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Fynn Ettenhuber (r.) und Felix Starck lehnen über einer Weltkarte. Damit die beiden ihre zweijährige Radtour planen können, braucht es einfach einen größeren Maßstab. Am 22. Juni beginnen sie ihre Unternehmung in Herxheim, ein paar Tage später kommen sie durch den Landkreis.

In aller Ruhe einmal um die Welt

Vor Fynn Ettenhuber und Felix Starck liegt ein Abenteuer: In zehn Tagen gehen sie mit dem Fahrrad auf Weltreise. Es erwarten sie fremde Länder, gefährlicher Straßenverkehr und schmerzendes Sitzfleisch.

Die Packliste für eine Weltreise auf dem Fahrrad ist lang. Sehr lang. Fynn Ettenhuber und Felix Starck sitzen in einer Wirtschaft in Weyarn. Sie gehen das Reise-Equipment nochmal durch. Der größte Posten? Klopapier. Jede Menge Klopapier. „Beim Felix ist wichtig, dass das nicht ausgeht – am besten vierlagig“, zieht Ettenhuber seinen Mitstreiter auf.

Die beiden kennen sich erst seit Anfang des Jahres. Getroffen haben sie sich bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber, einem Gmunder Sportgeschäft. Mittlerweile wirken sie wie eingeschworene Brüder. „Fynn kann gut Radl reparieren und ist total fit“, sagt der Pfälzer Starck (23) über Ettenhuber (25). Der gibt die Komplimente zurück: „Wir denken ganz oft das Gleiche. Und wir bekommen zur gleichen Zeit Hunger.“ Eine gute Basis für ihr Vorhaben: Knapp 70 Länder wollen sie durchradeln, eine Strecke um die 45 000 Kilometer.

Ihre Reiseroute führt quer über den Globus: Indien, Singapur, Australien, Neuseeland, Buenos Aires, Miami, New York, Oslo. Hawaii darf nicht fehlen. „Dafür haben wir drei Monate Puffer“, sagt Ettenhuber. Auch um einen Aushilfsjob haben sie sich gekümmert. Zehn Euro am Tag sollen fürs Überleben reichen, den Rest wollen sie dazuverdienen. In den nächsten Monaten führt der Weg erst einmal 8000 Kilometer nach Almaty in Kasachstan. „Dort geht es zum ersten Mal in den Flieger“, erklärt Ettenhuber.

Fynn Ettenhuber steht vor seinem bepackten Reiserad auf einer Wiese bei Weyarn. Vollbeladen bringt es knapp 70 Kilogramm auf die Waage.

Zwei Jahre soll die Reise dauern. Wie es sich für eine solche Idee gehört, entstand der Plan für die Weltumradelung nicht in ganz nüchternem Zustand. „Es war nach einem Skitag in einer Bar“, erzählt Starck. Danach ging alles schnell. Ettenhuber hatte nur eine Bedingung: „Wenn wir’s machen, dann richtig. Einmal komplett rum!“

Geht das gut? Jeden Tag unterwegs mit ein und demselben Menschen. Starck macht sich keine Sorgen: „Fynn ist ein echter Freund und nach der Reise vermutlich wie mein zweiter Bruder.“ Auch Ettenhuber ist zuversichtlich: „Es gibt sicher mal Tage, an denen man den anderen nicht sehen kann. Aber dafür haben wir ja auch zwei getrennte Zelte.“ Auf den Reiserädern sind Lenker- und Seitentaschen sowie Packsäcke montiert. Auf einem kleinen Anhänger zieht jeder einen weiteren Packsack über die Straßen der Erde. Vollbepackt bringen ihre Reiseräder je knapp 70 Kilogramm auf die Waage.

Wenn Ettenhuber und Starck an die nächsten Monate denken, kommen sie ins Schwärmen. Die Heimat hinter sich zu lassen, fällt ihnen nicht schwer, zu groß ist die Vorfreude auf die Fremde. Stück für Stück verabschieden sie sich vom Leben in Deutschland. „Ich habe alle Sachen verkauft“, erzählt Starck. „Mein Leben passt in drei Umzugskartons.“ Auch Ettenhuber, der ehemalige Radrennfahrer, hat sich von seinem Hab und Gut getrennt. „Mit jedem Teil fühlst du dich etwas freier.“

Ist so eine Reise eigentlich gefährlich? „Unsere größten Sorgen sind Krankheiten und Überfälle. Das Gefährlichste ist aber der Straßenverkehr“, sagt Ettenhuber. In Thailand seien zwei Radler erst kürzlich von einem Lkw getötet worden. Für Starck wird es aber schon in Ungarn ernst. „Das ist die letzte Chance Klopapier zu kaufen.“ Auf den Anhänger passen 30 Rollen. Am besten vierlagig.

Von Tassilo Pritzl

Über ihre Reise berichten die beiden im Internet unter www.pedal-the-world.com. Ihre Facebook-Seite „Pedal the World“ hat knapp 2000 Fans.

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