Streit ums Dieselfahrverbot

Manuela Dollinger: Wer entschädigt betroffene Diesel-Fahrer?; Geld & Markt, Debatte um Diesel-Autos; Leserforum 1. März

Was mich an der ganzen, völlig hysterischen Diskussion um die Fahrverbote wegen „Überschreitung“ - allerdings willkürlich festgelegter - Abgasgrenzwerte wundert, ist, dass wirklich kundige Wissenschaftler relativ stumm bleiben. Leider wird es so den wild eifernden Akteuren der DUH weiterhin ermöglicht, ihre - zumindest unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten - völlig unhaltbaren Behauptungen aufrecht zu erhalten und dem „Normalbürger“ weiterhin Angst damit einzujagen, er könnte demnächst eines grausamen Todes sterben. Zunächst - und zwar bevor grundlegende Fehler beschlossen würden - sollte ein mit wirklich kundigen Wissenschaftler besetztes Gremium die Diskrepanz zwischen den am Arbeitsplatz zugelassenen Grenzwerten von 950 Mikrogramm NOx und den von der DUW geforderten Maximalbelastung von 40 Mikrogramm NOx aufklären. Erst dann wäre eine Diskussion um die im Straßenverkehr maximal zulässige Belastung sinnvoll und für die Allgemeinheit akzeptabel. Im Ergebnis würden damit auf diesem Wege sicherlich hunderte von Millionen Kosten, Umsatzeinbußen, Steuermindereinnahmen und partielle Arbeitslosigkeit in der Automobilindustrie vermieden. Macht Euch an die Arbeit, sie wäre des Schweißes der Edlen wert. Und bis zu deren Abschluss: haltet die Füße still. 

Jörg Duffing Eichenau

Dieselfahrverbotsurteil Was bei der ganzen Diskussion zu kurz kommt: Der persönliche ökologische Fußabdruck hängt von der jährlichen Fahrleistung ab. Es macht doch einen Unterschied, ob ich mit einem Norm 4 Diesel 5000 km im Jahr fahre oder 100 000 km mit einem Norm 6. Es kann doch nicht sein, dass derjenige bestraft wir, der die Umwelt mehr schont. Das trifft vor allem viele Rentner und Menschen, die ihren Diesel nur im Urlaub zum Beispiel als Wohnmobil bewegen. Gerechter wäre es doch, wenn jedem ein persönliches Kontingent zugesprochen würde. Dass sich die Autoindustrie gegen die Hardware-Nachrüstung sträubt, ist ein Skandal und ein grandioses Versagen der Politik. 

Nikolaus Högel Feldafing

Der Leserbrief von Herrn Höglinger zeigt auf, was der Emissionswert, den die Eurokraten festgelegt haben, eigentlich bedeutet, nämlich ein unbedeutendes Nichts. Hysterisch wird nun reagiert, ein Verwaltungsgericht, das sich der Tragweite ihres Urteils scheinbar nicht bewusst ist. Umweltschützer, die nun auch hysterisch einen fraglichem Erfolg feiern, ohne an die Folgen zu denken. Sofort werden natürlich wieder Ausnahmen festgelegt, der Dumme ist wieder einmal der Bürger der sich in gutem Glauben ein Dieselfahrzeug zugelegt hat und nun wieder alleine gelassen wird, aber den ganzen Unsinn wie Überwachung, Beschilderung, Umrüstung usw. bezahlen soll. Vor 130 Jahren war die Lebenserwartung in Deutschland bei Männern 35,5 Jahre und bei Frauen bei 38,5 Jahren der Diesel wurde aber erst 1892 erfunden somit also nicht Schuld an der schlechten Luft und der kurzen Lebenszeit. Heute trotz Diesel liegt die Lebenserwartung bei 82,4 bzw. 86,2 Jahren. Jetzt kommt bestimmt wieder der Einwand, dass die medizinische Versorgung besser geworden ist. Stimmt, aber trotz Feinstaub Stickstoff und CO2 Emissionen wird die Lebenserwartung immer höher, schön für die Menschen, schlecht für die Renten und Krankenkassen. Aber den Schlaubergern Besserwissern und Bürokraten wird auch in diesem Punkt sicher etwas einfallen. 

Hans Winkler Oberding

Wenn ich das alles richtig verstanden habe, sollen wir jetzt also Benziner fahren statt Diesel und dann lieber mehr CO2, CO und SO2, Kohlenwasserstoffe und sogar Partikel ausstoßen, als NO2? Oder gleich zurück zum AKW, weil der Ökostrom für so viele E-Auto ja nicht reicht? Lithium reicht ja kaum für unsere Handybatterien und umweltfreundlich ist dessen Gewinnung ja nicht gerade. Worüber freut sich eigentlich die Umwelthilfe? Man kann Umweltfreundlichkeit wohl kaum an einem Stoff mit fiktivem Grenzwert festmachen. Das sieht eher nach Handelskrieg gegen deutsche Dieselbauer aus. Langfristig müssen schlicht alle täglich stereotyp gleichen Fahrten zur Arbeit durch einen neuen App-gesteuerten ÖPNV ersetzt werden. Dazu zeichnen wir eine Woche lang die Bewegungen der Berufspendler aus den Dörfern per Handyortung (freiwillige Teilnahme) auf und errechnen daraus Strecken, Umsteigepunkte und Bedarf. Ich sitze dann beim Kaffee, tippe meine gewünschte Fahrzeit ein, und steige kurz darauf draußen in den selbstfahrenden Kleinbus. Bis dahin führen wie eine Fahrspur nach München ein, auf der nur Autos mit mehr als einer Person schnell in die Stadt fahren dürfen. Dabei wäre so viel Abgas gespart, dass man auch seinen Diesel nehmen kann. 

Rudi Vogel Kirchdorf

Das Gericht lässt Fahrverbote bei Grenzwertüberschreitung von 40 Mikrogramm zu! Da fragt sich der Bundesdepp was ist bei einem Arbeitsplatzgrenzwert für Arbeitnehmer von 950 Mikrogram „abgeleitet“ aus einem Rattenversuch und das ein Arbeitsleben lang bei einer 40-Stundenwoche, wenn dieser Grenzwert erreicht oder gar überschritten wird? Ja, entgegnet der Jurist, das war nicht Gegenstand der Klage, über die zu entscheiden war. Ist es nicht ein Offizialdelikt wenn hier, wie beim Straßenverkehr, tausende von Arbeitnehmer vorzeitig aus dem (Arbeits-)Leben ausscheiden? Ist hier das untätig werden unserer Gerichtsbarkeit nicht eine Beihilfe? Nein, hier gehen Wirtschaftsinteressen vor Gesundheit und Leben. 

Ludwig Stemmer München

Die Verunsicherung ist perfekt. Wer will noch einen Diesel kaufen? Der Motor mit dem größten Wirkungsgrad, niedrigsten Verbrauch und ohne Fremdzündung für den Kfz-Antrieb. Politiker und Richter verteufeln ihn. Fachleute - Techniker und Mediziner stellen die Argumentation der Politiker und Richter infrage. Machen Politiker und Richter die Automobilindustrie systematisch kaputt und die Bevölkerung kirre? 2007 bis 2009 brachte man das Projekt Klimaschutz zur Reduzierung von CO2 auf den Weg. Die Folge: Da der Diesel-Motor in Summe weniger CO2-Abgase ausstößt als ein benzinbetriebener Motor, kauft sich die Bevölkerung eher ein dieselbetriebenes Kfz. Jetzt verteufelt man NO2. In der NO2-Bilanz ist der Benzinmotor besser als der Dieselmotor im Abgasverhalten. Die Folge: Die Bevölkerung soll jetzt eher benzinbetriebene Kfz kaufen. Begründet durch die ab Herbst gültige Abgasmessvorschrift (Messung während der Fahrt und 10 Minuten längerer Messzyklus) stehen aber zurzeit wegen der erforderlichen Homologation der Motoren, nicht mehr alle Motorvarianten zur Verfügung. Wartezeiten entstehen für einige neu bestellte Fahrzeuge von mindestens ein halbes Jahr. Also was soll man jetzt für eine Antriebsvariante für sein neues Kfz wählen? Einen Diesel und hoffen, dass genügend Parkplätze vor dem Mittleren-Ring zur Verfügung stehen, wenn man mal nach München fahren will und die Dieselfahrzeuge ausgesperrt werden? Oder ein elektrisch betriebenes Kfz? So wie es die Politiker empfehlen. In der Natur will man keine Funkmasten und Hochspannungsleitungen. Im Haus will man keine Geräte die elektromagnetische Felder erzeugen. Manche Leute laufen sogar mit der Wünschelrute durchs Haus und versetzen elektrische Leitungen, um dem „Elektrosmog“ zu entgehen. Und da soll man sich mitten in so ein E-Fahrzeug setzten, dass von einem elektromagnetischen Feld umgeben ist. Für herzkranke Personen besonders geeignet? Hat ein Politiker schon mal gesagt, wie stark so ein elektromagnetisches Feld, besonders bei den Rekuperationsvorgängen eines E-Fahrzeuges ist? Rekuperation: Beim Bremsvorgang (insbesondere im Gefälle) werden die Batterien aufgeladen, indem der E-Motor als Generator arbeitet und die Bremsenergie in Strom verwandelt, sodass dieser wiederum in den Batterien gespeichert werden kann (= Energierückgewinnung). Kann man diese E-Fahrzeuge wirklich ruhigen Gewissens empfehlen? Ich würde mir lieber ein wasserstoffbetriebenes Fahrzeug kaufen. Die gibt es aber noch nicht. Und warum nicht? Warum erst E-Fahrzeuge bauen, die uns womöglich mit ihrem elektromagnetischen Feld noch kränker machen als Dieselfahrzeuge? Verwirren, verunsichern - planlose Politik. Wie soll es weitergehen? Die Politiker lenken sehr gut von ihrer verfehlten Verkehrspolitik ab. Hier wurde Jahrzehnte lang geschlafen. Umgehungsstraßen für die Städte, Zubringerverkehr in die Städte für Personen und Güter sowie gut vernetzter Nahverkehr in den Städten. Das wäre wünschenswert! Aber wenn man die Städte ohne Weitsicht nur verbaut und den Nahverkehr nicht weiterentwickelt, dann muss man wohl andere Schuldige suchen, wie z. B. die Bevölkerung, die die falschen Fahrzeuge kauft? Oder die Automobilindustrie – die hat aber das gebaut, was sich jahrzehntelang bewährt hat und alle für gut befunden haben. Schließlich ist die Automobilindustrie unser wichtigster Wirtschaftsfaktor. Können Sie mir verraten was man wem noch glauben soll und wo man gute, verlässliche Politiker herbekommt. Nix für ungut.

 Manfred Wittek Mittelstetten

Angeregt durch höchst zweifelhafte Grenzwerte einer (Dauer-) Schadstoffbelastung durch die EU, waren es Politiker wie der Münchner OB, die heute rätseln, welche Konsequenzen ein höchstrichterliches Urteil nun für betroffene Stadtteile, einzelne Straßen und die Bürokratie haben dürfte. Andere beeilen sich, die Sündenböcke bei den Kfz-Herstellern im In-und Ausland an den Pranger zu stellen, was angesichts eines Wirtschaftskrieges unter Konkurrenten im Wettlauf in einem Schneckenren-nen“ zumindest in den Medien ein leichtes Spiel bedeutet. „Experten“ sind sich nicht zu schade, mit Blick auf ein handhabbar praktisches und bezahlbares E-Auto dem Kunden (!) zu Zwischenlösungen zu raten (zum Beispiel Hybrid-Kfz). Aus der Sicht des Diesel-Kfz-Kunden, der auch 2017 im Neu- oder Gebrauchtwagenmarkt sich beraten und überzeugen ließ, dass die Euro 4- oder 5-Norm-Plakette für eine Kilometerleistung von 150 000 km in 4-5 Jahren tauge, stellt sich die augenblickliche Situation realitätsnaher da: Muss er damit rechnen, dass ihm nur in bestimmten Städten und dort nur auf bestimmten Straßen oder flä- chendeckend ein Fahrverbot droht? Konkret heißt das doch, dass eine Klein-Lobby wie die Deutsche Umwelthilfe mit einem Juristen an der Spitze sich anheischig macht, Gremien, die zur Entscheidung auf lokaler, nationaler und (!) europäischer Ebene kompetent sind, in die Pflicht zu nehmen, um durch systematische Wertminderung nicht nur einen anonymen Markt zu beeinflussen, sondern Privatpersonen, Klein- und Großunternehmer und die Eigner von Fuhrparks des ÖPNV zu enteignen. Ist das nicht die klassische, brutale Enteignung aus ideologischen Motiven? Wer heute liest, wie unterschiedlich die Städte schnell reagieren wollen - Brüssel mit Fahrverboten als Vorreiter an der Spitze – deutsche Großstädte wie Hamburg und Stuttgart im Kielwasser des Fortschritts, während es Bundesländer gibt, die den Diesel-Kunden beruhigen wollen, weil sie Fahrverbote (noch) ablehnen, mag mit Blick auf seinen Kfz-Schein abwarten und Tee trinken. Buchstäblich besaufen muss sich nur derjenige, der die emotional aufgeputschten Hurra-Botschaften im Vor- feld des Landtagswahlkampfs ernst nimmt. Bleibt zu hoffen, dass vernünftige (Fach-) Journalisten sich möglichst schnell anschicken, um diesen Hype herunterzuregeln. 

Willi Eisele Wolfratshausen

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