Eine Rarität ist das Baudenkmal aus Stampfbeton in der Gemeinde Valley. Doch es ist altersschwach. archiv: tp

Aquädukt: Gefährdete Schönheit

Grub - Über 100 Jahre leistete es treue Dienste, jetzt hat es längst ausgedient und steht auf wackligen Beinen: Das Aquädukt bei Grub muss saniert werden. Untersuchungen dazu laufen noch. Ein Zwischenbericht.

Die Schöne mit den ansehnlichen Rundungen ist in die Jahre gekommen, ihre Fassade bröckelt. Das Aquädukt, das sich in fünf Bögen über den Teufelsgraben bei Grub schwingt, ist zunehmend instabil, immer wieder lösen sich Stücke, ja ganze Brocken stürzten schon herab. Ein Gerüst stabilisiert nun das Baudenkmal an einigen Stellen, ein Verschlag über dem Wanderweg, der sich dort durchschlängelt, schützt Spaziergänger. Aber das ist alles nur ein Provisorium. „Der Komplex muss dringend saniert werden“, sagt Valleys Bürgermeister Andreas Hallmannsecker. Doch so einfach ist das alles nicht.

Jetzt ist das heimliche Wahrzeichen Valleys wieder in den Mittelpunkt gerückt. Nachdem sich die Interessengemeinschaft Grub (IGG) auf der Bürgerversammlung im Sommer nach dem Stand der Dinge erkundigt hatte, hakte der Rathauschef nochmal bei den Stadtwerken München (SWM) nach, die Eigentümer sind. Nun gab Hallmannsecker die Ergebnisse im Gemeinderat bekannt. „Ein abschließenden Bericht gibt es noch nicht“, meinte er.

Da das Aquädukt, das seit 1890 die Trinkwasserleitung nach München trägt, laut SWM nur nach einer eingehenden Untersuchung saniert werden kann, werkeln dort seit April 2011 Spezialisten der Technischen Universität München und Ingenieurbüros herum. Sicher ist jetzt schon: Das Denkmal besteht aus purem Stampfbeton, ein stützendes Metallskelett im Inneren - so wie es heute üblich wäre - fehlt, weshalb es auf wackeligen Füßen steht.

Ausgerechnet dieser risikoreiche Umstand hatte ihm jedoch das Leben gerettet. Als die SWM es abreißen lassen wollten, schob das Landesamt für Denkmalpflege einen Riegel vor. Das Aquädukt, das bis 1998 in Betrieb war, sei eine Rarität, hieß es. Auch die Kommune stemmte sich gegen eine Entfernung. Am Ende lenkten die SWM ein und suchten nach Möglichkeiten, das Schmuckstück doch zu erhalten.

Über den genauen Stand gibt Bettina Hess, Pressesprecherin der SWM, Auskunft: „Die Bausubstanzuntersuchung ist bereits abgeschlossen“, erklärt sie auf Nachfrage. Diese beschäftigt sich mit den äußerlich sichtbaren Schäden wie Rissen, den Störzonen im Inneren und der Homogenität des Betons. Auch der Spannungszustand des Bauwerks rückt hierbei in den Fokus. „Bei dieser Analyse wurden erhebliche Schäden am Bauwerk festgestellt“, sagt Hess.

Doch das ist erst der Anfang. Erst bis Mitte 2013 sollen die Baugrunduntersuchung sowie die Vermessungsarbeiten fertig sein. Erstere nimmt etwa die Gründung der Pfeiler unter die Lupe sowie den Zustand im Böschungsbereich, auf dem das Denkmal steht. Die Vermessung durchleuchtet zum Beispiel Verformungen bei extremer Witterung.

Obwohl teilweise die Ergebnisse schon vorliegen, können die Experten laut Hess erst dann ein Sanierungskonzept entwickeln, wenn alle Studien vollständig sind. Erst dann wird klar, was es kostet, das Aquädukt rundum aufzufrischen. Das Geld allerdings müssen die SWM ganz allein aufbringen: „Zuschüsse“, sagt Hess, „gibt es für das Denkmal nicht“.

Marlene Kadach

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