Legale Industriespionage

Thomas Magenheim-Hörmann: Airbus: Bündnis mit Bombardier; Wirtschaft 18. Oktober

Hallo, Ich habe die Entscheidung von Airbus durch Ihrem Artikel mitbekommen. Als ehemaliger Dornier-Mitarbeiter kann ich dazu nur folgendes sagen: Auch Airbus hat im Jahr 2002 alles dafür getan, dass Dornier das Do728/Do928 – Programm nicht zur Vollendung bringen konnte! Zwei Flugzeuge die größen- und kapazitätstechnisch am unteren Ende des A318/A319 Programmes „gekratzt“ haben, aber deutlich wirtschaftlicher (Weil wesentlich leichter) zu betreiben gewesen wären. Damals hätte Airbus nur in Oberpfaffenhofen einsteigen brauchen. Dort wo auch heute noch Airbus Komponenten gefertigt werden. Allerdings von RUAG mit Sitz in der Schweiz. Das Unternehmen hat große Teile von Dornier nach der Insolvenz übernommen. Leider hat auch die Politik damals komplett versagt. Und jetzt steigt Airbus 15 Jahre später bei einem Hersteller in Kanada ein, der damals seine Ingenieure (Übrigens genauso wie Techniker von Suchoi, Embraer & chinesische Konsortien), dank einer unfähigen Insolvenzverwaltung bei Dornier, alle Daten des Do728/Do928-Programmes auf deren Laptops laden ließ, mit dem Vorwand an der Fortführung des zu dieser Zeit herausragenden Flugzeugprogrammes interessiert zu sein. Das war nichts weiter als legale Industriespionage! Jetzt, nach 15 Jahren verkaufen mehrere Hersteller ähnliche Produkte. Man braucht nur die heutigen Flugzeuge „Superjet“ (Suchoi) und „C-Series“ (Bombardier) oder die „Embraer 195“ zu betrachten und man sieht zweifelsfrei die klare Formgebung des damaligen Dornier-Programmes. Wie gesagt, leider hat es Airbus damals verpasst, ein wesentlich wirtschaftlicheres und fortschrittlicheres Flugzeug unterhalb seiner Flugzeugfamilie anzusiedeln und damit 15 Jahre verschenkt. Und ein führendes Unternehmen in der Flugzeugbranche wurde auch durch das damalige Verhalten seitens Airbus sinnlos ausgelöscht. Oder hatte Airbus einfach nur Angst, als die Konkurrenz direkt vor der Haustüre in diesem Segment besser war? Sicher ist jedoch, dass Airbus auch von den, dank der damaligen Insolvenz dann frei werdenden fähigen Köpfe bei Dornier sehr stark profitiert. Viele meiner ehemaligen Kollegen sehen dies heute wie damals genauso. 

Thomas Schelle Gilching

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