Fragwürdige politische Motivationslage

Roland Losch: „Fahrverbote medizinisch nicht begründbar“, Interview mit Hans Drexler; Wirtschaft 14. Februar

Ich weiß ja nicht, wie und vor allem was meine lieben Landsleute über dieses heißdiskutierte „Problem“ denken, ich selbst jedenfalls fühle mich durch die zahlreichen, mehr verwirrenden, als aufklärenden Beiträge einerseits aus berufenem Munde und andererseits zwar gewähltem, aber eher nicht berufenem, politischen Munde mehr als verunsichert, um nicht ein Wort aus der unteren Schublade dafür zu verwenden. Ziehe ich die mehrfach wissenschaftlich untermauerte und veröffentlichte Seite der Diskussionsbeiträge in Betracht, sind 900 Mikrogramm des inkriminierten NOx die Grenze des Zumutbaren und dennoch gesundheitlich nach deren Ansicht unbedenklich. Ziehe ich hingegen die eher politisch untermauerten Beiträge zu diesem Thema heran, leben wir mit einer NOx-Belastung von 70 Mikrogramm (= ca. 8 % des Grenzwertes) nahe am Rande des Todes, weswegen just diese Seite heftig nach Fahrverboten in den Innenstädten schreit. Dabei wird geflissentlich übersehen, dass ein dortiges Fahrverbot die Gesamtbelastung durch NOx nicht nur nicht senken, sodern im Gegenteil erhöhen würde: denn der Verkehr würde dann auf sich bietende Schleichwege ausweichen und die sich dort zwangsweise ergebenden Staus würden zu einer messbaren Erhöhung der Gesamtbelastung führen. Was also tun? Ich denke, es ist an der Zeit, dass sich Wissenschaft und Politik mal an einen Tisch setzen und dieses Thema abschließend klären. Hierbei würden allerdings an die politisch orientierten Diskutanten insofern besondere Anforderungen gestellt, als sie aufdecken müssten, aus welchen wahrhaftigen Gründen sie bislang die wissenschaftlich nicht zu untermauernden Maßnahmen treffen wollen. Stimmenfang? Herausstellung der eigenen Bedeutung? Durchsetzung angekündigter Wahlprogramme? Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs? Was auch immer, ein zumindest zeitweiliger Niedergang der deutschen Automobilwirtschaft wäre zweifelsfrei die Folge. Und dies wäre vor dem Hintergrund der offensichtlich wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse einerseits und einer eher fragwürdigen politischen Motivationslage andererseits ein deutlich zu hoher Preis, zumal dann die Finanzierung glorreicher sozialer Projekte für eine längere Zeit auf wackeligen Beinen stehen würde. 

Jörg Duffing Eichenau

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