Naturwissenschaftliches Bildungsproblem

Martin Prem: Missverstandene Standort-Vorschriften; Wirtschaft 9. März

Besten Dank für den jüngsten Artikel zum NO2-Thema. Leichter hätte das Bayerische Umweltamt seine Inkompetenz nicht beweisen können. Denn jeder Erstsemester-Naturwissenschaftler weiß, dass die gleiche Menge Schadstoff in einem Luftquader doppelter Seitenlänge gelöst zu einem Viertel der Schadstoffkonzentration führt (die Länge des Quaders bleibt gleich). Hinzu kommt der Diffusionsgradient, denn das NO2 ist ja unmittelbar am Auspuff viel höher konzentriert als am Rand des Luftquaders. Die NO2-Konzentration nimmt daher mindestens quadratisch, wenn nicht kubisch mit dem Messabstand ab. Rechnet man nur quadratisch, bedeutet das, dass man in 25 m Abstand von der Straßenmitte einen mindestens 10-fach niedrigeren NO2-Wert misst als in 8 m Entfernung. Eine Behörde, die durch „Modellierung der Immissionsbelastung“ zu einem naturwissenschaftlich völlig abwegigen Ergebnis kommt, hat also entweder etwas zu verbergen oder sie muss schleunigst physikalische Nachhilfe bekommen. Warum die Umweltbehörde statt zu „modellieren“ nicht einfach mal gleichzeitig in 8 m und in 25 m Entfernung misst, bleibt ebenfalls ein Rätsel. Lieber nimmt man einen Milliardenschaden für die Dieselfahrer und einen Imageschaden für Deutschland in Kauf, als dass man die einfachsten Messtechnikprinzipien beachtet (die vergleichsweise fast nichts kosten). Zur neuesten UBA-Studie nur so viel: Dort wird behauptet, dass NO2 im Jahr 2014 6000 vorzeitige Todesfälle verursacht habe, Feinstaub aber 41 100, also rund 7-mal so viele! Wenn man dann noch weiß, dass ein moderner Diesel deutlich weniger Feinstaub pro km ausstößt als ein Benziner, warum werden dann nicht die Benziner verboten? Wenn man aus der Dieseldiskussion eines lernen kann dann das: Wir haben vor allem in unseren Umweltbehörden ein peinliches naturwissenschaftliches Bildungsproblem. Die genannten Experten, die die Darstellung des Bayerischen Umweltamtes ebenso bezweifeln wie ich, mögen anonym bleiben wollen, meinen Namen können Sie gerne veröffentlichen, ich bin promovierter Mathematiker und Physiker. 

Dr. Peter Jochum Herrsching-Breitbrunn

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