Vortrag auf 56 Seiten: Sehr ausführlich informierte Rathauschef Josef Höß bei der Bürgerversammlung im Oberbräu-Festsaal über laufende und anlaufende Projekte. Über allem schwebte am Donnerstagabend aber die Unsicherheit, ob das millionenschwere Geothermie-Projekt vor dem Aus steht. Foto: Andreas Leder

Die Geothermie wackelt

Holzkirchen - Ein freudiges „Jetzt geht's los" wollte er verkünden. Stattdessen musste Rathauschef Josef Höß in der Bürgerversammlung Frust bewältigen. Die Strompreis-Bremse bedroht das große Geothermie-Projekt. Zweieinhalb Stunden hörten die 400 Besucher, welche Projekte in Holzkirchen starteten und starten. Doch die erlösende Entwarnung, die hatte Höß nicht dabei.

Angeschlagen stand, teilweise auch saß Bürgermeister Josef Höß (CSU) am Pult, den linken Arm in einer Schlinge. Die Folgen einer Schulter-Operation beuteln den Rathauschef noch. Fast schon ein symbolisches Bild: Denn Höß leidet auch, weil das penibel vorbereitete Geothermie-Projekt plötzlich auf der Kippe steht. Die urplötzlich von den Bundesministern Peter Altmaier (Umwelt) und Philipp Rösler (Wirtschaft) verkündete Strompreis-Bremse stellt die garantierte Einspeisevergütung für Geothermie-Strom in Frage. Mit dieser EEG-Vergütung aber steht und fällt die ohnehin schwierige Finanzierung des 70-Millionen-Euro-Projekts.

Schulbau, Krippen, Grünes Zentrum, Bau einer Großküche, endlich ein Gymnasium: Stolz beschrieb Höß in seinem Vortrag, der zu ausführlich ausfiel, den Investitionsschwung, der durch Holzkirchen zieht. Über allem aber hing der Geothermie-Schock. „Sechs Jahre Vorbereitung wären null und nichtig“, sagte Höß, „2,5 Millionen Euro Planungskosten wären in den Sand gesetzt.“ Es geht um die 25 Cent pro Kilowattstunde, die für Geothermie-Strom 20 Jahre garantiert sein müssen. Darauf basiert die Wirtschaftlichkeits-Berechnung. „Wenn das weniger wird, ist unser Projekt gestorben.“

Höß verlas einen Brief, den er nicht nur an die Minister schrieb, sondern politisch breit streute. „Wir sind entschlossen, unseren kommunalen Beitrag zur Energiewende zu leisten“, heißt es darin. Doch leider habe der EEG-Änderungsvorschlag der Finanzierungszusage der Banken und damit der Entscheidung des Gemeinderats den Boden entzogen. „Ist es zu verantworten, das Projekt fortzuführen“, fragt Höß in dem Brief, „können wir uns auf die gesetzlichen Rahmenbedingungen verlassen, oder belasten wir unsere Nachkommen mit einer Investitionsruine?“ Es sei dies die schwierigste Entscheidungssituation, vor der der Gemeinderat je stand.

Der Brief habe durchaus Wirkung gezeigt, sagt Höß. CSU-Bundesministerin Ilse Aigner („Mit ihr telefoniere ich jetzt täglich“) habe ihren Kabinettskollegen Altmaier (CDU) auf das Holzkirchner Dilemma angesprochen. Prompt klingelte am Donnerstag, mitten im Probelauf für die Bürgerversammlung, das Handy. „Da war eine Dame aus dem Umweltministerium dran, der habe ich erst einmal erklärt, was wir hier vorhaben.“ Es komme ihm vor, sagt Höß, als ob „die langsam begreifen, welche Tragweite das alles hat“.

Während Aigner in Berlin Strippen zieht, will Landrat Jakob Kreidl (CSU) Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) ins Bild setzen. Denn auch Seehofer wird bei der entscheidenden Sitzung am 21. März in Berlin dabei sein, wenn die Strompreis-Bremse endgültig Gestalt annimmt. „Ich verstehe, wenn man EEG-Vergütungen kürzen will“, sagt Höß, „aber doch nicht bei Projekten, die längst laufen. Da muss Bestandsschutz gelten.“

Tatsächlich steht das Projekt in den Startlöchern. Die Bohrfirma will bis Ende April den Auftrag haben. Sollte es bei den 25 Cent garantierter Vergütung bleiben, will die Gemeinde schnell zu einer Geothermie-Bürgerversammlung mit Experten einladen - vor der letzten Entscheidung des Gemeinderats. „Da können dann alle Fragen gestellt werden“, verspricht Höß. (avh)

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