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Der Euro und die Griechen  -   Wäre für sie nicht vielleicht die Drachme besser?

Stimmen zur Finanzhilfe an Griechenland

„Kann es sein, dass wir Deutschen mit unserem sorgsam erwirtschafteten Geld – welches schon durch die Bankenkrise enorme Verluste erlitten hat – für Länder aufkommen müssen, die glauben, in der Europäischen Union einen Goldesel gefunden zu haben?

 Ein Land, das der EU beitreten will, hat bestimmte Kriterien zu erfüllen. Kann es diese aus selbstverschuldeten Gründen nicht einhalten oder hat es sich den Beitritt durch unwahre Angaben erschlichen, sollte ihm das Recht, der europäischen Währungsunion anzugehören, abgesprochen und wieder ausgeschlossen werden. Schon die Tatsache, dass in der Regel derjenige, der mit eigener Kraft eine von ihm verursachte Misere bewältigt, eher aus den gemachten Fehlern lernt, als derjenige, für den andere das übernehmen, sollte die EU zu einem konsequenten ,Nein‘ gegenüber Griechenland bewegen. Zudem würde es einigen Staaten veranschaulichen, was sie erwartet, wenn sie dem Irrglauben anhängen als Mitglied des europäischen Staatenverbundes EU-Gelder mit vollen Händen ausgeben zu können. Auch hier gilt: Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.“

 Annemarie Fischer Wielenbach

„Was soll die ganze Jammerei? Die Deutschen müssen 20 Jahre mehr arbeiten als die Griechen und erhalten dann noch bedeutend weniger Rente? Es wäre richtig, wenn sich Millionen von Bürgern direkt an die Regierung wenden, um zu protestieren, als in Leserbriefen ihren Unmut zu äußern. Offenbar passiert dies jedoch nicht, und alles läuft deshalb weiter wie bisher. Für alles hat man Geld, nur für das eigene Land nicht. Jetzt reicht es – die Bürger sind doch selbst schuld, sich ohne Gegenwehr alles bieten zu lassen und keine Konsequenzen zu ziehen.“

 Marita Rieger Neuried

„Griechenland, das Land der Götter. Leider haben es die Götter versäumt, außer das Land mit einer wunderschönen Natur und einem großartigen Klima auszustatten, seinem Volk eine Mentalität mitzugeben, die es ermöglicht in einem auf Leistung und Wertschöpfung ausgerichteten Europa ein gleichwertiges Mitglied sein zu dürfen. Obwohl das sicherlich nicht für alle Griechen pauschal zutrifft, liegt das Kernproblem genau darin. Zahlreiche Urlaube abseits des Pauschaltourismus und Erfahrungsberichte von in Griechenland lebenden Deutschen, aber auch von Griechen selbst, zeigen ein erschreckendes Bild von Korruption, Subventionsbetrug, haaresträubender Umweltzerstörung, geprellten Touristen und falschem, unberechtigtem Stolz auf nicht vorhandene Leistungen. Dass unsere Regierenden das nicht sehen oder begreifen wollen, liegt wohl zum einen daran, dass man sich nur in ausgewählten intellektuellen Kreisen bewegt und zum anderen an der grassierenden Seuche der Political Correctness, die es verbietet, die Dinge beim Namen zu nennen, ohne dass sofort ein lautes Geschrei von politischen Minderheiten losbricht. So wird Demokratie zur Demokratur. Die mehrheitliche Meinung des Volkes, die in der Regel dem gesunden Menschenverstand und etablierten Wertvorstellungen entspringt wird mit Füßen getreten. Die morgendliche Lektüre der Tageszeitung wird zum Adrenalinfrühstück beim Anblick der derzeit herrschenden, ungelösten Probleme und vor allem dann, wenn man das Personal betrachtet, die mit der Lösung dieser Probleme betraut sind. Schöne Aussichten!“

 Jürgen Beier Geretsried

„Alle Vorschläge für die Hilfen für Griechenland sind ja in Ordnung, nur ich vermisse Vorschläge für Konsequenzen der Beteiligten ob Abgeordnete, Beamte und Banken. Es kann doch nicht sein, dass man einem Land von der Größe Bayerns so viele Milliarden Geld gibt. Hat sich den da keiner Gedanken gemacht? Jetzt auf einmal wird erklärt, Griechenland hat sich den Beitritt erschwindelt durch falsche Zahlen. Wo aber waren die verantwortlichen Prüfer? Was wurde unternommen als die massiven Betrügereien bekannt wurden, dass Griechenland nur aus Olivenbäumen bestehen musste (Subventionen für Olivenbauern)? Ist ja egal, der Steuerzahler der EU-Länder wird’s schon bezahlen. Meine Vorschläge zur Krisenbewältigung: 1. Alle Geldgeber ob Fonds oder Banken an einen Tisch und die Zusage einholen, auf 10 % der Forderung zu verzichten (Ergebnis 30 Milliarden). 2. Alle EU-Abgeordneten leisten eine Soliabgabe von 10 % ihres Einkommens, alle griechischen Abgeordneten 20 %. 3. Alle EU-Beamte ab einem Einkommen von 3000 Euro leisten ebenfalls einen Solibeitrag von 10 % (Wer sogar Zuschuss für seinen Urlaub bekommt, kann dies auch in der Notsituation aufbringen. 4. Allen Bürgern in Griechenland mit großerem Besitz, Bungalows, Jachten, Ferienhäusern wird eine Soliabgabe auferlegt. 5. Auch den Staatspensionisten in Griechenland muss die Pension gekürzt werden. Dies sind keine Neidvorschläge, aber unseren Rentnern werden auf Jahre Nullrunden vorgesetzt, und wir müssen aber alle erhöhten Kosten, sei es durch die Kommunen (Müll, Wasser, Kanal usw.) ja auch einsparen, oder Preiserhöhungen Öl, Benzin, öffentliche Verkehrsmittel und die Preissteigerungen verkraften. Auch jeder Arbeiter und Angestellte hat erheblichere Anstrengungen bei den Einsparungen vorzunehmen, wenn er arbeitslos werden sollte. Warum auch nicht diejenigen, die dafür verantwortlich sind. Ein weiter so kann und darf es nicht geben.“

 Manfred Schön Hattenhofen

„Warum nur die halbe Wahrheit und die noch geschönt zum Thema Griechenlands Finanz-Desaster? Warum wird nicht klar gesagt, dass die Verschuldung Griechenlands nur gegenüber internationalen Banken besteht, dass die EU- und IWF-Gelder postwendend an diese Banken gehen und damit diesmal ein Rettungsschirm über ausländische Banken gespannt wird, bei dem Deutschland der größte Zahler ist? Warum wird nicht gesagt, dass der deutsche Beitrag um 900 Millionen Euro höher ist als die bisher genannten 8,4 Milliarden Euro? Diese 900 Millionen rühren daher, dass Deutschland mit ca. sechs Prozent an den IWF-Einlagen beteiligt ist und somit auch an den IWF-Krediten von 15 Milliarden Euro. Wie sollen die Kredite eigentlich abgesichert werden? Goldman und Sachs sowie JP Morgan haben es vorgemacht; die Griechen mussten ihnen für Kredite u. a. die Einnahmen aus Airportgebühren und Lottogewinnen abtreten. Wo sind die Milliarden Euro geblieben, die Griechenland im Rahmen von Beitrittshilfen (Herstellen der EU-Reife) vor dem EU- Beitritt und die laufenden Einnahmen aus dem EU-Haushalt und dem Kohäsi-onsfonds (Beibehaltung der EU-Reife) erhalten hat? Warum können die Schulden Griechenlands eigentlich nicht in einem geordneten Insolvenzverfahren wie bei großen illiquiden Konzernen abgewickelt werden? Betroffen wären doch nur die Banken, die zuvor prächtig verdient haben und jetzt auch einmal etwas verlieren würden. Warum ist die Ausgliederung von Griechenland aus dem Euro eigentlich so abwegig? Vertragshindernisse können es nicht sein. Der EU-Vertrag wird auch bei den geplanten Krediten gebrochen. Der Artikel 125 verbietet der EU und den Mitgliedsländer die Übernahme von Verbindlichkeiten anderer EU-Staaten. Warum wird nicht gesagt, dass die Rückzahlung nach menschlichem Ermessen unmöglich ist? Wie kann das ein Land leisten, das derzeit pro Jahr 109 Milliarden Euro Ausgaben, jedoch nur 81 Milliarden Euro Einnahmen hat? Wie will man das Haushaltsdefizit schließen und bei sehr bescheidener Wirtschaftskraft den Kredit zurückzahlen? Warum wird also nur die halbe Wahrheit gesagt? Wahrscheinlich um zu verschleiern, dass alle Bemühungen dazu dienen, die internationale Finanzwelt vor Verlusten zu bewahren.“

 Sylvia Schröder Farchant

„Warum soll Deutschland mit 8,2 Milliarden Euro ein Viertel übernehmen? Gibt es denn nur fünf EU-Länder? Hat Merkel in geheim gehaltener Vorkenntnis und unverantwortlicher Art unseren Haushalt überschuldet, um jetzt Griechenland zu helfen? Warum soll die Hilfe für Griechenland dazu notwendig sein, den Währungsverbund zu stützen? Wie viele Länder gab es denn anfangs in diesem Verbund? Es ist ein offenes Geheimnis, dass die meisten späteren Länder hinzukamen, um Europa zu melken, ohne es zu füttern; dafür haben viele unserer Abgeordneten sich auch noch stark gemacht. Also ganz im Sinne ihrer Wählerschaft. Übrigens, wohin gehen diese Gelder in einem Land, das für seine Korruption bekannt ist und unter der seine Einwohner leiden? Mit einer Unterstützung Griechenlands würde man einen unannehmbaren Präzedenzfall schaffen. Vielmehr sollte man durch die Ablehnung einer Unterstützung einen Präzedenzfall setzen, damit andere unsichere Kantonisten nicht demnächst auch die Hand aufhalten. Mit der Rettung der maroden Banken begann es; jetzt ziehen andere nach. Man sollte auch dem Drängen der Nachbarländer nach Deutschlands Zusage widerstehen. Wir haben genug Schwierigkeiten, unsere Schulden nicht weiter zu erhöhen, geschweige denn abzutragen, und jetzt sollten wir 8,2 Milliarden Euro oder noch mehr als das Doppelte zum Fenster hinauswerfen? Sollen doch die Griechen (und andere Länder) die Suppe auslöffeln, die sie sich selbst eingebrockt haben! Denn, wenn man sie unterstützt, geht dort der Schlamassel weiter. Wer würde denn Deutschland in einem solchen Fall beistehen?“

 Wendelin Rasenberger Eichenau



Robert Arsenschek: „,Glauben an Griechenland nicht verlieren‘, Interview mit Henrik Enderlein“; „Wirtschaft 28. April, „Griechenland-Hilfe unbeliebt“; Leserbriefe, „Ein Geldesel für Hellas? Neun Antworten“; Im Blickpunkt 27. April, „CSU sagt: Griechen raus aus dem Euro“; Titelseite 26. April

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