50 Jahre lang körperliche Arbeit

Zahl der Lehrlinge auf Rekordtief, Titelseite 13.04.2017

Ich habe selber eine Lehre im Handwerk als Bauschlosser hinter mir, abgeschlossen vor 30 Jahren. Und es wundert mich nicht, dass so viele junge Menschen heute das Studium und den öffentlichen Dienst bevorzugen. Der Ruf des Handwerks, besonders der kleinen und mittleren Betriebe, ist wohl nicht der beste. Es hat sich wohl herumgesprochen, dass man dort gerade als Lehrling, gefühlt eher als billige Arbeitskraft und zum Werkstatt zamkehren gebraucht wird. Von Rücksichtnahme, Pädagogik oder einfach nur sich ein wenig Zeit nehmen und Arbeitsabläufe sinnvoll zu erklären, ist man wegen Druck, Stress und fehlender Einsicht weit entfernt. Stattdessen: Lehrjahre sind keine Herrenjahre, du machst jetzt das und fertig! Besonders auch das, wozu die älteren Mitarbeiter, Gesellen usw. scheinbar nicht allzu große Lust haben. Kann das aber so in Ordnung sein? Natürlich alles immer schnell und mit 100 % Einsatz. Wenn ich heute ehemalige Bekannte aus meiner alten Berufsschulklasse treffe, haben geschätzte 80 % entweder den Beruf gewechselt oder sind krank geworden. Wer kann ein halbes Jahrhundert lang immer unter Volldampf körperliche Arbeit leisten? Natürlich sind an diesem Druck die kleinen und mittleren Handwerksbetriebe, die um ihre Existenz ringen, nicht nur selber schuld. Nein, wenn beispielsweise der Schlosser-Betrieb vor Ort den Auftrag nicht bekommt, weil der Betrieb, der 200 km oder mehr, entfernt ist, trotz Anfahrt, immer noch billiger ist, dann stimmt etwas politisch nicht mehr. Dann werden die kleinen Arbeiter in einem zu harten Konkurrenzkampf gegeneinander ausgespielt. Scheinbar verspüren immer weniger junge Menschen Lust, sich diesem Druck, diesen auch politischen Versäumnissen auszusetzen und es auf ihrem Rücken auszubaden. Auch irgendwie verständlich. 

Klaus Birkl Weilheim

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