Finanzsystem in der Sackgasse

Sebastian Hölzle: Griechischer Ex-Finanzminister für „kreative“ Schulden-Regeln; Wirtschaft 13. Juni

Im Gegensatz zu vielen anderen ließ sich Herr Varoufakis bereits 2015 die ökonomische Wahrheit auch für viel Geld und ein hohes Amt nicht abkaufen. Faszinierend ist indes, dass sich 500 Millionen EU-Bürger von ihrem politischen Führungspersonal seit Jahren an dieser ökonomischen Wahrheit vorbei schaukeln lassen. Diese besagt, dass jedes Währungssystem unausweichlich zum Scheitern verurteilt ist, das ständig Kredite vergibt, bei denen von Anfang an feststeht, dass sie niemals zurückgezahlt werden können. Noch offensichtlicher wird die zwingende Dysfunktion eines solchen Systems, wenn man bedenkt, dass der mit Abstand größte Teil dieser neuen Kredite allein dazu bestimmt ist, die Zinsen der alten Kredite zu bezahlen. Und also an die hoch verschuldeten Länder niemals ausbezahlt wird, sondern deren Schulden nur ständig und dramatisch weiter erhöht. Dass durch das Endlosdrucken neuen und gegenwertlosen „Luftgeldes“ hier keine dauerhafte Heilung, sondern nur Konkursverschleppung erfolgen kann, auch das müsste jeder Laie begreifen. Bleibt uns, uns weiterhin vom Finanzhokuspokus unserer europäischen Führungsgarde einlullen zu lassen oder auf den Irrtum aller Besorgten - oder auf ein Wunder - zu hoffen. Oder endlich alle unsere Energie darauf zu verwenden, die Folgen eines Zusammenbruchs abzufedern und zielstrebig ein neues, gerechteres, menschenwürdiges und am Gemeinwohl orientiertes Finanzsystem zu entwickeln. Oder: uns auf den - vage aber vielfach - prognostizierten Krieg reich gegen arm vorzubereiten.

 Manfred Ebeling Raubling

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