Das brauchen wir nicht

Dirk Walter: Stopp!; Kommentar, Mehr Gewerbe an den Autobahnen; Bayern 12. Mai

Heimatminister? Frei nach Polt, habe ich mich damals gefragt: Ja braucht’s denn des? Nach den bisherigen Erfahrungen klare Antwort: So an Heimatminista brauch ma sicha ned! Offen gestanden hat sich mir bisher noch immer nicht erschlossen, welche positiven Aspekte ein Heimatminister für Bayern bringen soll. Negativbeispiele kenne ich allerdings mittlerweile genügend. War ich noch vor einem Jahr der Meinung, Zeit wird’s, dass’ da Söder kummt, so bin ich heute davon überzeugt, er wäre nur ein noch größerer Sonnenkönig. Bayern braucht keine eitlen, selbstherrlichen Regenten. Bayern braucht Politiker, die dieses herrliche Stück Land (Paradies) und seine Kultur verstehen, leben und schützen. Wirtschaftlicher Ausbau ist natürlich immer und kontinuierlich notwendig, aber bitte nicht (nur) zugunsten der Multis, die auch noch nahezu das Privileg der Steuerfreiheit bei uns genießen, lieber Herr Finanzminister – und zu Lasten unserer schönen Landschaft. Sollten Sie aufgrund der nun entfallenden Profilierungsmöglichkeit als Ministerpräsident allerdings schmerzhaftes Defizit verspüren, so empfehle ich, Franken oder noch besser in Griechenland als Spielwiese. 

Franz Knossalla Obersöchering

Ein wissenschaftliches Gutachten und jüngste Reaktionen aus der Zivilgesellschaft zu Regierungsplänen der Heimatstrategie kommen zu einem ernüchternden Schluss: Vor allem die Lockerung des sog. Anbindegebots von Gewerbegebieten an bestehende Bebauung führe absehbar zu einer massiven Beeinträchtigung der bayerischen Kulturlandschaften, so vor allem Zersiedelung. Darüber hinaus bestehe in kultureller Hinsicht die ernste Gefahr, dass mit dem Gesicht der Landschaft auch die Infrastruktur von Bildung, Geschichtsprägung und Identität verloren gehe. Nicht ohne Grund hat sich der Bayerische Landesverein für Heimatpflege in ungewöhnlichem Schulterschluss mit der Bayerischen Ingenieurekammer und dem Bund Deutscher Architekten gegen diese Art von Heimatveränderung ausgesprochen.

Konkret in Würzburg betrifft dies die geplante Verlagerung des Staatsarchivs nach Kitzingen. Das Staatsarchiv ist für Fachhistoriker aus dem In- und Ausland genauso wie für jeden heimatgeschichtlich Interessierten eine bürgerfreundliche und offene Kulturgröße. Es kann seit immerhin rund einem Jahrtausend auf seine Entstehung und Beheimatung vor Ort in Würzburg blicken. Die aktuellen Ministeriumspläne dürften auch im Falle der geplanten Archivverlagerung aus Würzburg heraus zu einer negativen vorstadtartigen Verstädterung des ländlich geprägten Raumes führen, dagegen aber zu Kulturverlust sowie Provinzialisierung der gewachsenen Zentren. Stadt wie Land haben mit dieser einfachen Umverteilung kaum etwas, eigentlich nichts gewonnen.

Nötig ist das Angebindegebot von Gewerbegebieten in aller Offensichtlichkeit – und mehr noch ein Festbindegebot gegen eine entfesselte Raumplanung. 

Dr. Winfried Romberg Würzburg

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