Kabarett von der Kleiderstange: Die Schlierseerin Christine Eixenberger ist mit ihrem Stück „Ballkontakt“ – das die Tücken eines Fußballvereins beleuchtet – auf viel Begeisterung im Holzkirchner FoolsTheater gestoßen. foto: andreas leder

Kabarett: Neues vom Spielfeldrand

Holzkirchen - Ein Kette rauchender Trainer, Waschbrettbäuche mit Puddingschicht und Spielerfrauen in teuren Fummeln: Alles über die Welt eines bayerischen Fußballvereins samt Anhang hat Christine Eixenberger im Holzkirchner FoolsTheater verraten. Ein amüsanter Blick hinter die Kulissen.

Das war Fußball vom Feinsten. Souverän präsentierte sich Christine Eixenberger am Freitagabend zum Saisonauftakt im Holzkirchner FoolsTheater. Im ersten Spiel als Kabarettistin mit Soloprogramm überzeugte die 25-jährige Schlierseerin von Beginn an. Starke Szenen und kurzweiliges Spiel garantierten ihr mit „Ballkontakt“ einen nie gefährdeten Erfolg vor ausverkauften Rängen. Grundlage für den sicheren Sieg war Christine Eixenbergers profunde Kenntnis der Materie - auf dem Platz wie am Spielfeldrand -, die sie sprachgewandt und mit Wortwitz zum Besten gab.

Wer irgendwie schon einmal mit dem Thema Fußball zu tun hatte, für den gab es an diesem Abend reihenweise Aha-Effekte. Wer nicht, der konnte sich dennoch prächtig amüsieren über die Darstellung der Welt, die um die 450 Gramm schwere Lederkugel kreist. Vorausgesetzt er war sattelfest im Bayerischen. Denn wie es sich für das Umfeld eines im tiefsten Oberland angesiedelten Vereins, wie dem imaginären TSV Pappenzell gehört, sprach Spielerfrau Eixenberger Dialekt. Mundart mit feinen Nuancen und prägnanten Redewendungen, wie sie die Sache im Kern treffen.

Da ist natürlich das Spiel per se: die Positionen, die Taktik und der Trainer am Spielfeldrand - Kette rauchend, mit markigen Anweisungen an seine Männer und immer an der Quelle für ein frisches Augustiner. Gleich hinter ihm formiert sich die Front der Spielerfrauen. Und hier beginnt das Vergnügen des Abends. Eine gut bestückte Kleiderstange und ein achtlos hingeworfener Haufen Schuhe bilden das Rüstzeug für die erste Halbzeit im FoolsTheater. Shopping ist angesagt beim harten Kern der Groupies von Pappenzell. Und während Christine Eixenberger vom blauen ins rote und vom glitzernden ins härene Kleid schlüpft, nimmt sie das Publikum mit in die Welt der vier Freundinnen aus Kindertagen, die als erwachsene Frauen ihre Samstage am Spielfeldrand verbringen. Die zart besaitete Kinderhortleiterin Annemarie, die ihren Mann, den Stürmer beim Alleingang aufs Tor mit den Worten zurückruft: „Du sollst nicht immer alles allein machen, Fußball ist ein Mannschaftsspiel.“ Angie „ein Trampel von einer Kindergärtnerin“, die so lange Geli hieß, bis Freund Toni nach 68 Saisontoren vom FC Bayern verpflichtet wurde. Seither kauft sie teure Fummel, spricht vornehm nasal und genießt den Prominenten-Status. Moni, die durch ihre amourösen Abenteuer mit mehreren Mannschaftsmitgliedern „spieltaktisch den besten Überblick“ hat, bis sie die Trennung vom Mittelstürmer ins Abseits und eine tiefe Krise stürzt. Und Christine, die als Studentin einen intellektuellen Sonderstatus genießt und sich schon diebisch auf den Tag freut, an dem sie als Grundschullehrerin die Fäden in der Hand hat. Allesamt sind sie glücklich mit dem gewohnten Lebensrhythmus, den die Leidenschaft ihrer Männer vorgibt.

Wie dieses sichere Haus einstürzt, erlebt das begeisterte Publikum in der zweiten Halbzeit. Christine Eixenberger wird zur Kommentatorin des Spielgeschehens. Sie muss mit ansehen, wie die seit Jahren etablierte Bezirksligamannschaft ins Trudeln gerät und absteigt. Frustriert lassen die Männer das Kicken sein. Ihre Waschbrettbäuche setzen eine Puddingschicht an. Zuletzt verlieren sie mit dem Spiel genau das Feuer, das in ihnen brannte, seit sie als Buben vor dem Spiegel standen und sich ausmalten, sie seien große Fußballstars.

Vor dem totalen Kollaps springen die Frauen ein: „Dreimal in der Woche Training, am Samstag Spiel und dann zum Wirt. Ein kleiner Schwips bei Unentschieden und eine Granate bei einem Sieg. Darauf kann man sich verlassen.“ (sie)

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