viel sie real auf dem Konto hinterlegt haben. Laut Jahresbericht 2016 hatten die Raiffeisenbanken 637 Milliarden Euro Kundeneinlagen, wovon hiervon 528 Milliarden wiederum als Kredite vergeben wurden. Die Strafzinsen von -0,4% auf die Differenz von 109 Milliarden beliefen sich damit auf 436 Millionen das heißt, die realen Kosten für jeden Euro für Sichteinlagen auf dem Konto belaufen sich auf sagenhafte 0,004€. Bei einem durchschnittlichen Kontostand von 5000,00€ ergibt sich hieraus ein Strafzinsbeitrag von 20€ pro Jahr. Deutlich weniger als das, was uns die Banken in neuen Konto-Modellen bzw. Abhebung am Bargeldautomat abknöpfen wollen. Gerecht würde es aus meiner Sicht sein, diejenigen, die einen hohen Kontostand haben, streng nach dem Verursacherprinzip zu belasten und nicht, wie von den Banken propagiert, praktisch unabhängig vom Kontostand. Aber es scheint, die Banken ziehen es vor, zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen zu wollen: Abschaffung des Bargelds und Schonung der Vermögenden.

 Bernhard Mühlberg Eching

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