Gebeutelte Aktionäre

Rolf Obertreis: Deutsche Bank: Ein Eigengewächs als Hoffnungsträger; Wirtschaft 9. April

Die Nachricht von der Berufung eines erfahrenen Bankers zum neuen Vorstandschef der Deutschen Bank dürfte die über Jahre gebeutelten Aktionäre gefreut haben. Da er aus dem konventionellen Bankgeschäft kommt, verspricht seine Ernennung wohl auch die Abkehr oder zumindest Eindämmung des risiko- und verlustreichen Investment Banking, das schon in den ersten drei Monaten dieses Jahres für den Ausweis eines Verlusts von 450 Millionen Euro bei der Deutschen Bank geführt hatte. Die Freude der Aktionäre wäre wohl noch größer gewesen, würde nicht nur der glücklose John Cryan sondern auch Aufsichtsratschef Paul Achleitner die Bank verlassen. Schließlich hatte, unter dessen Aufsichtsrat - Ägide, die einst größte und solideste Bank Deutschlands viele Jahre Verluste geschrieben und damit nicht nur ihre Bilanz, sondern auch ihren Ruf ruiniert. . Im Geschäftsjahr 2017 hatte sich die die Bank nicht geniert, 2, 3 Milliarden Euro an ihre Investmentbanker auszuschütten, die die Führung der Bank , trotz deren offensichtlichen Erfolglosigkeit, immer noch für unersetzlich hielt und gleichzeitig den Aktionären einen Verlust von 735 Millionen Euro zuzumuten und mit einer Mini Dividende von 19 Cents pro Aktie abzuspeisen. Den AR-Chef Achleitner scheint dies alles nicht besonders zu besorgen. Schließlich hat er schon andere Krisen überstanden, für die er letztlich verantwortlich war. So hatte er, beispielsweise, in seiner Tätigkeit als Finanzvorstand der Allianz, 2001 die Dresdner Bank für 30,7 Milliarden Euro erworben, um sie dann 2008, nach verlustreichen Jahren, zu einem Bruchteil des Kaufpreises an die Commerzbank zu verschleudern. Die Gesamtverluste der Allianz aus dieser Investition dürften im oberen zweistelligen Milliardenbereich gelegen haben. Erst mit seiner Bestellung zum AR Chef der Deutschen Bank schied Achleitner am 31.5.2012 als Finanzvorstand der Allianz aus. Auf seinem neuen Posten duldete er jahrelang die Tätigkeit des Spitzenzockers Anshu Jain als Co-Chef der Bank. Schwerpunkt blieb das Investmentbanking mit seinen Skandalen, Rechtsstreitigkeiten und negativen Ergebnisse im Milliardenbereich. Ob es dem neuen Vorstandschef Christian Sewing gelingt, sich gegen die Investmentbanker im Aufsichtsrat durchzusetzen und die Bank wieder zu einem soliden Geschäftsmodell im klassischen Bankgeschäft zu führen, bleibt als Frage stehen. Der AR-Chef Achleitner wird bleiben. Schließlich hatte die Hauptversammlung 2017 ihn mit 93,5% der Stimmen entlastet und seinen Vertrag mit einem Salär von 800 000 Euro bis 2022 verlängert. 

Peter Hütz Krailling

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