Flucht aus der Ganztagesklasse

Holzkirchen - Der Markt Holzkirchen baut zwei weitere Krippen. Im Herbst 2013 soll es 96 Plätze geben. Sorgen macht eine andere Altersgruppe: Die Nachmittagsbetreuung von Schülern läuft derzeit etwas aus dem Ruder.

Der Kinderhort der Caritas in der Frühlingstraße und in der Probst-Sigl-Straße platzt aus allen Nähten. Aktuell werden 200 Kinder (134 Plätze) betreut. „Mehr geht nicht“, sagte Bürgermeister Josef Höß (CSU) jetzt im Gemeinderat. Im Herbst müsse der Hort wohl zehn Schüler ablehnen.

Dagegen sinkt die Bereitschaft der Eltern, ihr Kind in der Ganztagsklasse der Grundschule anzumelden. Nur noch 15 Schüler starten heuer im Herbst, in den Jahren zuvor waren es immer zwischen 20 und 27 Schüler gewesen. „Das erklärt die zusätzliche Nachfrage im Hort“, sagte Höß. Ein Runder Tisch wurde einberufen und fand eine mögliche Erklärung: Die Schule endet bereits um 16 Uhr, freitags sogar um 13 Uhr. „Das ist für manche berufstätige Eltern wohl zu früh“, sagte Höß. Man werde deswegen anbieten, dass Ganztagsschüler nach Ende des Unterrichts noch bis 17 Uhr oder gar 17.30 Uhr im Hort betreut werden.

Irmi Ammer (SPD) sieht noch einen weiteren Nachteil der Ganztagesklasse: „Dort gibt es keine Ferienbetreuung.“ Die Schule müsste dieses Angebot also dringend nachrüsten, „denn die Ganztagesklasse hält nicht, was ihr Name verspricht“. Das entscheidende Kriterium ist für Martin Pförtsch (CSU) die geringe Flexibilität der Ganztagesklasse: „Das ist regulärer Unterricht, der bis 16 Uhr läuft - und keine Aufbewahrung.“ Es herrsche Anwesenheitspflicht, ein Hobby müsse da zurückstehen. „Und das kommt bei Eltern halt nicht so besonders gut an.“

Aber reicht das, um diese ungewöhnlich starke Abwanderung in den Hort zu erklären? Höß vermutet noch andere Ursachen. „Wir müssen ganz genau hinschauen.“ Auf alle Fälle gelte es, den Trend zu stoppen. „Vielleicht muss man mehr Werbung machen für die Ganztagesklasse.“ (avh)

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