München und Umland ersticken im Verkehr

CSU streitet über 3. Startbahn; Titelseite, Dirk Walter: Eine Drohung und ein Trick; Kommentar 14. Juli

Wie zu erwarten war, will die vermeintlich demokratische CSU die dritte Bahn nun mit allen erdenklichen Mitteln durchdrücken. Immer dabei: das Totschlagargument, der Wohlstand von ganz Bayern hinge davon ab. Was aber ist Wohlstand? Für mich gehört neben einem gewissen finanziellen Spielraum auch Gesundheit und eine intakte, lebenswerte Umwelt dazu. Zwei Güter, die wir, die im Flughafenumland leben, endgültig opfern müssten. Mehr Wohlstand bedeutet für unsere Regierung und die Wirtschaft mehr Steuereinnahmen bzw. mehr Gewinn, doch was passiert damit? Noch höhere Gehälter für die Konzernchefs? Ein höherer Beitrag Bayerns zum Finanzausgleich, damit der Berliner Flughafen auch endlich fertiggestellt werden kann? Mehr Geld für Medizin, Forschung und Krankenkassen, damit der steigenden Zahl von Herzinfarkten, Schlaganfällen oder Depressionen begegnet werden kann? Das andere Hauptargument sind die Arbeitsplätze, die dadurch geschaffen werden. Die Entwicklung der Arbeitsplätze am Flughafen kann jeder, der in den vergangenen Jahren in den Urlaub geflogen ist, bestätigen: lange Schlangen an Check-In- sowie Gepäckautomaten mit maximal einem (völlig überforderten) Ansprechpartner, lange Wartezeiten bei der Rückkehr am Gepäcklaufband und lange Gesichter bei den Reisenden! 

Wie kann ernsthaft eine 3. Bahn gefordert werden, wenn München und das Umland bereits jetzt im Verkehr ersticken, am Boden und in der Luft? Wenn das Freisinger Tagblatt in einer Serie über die Grenzen des Wachstums in den Gemeinden berichtet, weil es jetzt schon kaum mehr Raum für Wohn- oder Gewerbegebiete gibt und Mieten wie Immobilien unerschwinglich sind? Wenn über ein Verbot von Diesel-Fahrzeugen im Stadtgebiet von München diskutiert wird, damit die Schadstoffgrenzwerte eingehalten werden? Wenn Kapazitätsgrenzen sowie Anzahl der Flüge und Passagiere ständig geschönt bzw. so berechnet werden, dass die Zahlen endlich zum gewollten Anstieg „passen“, während die Zahlen der umwelt- und lärmbedingten Krankheiten tatsächlich immer weiter steigen? Als Betroffener freut es einen auch immer sehr, wenn Angeordnete aus dem fernen Passau oder der Oberpfalz sich als Befürworter präsentieren. Es ist leicht, sich aus schönen, vom Flugverkehr unbehelligten Gegenden wohlwollend zu einer 3. Bahn zu äußern. Diese Personen werden nicht darunter leiden, ebenso wenig wie die Herren Seehofer, Söder, Huber oder Kerkloh, die ihr Leben ganz sicher nicht hier im Flughafenumland verbringen werden, im Gegensatz zu uns und unseren Kindern. Angesichts dieser politischen Willkür kann ich nur darauf hoffen, dass die Münchner mitsamt ihrem OB Reiter, der wirklich hier lebt, standhaft bleiben und nicht vor der CSU und der Wirtschaft einknicken. 

Gudrun Bosch Allershausen

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